„Mein Kampf“-Neuauflage in der Kritik

Nach 70 Jahren des strengen Verbots wurde Hitlers „Mein Kampf“ nun neu verlegt. Der Historiker Bernd Sösemann widmete sich in einem Vortrag der Neuausgabe und übte an ihr Kritik. Anonym

Historiker Bernd Sösemann forscht an der FU zu NS-Propaganda. Hitlers Kampfschrift ist dabei ein wichtiges Puzzlestück.
Historiker Bernd Sösemann forscht an der FU zur NS-Propaganda.
Foto: Eva Famulla

Insgesamt 12,4 Millionen Mal ist „Mein Kampf“ bis zum Kriegsende 1945 in Deutschland gedruckt worden. Seither war jegliche Neuauflage verboten. Das Urheberrecht, welches seit den 40er Jahren der Freistaat Bayern ausübte, ist Anfang 2016 ausgelaufen. Im April veröffentlichte das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) nun eine neu kommentierte Fassung von Hitlers Propagandaschrift.

Bernd Sösemann, Leiter der Arbeitsstelle für Kommunikationsgeschichte und angewandte Publizistik der FU, forscht im Gebiet der NS-Propaganda und setzte sich in diesem Rahmen mit der kommentierten Neuedition von „Mein Kampf“ auseinander. Vergangene Woche Donnerstag stellte er das Buch vor. Im Zentrum seines Vortrages standen einige allgemeine Bemerkungen zur Entstehung des Manuskriptes, zur Wirkung und zur Textkritik.

Antwort auf die Hasstiraden

Die Neuauflage widmet sich der Erklärung des Entstehungskontextes, der Offenlegung Hitlers gedanklicher Vorläufer und vor allem der Kontrastierung seiner Ideen und Behauptungen mit den Ergebnissen modernen Forschung. Proklamiertes Ziel der IfZ-Editoren ist es, „wissenschaftliche Gegenargumente zu Hitlers Propaganda, seinen Lügen, Halbwahrheiten und Hasstiraden“ zu liefern.

Sösemann äußerte nicht nur Kritik an der Kommentierungsweise, welche durchweg mit späteren Aussagen Hitlers durchzogen ist, sondern auch am ganzen editorischen Konzept der Münchener Ausgabe. „Hitlers Propagandaschrift kann keineswegs als Vorhersage für spätere Geschehnisse gesehen werden.“ In ihr sei vielmehr die allgemeine Ideologie des Nationalsozialismus enthalten, bestückt mit einigen stark stilisierten autobiografischen Geschichten aus Hitlers Jugend.

Gefährlicher Mythos

Aus diesem Grund ist Sösemann der Meinung, dass die Art des editorischen Vorgehens in der Münchner Neuedition einem falschen Grundsatz folgt. Dass sich das Werk weniger aus sich selbst heraus erklären sollte, sondern vielmehr in einem gesamtgeschichtlichen Zusammenhang gesehen werden sollte.

Denn entgegengesetzt des Glaubens eines Großteils der Hörer verstieß Hitler in seiner späteren Politik gegen entsprechende Passagen aus „Mein Kampf“: etwa was die Außenpolitik angeht und die zeitweise freundlichen Kontakte zu Polen, Frankreich und sogar der Sowjetunion. Auch spielte „Mein Kampf“ keine Rolle in der Erfindung der Gaskammern als Massenmordmethode, denn mit der technischen Umsetzung des Holocausts hatte Hitler wenig zu tun.

Im Grunde genommen ist die Dringlichkeit und Wichtigkeit einer kommentierten Neuedition stark bestreitbar. Der große Mythos um das Buch ist gefährlich – und weniger das Werk an sich. Denn wie Sösemann sagte, seien allein schon die schlechte Strukturierung des Schriftstücks und die durchweg schlechte Qualität des Textes Gründe genug, um das Interesse zu verlieren. In gewisser Weise liegt es letztlich an jedem Einzelnen, die Inkonsistenz mancher Gedankengänge zu erkennen und selbst zu reflektieren.

Anm.d.Red.: Aufgrund handwerklicher und inhaltlicher Mängel distanziert sich die FURIOS-Redaktion von diesem Artikel, sieht aber aus Transparenzgründen davon ab, ihn zurückzuziehen. Durch teils unreflektierte Formulierungen bestimmter Passagen könnten missverständliche Schlüsse gezogen werden.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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