Feministisches Ficken

Im Rahmen der kritischen Orientierungswoche haben linke Studierende zum gemeinsamen Pornogucken eingeladen. Evelyn Toma war dort – und weiß jetzt, wie man als Feministin ohne schlechtes Gewissen Pornos gucken kann.

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Sex in der Zukunft ist wohl auch ziemlich geil. Screenshot: Neurosex Pornoia 2

Gefühlt hundert Menschen quetschen sich in den kleinen Räumlichkeiten in der Weserstraße zusammen. Das gedrängte Publikum starrt auf eine Leinwand, auf der sich zwei Frauen in Höschen mit verschiedenen Früchten einreiben. Es ist eine schleimige Angelegenheit. Banane, Kiwi und Orange werden zuerst in den Händen zerquetscht, dann an den Brüsten der anderen zerrieben. Die Nippel werden hart und betteln geradezu darum, mit der Zunge von Obst befreit zu werden. Porno als Public Viewing klingt vielversprechend, vielleicht wie der Anfang einer Orgie.

Im Rahmen der kritischen Orientierungswochen an der FU veranstaltete das Schwulenreferat des Asta am 13. Oktober einen queeren Kneipenabend – inklusive Pornscreening. Aber dabei ging es gar nicht wirklich um die Lust. Vielmehr wurde der Blick auf die Kriterien der Post-Pornografie geschärft. Die kleinen Filmchen zeigten nicht das übliche Rein-Raus-Geficke der Mainstreampornos. Es ging um andere Körperbilder, andere sexuelle Orientierungen, weg von binär-sexistischen Bildern. Dafür wurden selbstgedrehte Tuntenpornos* und queerfeministische Pornos gezeigt.

Böser Porno, guter Porno

Der klassische Porno folgt ungefähr folgendem Schema: Frau macht Fellatio bei Mann, Frau wird vaginal penetriert, Frau wird anal penetriert, Frau wird ins Gesicht ejakuliert. Diese Form von Porno ist nicht nur unrealistisch, sondern auch wahnsinnig sexistisch. Es gibt keinen Raum für die Bedürfnisse der Frau, die in dem Fall sowieso nur ein passives Objekt ist. Kurz gesagt: Im Mainstreamporno läuft so einiges schief.

Aber wie die ehemalige Pornodarstellerin und heutige Dozentin für Sexologie Annie Sprinkles sagt: „The answer to bad porn isn´t no porn, it´s to make better porn.“ Aus dieser Idee heraus ist die Gattung Post-Porno entstanden. Sie versucht einem queeren und feministischen Anspruch gerecht zu werden. Ihre Mindestanforderungen sind eine sexpositive Darstellung der weiblichen Lust und die Beteiligung von Frauen bei der Filmproduktion. So wird die Stellung der Frau als entscheidendes Subjekt gewährleistet, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Außerdem gibt es oftmals kein festes Drehbuch. Die Schauspielerinnen entscheiden in der Situation, was sie tun wollen und was nicht. Und wenn sie verhüten wollen, dann wird auch das gezeigt.

Die Frauen im Kurzfilm „Shutter“, der beim Porncreening gezeigt wurde, trugen zum Beispiel Handschuhe als sie sich im herbstbunten Wald gegenseitig befriedigten. Die Regisseurin Goodyn Green spielt selbst eine dieser Frauen. Wer sich selbst den Partner castet, dem macht der Dreh dann wohl auch mehr Spaß.

Von Tunten und Cyborgs

Einer der Vorteile von Post-Porno ist vielleicht auch das Identifikationspotenzial. Die Personen, die abseits des Mainstreampornos zu sehen sind, können dick, dünn, groß, klein, of Colour, disabled oder genderqueer sein. Im während des Screenings gezeigten Sci-Fi-Film „Neurosex Pornoia 2“ stöhnten sich sogar Cyborgs bis zum Zusammenbruch in Rage, nachdem sie sich ein Sexprogramm heruntergeladen hatten.

Abgesehen von feministischen Pornos wurden aber auch selbstgedrehte Tuntenpornos gezeigt. Vom unschuldigen Obstsalat im oben erwähnten Film bis zum für manche Zuschauenden grenzwertigen Porno „Fisten“, in dem sogar ein wenig Blut geflossen ist, war eine ganze Spannbreite an sexuellen Praktiken zu sehen. Aufgrund pompöser bunter Kleider und billiger Perücken brachten die Tuntenpornos ein wenig Humor in die Sache. Nur die sehr explizite Fistszene provozierte eher einige gequälte Lacher und verstörtes Wegschauen.

Was die Zuschauenden an diesem Abend mit nach Hause genommen haben, waren also vielleicht keine feuchten Höschen, dafür aber die Erkenntnis, dass man manche Pornos auch als Feministin guten Gewissens schauen kann.

*Der Begriff „Tunte“ ist in der LGBTQ-Community eine Selbstbezeichnung für überwiegend homosexuelle Männer, die gerne gesellschaftlich eher Frauen vorbehaltene Klamotten tragen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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1 Response

  1. Anonymous sagt:

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