Alkohol und Anarchie

Es gibt viele Gründe, aus denen OSI-Studierende nachts nicht schlafen können. Einer der angenehmeren sind die Partys am Roten Café. Von seiner ersten musste sich unser Autor erst einmal erholen. Von Paul Lütge

Wenn die U3 an einem späten Freitagabend aus allen Nähten platzt, weiß man bereits, dass etwas Außergewöhnliches im Gange ist: Die legendäre Rotes-Café-Party findet wieder statt! Es ist tiefster Dezember. Alles spricht dafür, die Wohnung nicht zu verlassen. Doch heute Abend wird gefeiert: Einmal im Semester raffen sich die Fans des besetzten OSI-Nachbargebäudes auf, legen „Das Kapital“ zur Seite und strömen ins abgelegene Südwestberlin – und ich bin mittendrin.

Das Rote Café versteht sich als politisches Projekt und Freiraum von gesellschaftlichen Zwängen. Events, die dort stattfinden, sollen entsprechend etwas anderes sein, als nur Saufgemenge für Partylöwen. Bewusstes und vorbehaltloses Feiern ist hier erwünscht. Also eine Wohlfühlparty in einer besseren Welt? So weit, so gut.

Doch dort angekommen stellt sich die Realität etwas anders dar. Das rote Häuschen ist viel zu klein für alle Partygäste. Also stehen die meisten Menschen draußen und wärmen sich an stilechten Feuerstellen auf, um nicht den winterlichen Kältetod sterben zu müssen. In der stickigen Höhle – die höchste Evolutionsstufe des Roten Cafés – sorgen unterdessen verschiedene DJ*anes für einen wüsten Techno-Mix, der bei manchen trotzdem gut anzukommen scheint. Höchstwahrscheinlich bei denen, die den Cocktail-Vorrat geleert haben. Denn ab elf Uhr abends gibt es an der Bar nur noch Bier. Immerhin aber das beste der Welt: Sterni.

Es wird getanzt, erzählt und leidenschaftlich rumgestanden. Betrunkene schreien rum, andere sind genervt. Ein deutliches „Fick dich!“ erhalte ich, nachdem ich mich bei einem rumtorkelnden Zeitgenossen nach dessen Wohlbefinden erkunde. Die Ideologie-Türsteher der schönen heilen Welt müssen ziemlich enttäuscht sein. Denn die Rotes-Café-Party ist – trotz Legendenstatus – eigentlich eine ziemlich normale Party. Besser als anderswo ist die böse Welt hier nicht.

 

Wer unserem Autor nicht traut, kann sich auch selbst ein Bild machen. Die nächste Party findet schon am 14. Juli im Roten Café statt.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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