Die Lehre wird leiden!

Nach einem neuen Urheberrechtsvertrag drohen der FU hohe Kosten und bürokratischer Aufwand. Dem Vertrag ist die FU noch nicht beigetreten. Sie hat nun drei Handlungsoptionen, einen Ausweg aber nicht, meint Julian Jestadt.

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Es ist, als würde die Uni-Welt untergehen. Lehrende sind kurz davor, alles hinzuwerfen. Studierende hamstern panisch die letzten Texte. Aufgrund einer neuen Lizenzregelung müssen ab 2017 alle urheberrechtlich geschützten Texte im Intranet von Universitäten einzeln erfasst und bezahlt werden. Die Folge für Universitäten wären hohe Kosten und deutlich mehr bürokratischer Aufwand für ihre Lehrenden. Dem Vertrag ist die FU aber noch nicht beigetreten. Jetzt hat sie drei Handlungsoptionen, einen Ausweg eher nicht: Egal, was sie tut, die Lehre wird darunter leiden.

Tritt die FU dem Vertrag bei, dann kommen deutlich höhere Kosten auf sie zu. Während bisher das Land eine Pauschale für die Lizenzen gezahlt hat, müsste die FU jetzt 0,8 Cent pro Seite und Studierendem bezahlen. Diese neue Einzelabrechnung würde auch deutlich mehr bürokratischen Aufwand für die Lehrenden bedeuten. In einem komplizierten Verfahren müssten sie ihre Texte jedes Semester einzeln anmelden.

Beitreten oder nicht beitreten?

Tritt die FU dem Vertrag jedoch nicht bei, dann müssten mit Beginn 2017 alle urheberrechtlich geschützten Texte im Intranet gelöscht werden. Stattdessen müsste man sich mit der Verlinkung auf bereits erworbene Lizenzen zufriedengeben. So könnte man zwar drohende Kosten vermeiden. Im Zweifelsfall müssten aber Studierende mehr Geld für Bücher oder Reader zahlen, weil nicht alle Texte über bereits erworbene Lizenzen zugänglich sind.

Das ist nicht wirklich eine Option. Dem Vertrag nicht beizutreten hieße, einen wesentlichen Teil des E-Learning-Systems aufzugeben. Man müsste tatsächlich auf Papierreader, Kopien und Bücher umsteigen. Das wäre weder umweltfreundlich, noch günstig, noch weniger aufwendig. Dann sollte man doch lieber dem Vertrag beitreten. Doch mal abgesehen von den Kosten, wäre das Problem mit dem bürokratischen Aufwand in der Lehre auch dann nicht gelöst.

Verhandeln, aufschieben – auch keine Lösung

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Die Universitäten könnten mit den Ländern und der VG Wort verhandeln, vielleicht die Kostenfrage lösen und einen Aufschub gewinnen, um das neue Anmeldungsverfahren für Texte komplikationslos implementieren zu können. An dem Prinzip der umständlichen Einzelerfassung wird man wohl trotzdem nichts ändern können.

Verhandeln wäre wohl die beste Option. Die FU und ihre Lehrenden hätten mehr Vorbereitungszeit auf die Änderungen. Vielleicht ließe sich das Verfahren zur Textanmeldung auch weniger umständlich gestalten. Doch ein Ausweg ist das nicht.

Es sieht vielmehr so aus, als würde der neue Lizenzvertrag – egal, wie die FU reagiert – früher oder später auf dasselbe hinauslaufen: auf eine deutliche Belastung der Lehre. Lehrende hätten dann noch weniger Zeit, um Hausarbeiten zu lesen, Feedback zu geben und sich auf ihre Seminare vorzubereiten. Und schließlich wären es vor allem die Studierenden, die darunter zu leiden hätten. Mit dem neuen Lizenzvertrag geht also tatsächlich ein Teil der Uni-Welt unter – und es scheint, als könnte es niemand verhindern.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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1 Response

  1. Christopher King sagt:

    Staatssekretär für Wissenschaft Steffen Krach dazu:
    https://twitter.com/s_krach/status/793445577749098497

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