Mensagulasch ist nicht alternativlos

Ein Artikel in ZEIT Campus will uns einreden, dass es sich bei Konservativen um die besseren Studierenden handelt. Das ist eher die Verklärung von Opportunismus, findet Lukas Burger.

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„Wer mit zwanzig kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit vierzig noch Kommunist ist, hat keinen Verstand“. Dieser Satz, der mal Winston Churchill, mal Georges Clemenceau zugeschrieben wird, ist schwer zu überbieten in seiner ausgelutschten Phrasenhaftigkeit. Trotzdem pflichtet Janosch Siepen ihm in einem Kommentar bei ZEIT Campus wieder einmal bei. In einem Versuch, selbst den Zwanzigjährigen den Kommunismus austreiben, proklamiert er lautstark: „Die besten Studenten sind konservativ“. Das geschieht im Rahmen einer aktuellen Serie, die sich mit Menschen auseinandersetzt, die sich durch die Attribute jung und konservativ beschreiben lassen. Bisweilen lesen sich diese Artikel ganz interessant, wenn sie nicht in die Affirmation eines politischen Retro-Revivals ausarten.

Die Argumentation bleibt so flach wie der Humor bei einem Burschenschaftsgelage

Es besteht die Möglichkeit, dass dem Text eine schwer wahrnehmbare Ironie-Ebene immanent ist, die ihn rechtfertigen würde. Ohne diese bleiben Inhalt und Argumentation des Textes flach wie der Humor bei einem Burschenschaftsgelage. In vier Argumenten wird dargelegt, dass Studierende doch eigentlich zu klug seien, um sich Albernheiten wie progressivem Denken oder gar gesellschaftlichen Utopien hinzugeben. Stattdessen sollten sie sich lieber an die Gegebenheiten anpassen, die ja so schlecht gar nicht sein, darauf achten, selbst gut wegzukommen und das alternativlos schlechte Mensaessen akzeptieren. Sich über Zustände zu empören, sei nicht drin. Schließlich habe man genug eigene Sorgen. Conservatives first!

Nur wer seine Ideale auslebt, kann auch etwas verändern

Natürlich verliert man seine Ideale mitunter in den Nebenschauplätzen des Lebens, aber es kann doch nicht die Lösung sein, diesen Umstand zur eigenen Attitüde zu machen und sich dafür auch noch selbst auf die Schulter zu klopfen. Dass kritisches reflektiertes Denken als konservatives Alleinstellungsmerkmal bezeichnet wird, bleibt dabei nicht der einzige logische Knieschuss. Der Artikel blendet vollkommen aus, dass sich die Gegebenheiten nur deswegen auf ein – für viele – erträgliches Maß verbessert haben, weil es immer wieder Leute gab, die eben nicht konservativ waren und versucht haben, die Welt voran zu bringen.

Das waren zumeist junge Leute, die wenig zu verlieren hatten und bereit waren, ihren Idealismus, ohne große Rücksicht auf Verluste, auszuleben. Notwendige gesellschaftliche Fortschritte wie Klimaschutz, die Akzeptanz gesellschaftlicher Diversität und die Gleichstellung der Geschlechter werden wohl auch in Zukunft von solchen Studierenden vorangetrieben werden. Solche Studierende müssen auch das schlechte, unökologische Mensagulasch für 2,50 Euro nicht akzeptieren. Sie können eine vegetarische Alternative wählen, die sogar günstiger ist.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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