Ein bisschen zu viel Hollywood

Bildgewaltig und kitschig: „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ bleibt recht flach, findet Friederike Werner. Ihr altes Fanherz hat das Harry Potter-Spin-off trotzdem erwärmt.

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Phantastisch sind die Tierwesen, die in J.K. Rowlings neuem Film zu finden sind, durchaus. Sie sind mit Liebe zum skurrilen Detail animiert und in seinem verzauberten Koffer trägt Protagonist Newt Scamander Hunderte von ihnen mit sich herum. Der Tiefgang, mit dem die magischen Kreaturen des Potter-Universums normalerweise gezeichnet sind, fehlt ihnen jedoch.

Der schnabeltierähnliche Niffler mit seiner Vorliebe für Schmuck und Gold, Nashörner mit explosivem Sekret auf der Stirn und Donnervögel sind zwar putzig oder farbenprächtig, aber ihnen fehlt eine Geschichte, wie sie zum Beispiel die Thestrale in Hogwarts haben, die nur für Menschen sichtbar sind, die den Tod kennen. Damit stehen die namengebenden Geschöpfe exemplarisch für den ganzen Film, der vor allem durch seine Bilder punktet.

Die Geschichte beginnt im Jahre 1926, als der britische Zauberer und selbsternannter Magiezoologe Newt Scamander mit seinem Koffer nach Amerika reist. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände entwischen einige seiner magischen Kreaturen und stürzen New York ins Chaos. Das gefährdet die Geheimhaltung der magischen Welt – Ex-Aurorin Porpentina Goldstein ist ob Scamanders Verantwortungslosigkeit außer sich und wird zusammen mit Muggel Jacob Kowalski und ihrer Schwester Queenie in die Suche nach den verschwundenen Tieren verwickelt. Gleichzeitig treibt aber noch etwas Anderes in New York sein tödliches Unwesen. Während die Zauberergemeinschaft alarmiert versucht, den Fall zu lösen, hat sich unter den Nicht-Magiern eine Sekte gebildet, die die übernatürlichen Ereignisse beobachtet und eine Hexenverfolgung fordert.

Kein Vorwissen nötig

Sporadisch eingestreute Verweise auf Hogwarts, Grindelwald oder Schulleiter Dumbledore dürften Fanherzen erwärmen. Gleichzeitig ist der Film aber auch für jeden zugänglich, der sich noch nie mit J.K. Rowlings Universum beschäftigt hat. Alle auftauchenden Fragezeichen werden von Jacob artikuliert, für den die Zaubererwelt ebenfalls neu ist.

Produziert von David Yates, der auch für die ersten vier Harry Potter-Filme verantwortlich war, ist „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ gewohnt bildgewaltig und kurzweilig, aber auch sehr viel gruseliger als man es von einem Film ab sechs Jahren erwarten würde. An vielen Stellen vermischt sich die Atmosphäre der Goldenen Zwanziger in New York auf charmante Weise mit der Zaubererwelt.

Dann driftet der Film aber ins Hollywoodeske ab. Aus zwei weiblichen und zwei männlichen Protagonisten werden natürlich zwei Liebespaare. Dabei stimmt die Chemie zwischen Porpentina und Newt ungefähr so sehr wie zwischen Draco Malfoy und einem Hippogreif. Zu sagen haben sie sich eigentlich nichts. Generell scheint für die Rolle von Porpentina nicht viel mehr vorgesehen zu sein als ein angespannter Gesichtsausdruck in Nahaufnahme.

Vielleicht hielt man die obligatorische Liebesgeschichte für notwendig, um die Spannung für die immerhin vier weiteren geplanten Filme der Tierwesen-Serie aufrecht zu erhalten. Einen anderen Cliffhanger gibt es nämlich nicht. Wobei belesene Harry Potter-Fans natürlich bereits wissen, welche brisanten politischen Ereignisse in der Zaubererwelt zwischen 1926 und 1945 auf die Kinobesucher warten.

Die Geschichte des ersten Teils bietet alles in allem ein paar interessante Twists, aber eine ziemlich platte Moral: Menschen sind boshafter als Tiere. Als Newt sich um seine Schützlinge sorgt, die herrenlos in New York umherlaufen, sagt er, für sie sei das gefährlicher als für die Anwohner: „They are surrounded by thousands of the most dangerous creatures on earth… humans.“ Sorry, aber solche Weisheiten klingen nur aus Dumbledores Mund cool.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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