Furios stellt vor: Robert von Ostertag

Robert von Ostertag: Tierarzt, Forscher und Gesetzgeber. Der Namensgeber des neuen FU-Gebäudes ist nicht jedem geläufig. Doch er hatte mehr Einfluss auf unser alltägliches Leben, als wir vermuten. Von Corinna Schlun

Das Robert-von-Ostertaghaus beherbergt fünf veterinärmedizinische Institute Foto: Andrea Schmidt, Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der Freien Universität Berlin
Das Robert-von-Ostertaghaus beherbergt fünf veterinärmedizinische Institute
Foto: Andrea Schmidt, Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der Freien Universität Berlin

Schon früh erkennt der gebürtige Schwäbisch Gmünder Robert von Ostertag, geboren 1864, seine Leidenschaft für die Tierwelt. Als Sohn eines Landwirts erlebt er tagtäglich aus nächster Nähe, wie Krankheiten und Seuchen den Tierbestand dahinraffen. Geprägt durch seinen Bruder beendet er seine Ausbildung zum Tierarzt, doch dies will ihm nicht reichen. Nach einem ersten Studium der Veterinärmedizin in Stuttgart zieht es ihn dann für das der Humanmedizin nach Berlin. Nach Berlin kommt er 1892 wieder zurück, als er an die damalige Tierärztliche Hochschule Berlins berufen wird. Später begründet er das Hygienische Institut in Berlin, dem Vorläufer der heutigen infektionsmedizinischen Institute der Veterinärmedizin an der FU.

Vater der Fleischbeschau

Zu seinem Schwerpunkt werden vor allem Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Oft in Zusammenarbeit mit den Medizinern Robert Koch und Rudolph Virchow. Durch seine Forschungen und dank moderner Mikroskope kann bald gründlicher festgestellt werden, welche Seuchenerreger sich im Fleisch der Tiere befinden. Immer stärker setzt er sich daher bei den Behörden für eine genauere Prüfung der Lebensmittel ein. Im Jahr 1900 hat er schließlich Erfolg: Das erste Fleischbeschaugesetz tritt in Kraft. Wenige Jahre später folgt dann 1909 das Tierseuchenschutzgesetz. Viele Grundzüge der Gesetze sind noch heute in den EU-Richtlinien zu finden.
Aber nicht nur das Fleisch der Tiere steht im Vordergrund. Auch die lebenden Tiere selbst nimmt er immer wieder unter die Lupe. Seine größte Errungenschaft ist das nach ihm benannte Programm zur Bekämpfung von Tuberkulose, welches in Deutschland und der Schweiz eingeführt wurde. Nach 76 Jahren des Lernens und Forschens stirbt 1940 schließlich der „Vater der Fleischbeschau“, Robert von Ostertag, mit 76 Jahren.

Fünf Institute in einem Forschungszentrum

Für seine Leistungen wird er schon zu Lebzeiten ausgezeichnet: 1912 wird er vom König von Württemberg in den Adel erhoben. Seit 1964 wird jährlich die Robert-von-Ostertag-Plakette an herausragende wissenschaftliche Leistung für Veterinärmedizin von der Bundestierärztekammer verliehen. Nun ehrt auch die FU den Veterinär-Pionier mit der Widmung des neuen Zentrums für Infektionsmedizin, dem Robert-von Ostertag-Haus.
Zum 150. Geburtstag des Namenspatrons öffnet dann der Gebäudekomplex am 24. März 2014 offiziell seine Türen. Mit fünf veterinärmedizinischen Instituten ist das neue FU-Gebäude deutschlandweit dasjenige Zentrum für Infektionsmedizin, das die meisten verschiedenen Institute in einem Gebäude vereint. Schon vor 150 Jahre hatte schließlich der Namensgeber Robert von Ostertag erkannt, dass man für ein optimales Forschungsergebnis über den eigenen Forschungsbereich hinausarbeiten muss.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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1 Response

  1. Ingrid Ostertag sagt:

    Durch die Tierärztin unseres Ortes( die zufällig eine Komilitonin Von Dekan Zentek ist) wurde ich letzte Woche über den Artikel in Kenntnis gesetzt. Ich bin die Ehefrau des Enkels von Robert von Ostertag und habe mich sehr über den ausführlichen Artikel gefreut, besonders, das RvO auch schon sich so früh über Zoonosen gedanken macht, die in der Humanmedizin lange nicht gelehrt wurden. Ich habe das RvO Haus am 24.03.2014 mit eingeweiht und das Bild von RvO als Geschenk für das Foyer des Haus gemacht und mit Prof. Zentek enthüllt. Danke für den tollen Artikel. Ingrid Ostertag

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