Besser ist noch lange nicht gut

Unser Universitätsoberhaupt Peter-André Alt gibt mit einer einseitigen Kritik des “worst case Trump” eine implizite Heiligsprechung der Alternative Clinton ab. Björn Brinkmann hat sich Alts fragwürdiges Interview einmal intensiv angeschaut.

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Als ich das Interview des Präsidenten der FU mit dem ze.tt-Magazin zur bevorstehenden US-Wahl anfing zu lesen, war ich zunächst durchaus positiv überrascht. Peter-André Alt erlag nicht der Versuchung, Donald Trump, den republikanischen Präsidentschaftskandidaten, als das schlichtweg Böse abzustempeln. Mit der dunklen Seite der Macht kennt sich der Literaturwissenschaftler, Autor von “Ästhetik des Bösen”, immerhin aus.

Trump als Freie Radikale?

Nach der Lektüre allerdings muss ich ein mehr als gemischtes Fazit ziehen. In einer Haltung des permanenten Augenzwinkerns wird Trump als chaosstiftender Unheilsbringer aus Prinzip charakterisiert. Und weil eine Portion Spott nicht fehlen darf, wird er sogleich mit einer Figur aus den bekannten Janosch-Erzählungen verglichen. So weit, so unlustig.
Trumps Ziel sei es quasi, jede Ordnung, jede Logik – auch positive – zu chaotisieren. Wie das mit den inhaltlichen Forderungen seiner Kampagne zusammenpassen soll, erklärt Alt nicht.

Nähert man sich Trumps politischer Ausrichtung einmal aktiv an, so wird eines schnell klar. Neben den üblichen republikanischen Kernforderungen nach Steuersenkungen, Freiheit der Waffen und Abschaffung der jungen Gesundheitsversicherung finden sich vor allem Positionen, die mit patriotisch getriebener Stimme die Wiederherstellung der militärischen und ökonomischen US-Souveränität fordern. Laut der frauen- und fremdenfeindlichen 2016er-Version von Uncle Sam fehlt es dieser nämlich gehörig an Substanz.
Auch wie die Forderung, den USA einen auslandsfinanzierten Limes des 21. Jahrhunderts Richtung Tijuana zu bescheren, mit dem Ziel des “Chaotisierens” korrespondieren soll, führt Alt nicht näher aus.

Der versteckte Schulterschluss

Stattdessen leistet er mit seinen Aussagen über den Immobilien-Tycoon etwas gänzlich anderes. Zwar sieht er vernünftigerweise von einer Dämonisierung Trumps unter dem Label des Bösen ab, lässt ihn allerdings mit seiner Chaos-These als unberechenbare Bedrohung erscheinen. Da ist die entscheidende, über dem ganzen Interview schwebende Frage, vorprogrammiert: Warum nicht lieber Hillary?

Es soll hier nicht in Abrede gestellt werden, dass ein Wahlsieg des “Donalds” für viele Personengruppen negative Folgen mit sich bringen könnte – innerhalb wie außerhalb der USA. Dies allerdings als Argument für Clinton zu bemühen und dabei gründlich unter den Tisch zu kehren, für welche Politik sie steht, zeugt von einer grundsätzlichen Bejahung der bestehenden politischen Verhältnisse in und unter der Weltmacht.

Absurder Lobgesang

Wer hier, wie der Präsident der FU, fleißig Trumps Feindschaft gegenüber des Systems verurteilt, drückt damit seine grundsätzliche Zustimmung zu den existierenden Strukturen – Konkurrenzgesellschaft, Imperialismus, Ungleichheit – aus. Eine Position, die wie so oft ohne rationale Argumente auskommt. Aber was soll schon dahingehend von einem Entscheidungsträger einer führenden wissenschaftlichen Institution erwartet werden?

Die Kritik an Trump lebt an dieser Stelle nur vom affirmativen Bezug auf die ach so rosige Realität: ein Mr. President Trump? Dann doch lieber drei Jobs mit minimum wage!
God bless America.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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