Das Erbe Margherita von Brentanos

Geschlechterforschung an der FU trägt einen neuen Namen: ein neues Forschungszentrum soll die Disziplin an der Uni stärken. Bei dessen Eröffnung erfuhr Hannah Lichtenthäler, was für Pläne das Zentrum bereithält.

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Jazz, Feminismus und Wein – das ist eine gute Kombination für einen festlichen Anlass. „Die Gleichberechtigung der Frauen ist längst erledigt, oder?“, fragte Philosophin Cornelia Klinger scherzhaft bei der Eröffnungsfeier des Margherita-von-Brentano-Zentrums (MvBZ) vergangenen Donnerstag im Harnackhaus. Die Namensgeberin des Zentrums war die erste Vizepräsidentin der FU und setzte als Philosophin und Feministin Geschlechterfragen auf die Agenda der Wissenschaft.

In ihrem Festvortrag träumte Klinger laut – und kontrastierte ihre Visionen von Geschlechtergleichstellung mit der Realität, die etwas anders aussieht. Eine Vorlesungsreihe von Nobelpreisträgerinnen am MvBZ, keine Kategorie „Geschlecht“ mehr und Geschlechterforschung als bestbezahlte Disziplin der Wissenschaft – schön wär’s. „Wir haben viel erreicht und doch nicht gewonnen“, fasste sie zusammen. Trotz all der ernüchternden Realität gab Klinger dem MvBZ positive Energie mit auf den Weg: „Die erste Voraussetzung ist es, nichts für erreicht zu halten. Das wichtigste ist Courage und die Entschlossenheit zur Aufklärung“.

Neuer Ort für Geschlechterforschung

Ziel des MvBZ ist es, die Arbeit seiner Namensgeberin fortzuführen und zu vertiefen. Dazu gehört etwa die Beschäftigung mit Fragen zu sexueller Gewalt, sowie zur Ungleichheit in öffentlichen Gebieten. Weitere Forschungsbereiche der Disziplin sind die Veränderung von Geschlechterverhältnissen durch sich wandelnde globale Strukturen, Migrationsströme aber auch Medien und Kultur. Dabei geht es dem MvBZ nicht nur um die Forschung, sondern auch um Nachwuchsförderung, Vernetzung und die Lehre.

Gerade letztere kann von der Arbeit des Zentrums profitieren. Den Masterstudiengang Gender Studies gibt es an der FU zwar nicht mehr. Es gibt seit diesem Jahr aber immerhin eine Genderprofessur am Otto-Suhr-Institut, die Gülay Çağlar besetzt. Sie forscht und lehrt im Bereich Geschlechterforschung, Global Governance, Wirtschaftpolitik und Feministische Ökonomie. Die Arbeit des MvBZ ist trans- und interdisziplinär ausgerichtet, weshalb jedes Semester zum Beispiel ein Vorlesungsverzeichnis für Gender und Diversity-Lehrangebote zusammengestellt wird.

Auch Melanie Bittner will Genderfragen besser in die Lehre einbinden. Sie arbeitet gerade an einer online Toolbox für Gender und Diversity in der Lehre. „Diese Toolbox ist anwendungsorientiert gestaltet und soll eine praktische Hilfestellung, zum Beispiel bei Lehrinhalten, bieten. Es wird Materialien, ein Starter-Kit, und auch Antworten auf die häufigen Fragen zu Gender und Diversity geben“, erklärt sie.

Per Skype über Gender reden

In der Geschlechterforschung gehe es nun vor allem um die Vernetzung und Internationalisierung – das erklärte am Donnerstag Heike Pantelmann, Koordinatorin für Gender & Diversity in der Lehre. Ein Beispiel dafür sei das Korea-Netz, bei dem es unter anderem um den Austausch zu Geschlechterfragen unter Studierenden geht. „Wir denken dabei an eine E-Learning Platform, ähnlich wie eine Skype-Konferenz“.

Sabina García Peter wiederum ist für Nachwuchsförderung und Digitalisierung zuständig. „Wir wollen schauen, was an der FU in Nachwuchsgruppen zum Thema Geschlechterforschung gemacht wird“, erläutert sie. Im Sinne der Vernetzung sei auch die Digitalisierung der Forschungsdatenbanken sehr wichtig. Ob es wieder einen Studiengang Gender Studies an der FU geben werde? „Das hoffen wir alle!“, sind sie sich einig.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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