“Studentenwerk” lebt weiter

Schon lange war klar, dass das heutige Studierendenwerk umbenannt werden sollte. Trotzdem steht auf den neuen Campuscards der FU noch der alte Name – warum? Marius Mestermann hat nachgeforscht.

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Die Umstellung von Papier auf Plastik erfolgt im Rahmen eines Projekts von sechs Berliner Hochschulen, Foto: Marius Mestermann

 

Seit Beginn dieses Wintersemesters verteilt die Freie Universität die neuen Campuscards schrittweise an alle Studierenden. Die Multifunktionskarten kombinieren Studierendenausweis, Bibliothekskarte, VBB-Ticket und MensaCard. Das Problem: Auf allen bisher ausgegebenen Karten steht, wenn auch klein und auf der Rückseite, “Studentenwerk”.

Das ist deshalb verwunderlich, weil eben jenes “Studentenwerk” inzwischen “Studierendenwerk” heißt. Da die Campuscards nicht – anders als die alten Papierausweise – jedes Semester ausgetauscht werden, wird auf tausenden Karten auch in den nächsten Jahren noch “Studentenwerk” stehen. Und das, obwohl FU und Studierendenwerk beide großen Wert auf geschlechtergerechte Sprache legen. Wie konnte es dazu kommen?

Umbenennung schon Anfang 2016 beschlossen

Im Dezember 2015 verwies das Berliner Abgeordnetenhaus eine Vorlage zur Änderung des Studentenwerksgesetzes in den Wissenschaftsausschuss, dieser empfahl unisono eine Zustimmung im Plenum, wo das Gesetz am 18. Februar 2016 ohne Gegenstimmen beschlossen wurde. Darin war unter anderem die Umbenennung geregelt, sie soll bis 2022 vollständig vollzogen sein. Spätestens da war klar, dass das künftige Studierendenwerk ein neues Logo brauchen würde – auch für die in der Anfangsphase befindliche Campuscard.

Kam das Logo zu spät – oder der Druck zu früh?

Hier wird es kurios: Auf Anfrage von FURIOS teilt das Präsidium der Freien Universität mit, dass die aktuell im Umlauf befindlichen Karten “im Zeitraum zwischen Mitte 2016 und Anfang 2017 produziert” wurden. Das Studierendenwerk, dessen offizielle Umbenennung erst im April 2017 erfolgt sei, habe zu diesem Zeitpunkt “leider noch kein neues Logo zur Verfügung stellen” können. Etwas weniger präzise steht es auch in den FAQs zur Campuscard.

Das Berliner Studierendenwerk wiederum sagt auf Anfrage, das neue Logo sei schon “am 29. August 2016 dem Leiter der Arbeitsgemeinschaft Campuscard der Berliner Hochschulen übermittelt” worden. Ende Oktober habe man schließlich ergänzend den genauen Zeitpunkt der offiziellen Umbenennung, also April 2017, mitgeteilt. Doch da war es schon zu spät, die Produktion der Karten lief.

Nächste Charge kommt mit neuem Logo

Deshalb sind heute an der FU bereits rund 20.000 nagelneue Campuscards im Umlauf, die alle noch das alte Logo des “Studentenwerks” tragen. Und das nur, weil die Hochschulen die Karten bestellten, bevor das neue Logo verfügbar war – über ein Jahr vor dem eigentlichen Start der Campuscard an der FU. Warten war offenbar keine Option.

Aufgrund der Umbenennungsfrist bis 2022 findet Studierendenwerks-Sprecher Jürgen Morgenstern “die Ausgabe der alten Karten nur ärgerlich.” Angesichts des Geldes, das für die Karten investiert wurde – nach FURIOS-Informationen rund ein Euro je Karte – halte er es aber für nachvollziehbar, dass die vorhandenen Karten aufgebraucht werden. Zudem seien auch noch etliche MensaCards im Umlauf – ebenfalls mit altem Logo.

Trotzdem erscheint der Druck von tausenden Karten mit altem Logo als unnötiger Fauxpas. Die FU teilt dazu immerhin mit: “Derzeit werden neue Karten gedruckt, sodass nachfolgend alle neuen Karten an der Freien Universität Berlin mit dem aktuellen Logo ausgegeben werden.”

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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3 Responses

  1. Axel sagt:

    Probleme haben die Menschen.

  2. Werner Lohan sagt:

    … echt hartes Brot… zu meiner Zeit (1989) waren Studierende was anderes als Studenten… Schmalspuestudenten halt… ich liebe geschlechterneutrale Sprache… 🙂

  3. Eine ungeheure Katastrophe. Am besten, wir ersparen den Studierendinnen den Seelenschmerz und schließen die Unität für die Dauer des Umbenennungsprocederes ganz. #triggerterror

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