Schuss ins Schwarze | FURIOS Online

Schuss ins Schwarze

Die romantische Oper „Der Freischütz“ gehört zu den populärsten Stücken des Musiktheaters – und zu den meist inszenierten. Studierende versuchen sich trotzdem an dem Stoff. Ein Probenbesuch von Eva Hofmann.

Die Solistinnen Birita Poulsen (l.) und Janneke Dupré in Aktion. Foto: Eva Hofmann

Eine spärlich dekorierte Bühne, provisorisch aufgestellte Holzwände, Alltagsgegenstände als Requisiten: Noch lässt es sich nur schwer vorstellen, wie „Der Freischütz“ auf der Bühne des Heimathafens Neukölln in wenigen Wochen final aussehen wird. Die romantische Oper von Carl Maria von Weber wird dieses Jahr von Studierenden neu inszeniert. Das Projekt, das vom studentischen Ensemble „ConTutti“ ausgeht, bringt Studis von FU, UdK, der Musikhochschule „Hanns-Eisler“ und der Kunsthochschule Weißensee zusammen und widmet sich dieses Jahr zum ersten Mal der Gestaltung einer Oper – abseits von Uni und Seminaren.  

Ein Opern-Klassiker über moderne Probleme

Die Herausforderung ist groß: Von Webers Oper gehört zu den wohl populärsten Stücken des Musiktheaters – und wurde dementsprechend oft inszeniert. Die Geschichte, die in der Zeit kurz nach dem 30-jährigen Krieg spielt, erzählt von dem verzweifelten Jung-Jäger Max, der einen Pakt mit dem Teufel schließt, um doch noch seine große Liebe Agathe heiraten zu können. Die orientierungslose, krampfhaft an Ritualen und Hierarchien festhaltende Gesellschaft, die von Weber in seiner Oper entwirft, ist heute aktueller denn je: Konflikte zwischen Tradition und Veränderung, Illusion und Wahrheit, Masse und Individualität werden in der Öffentlichkeit heiß diskutiert. Die Studierenden nehmen dies zum Anlass, den Freischütz in die Jetztzeit zu holen und stellen sich den großen Themen des Stücks.

„Wir sind zu jung für statische Opern“

Dafür proben sie seit Wochen im Keller der Hanns-Eisler-Schule: Täglich zwei Blöcke á vier Stunden. Es ist eine professionelle Arbeit. Die Sänger*innen, nicht älter als Mitte 20, haben erstaunliche Stimmvolumen, mit denen sie den kleinen Probenraum durch Arien, Duette oder Terzette zum Vibrieren bringen. Nachwuchsregisseur Tilman aus dem Siepen, der Musiktheater-Regie studiert, hat ein sehr genaues Auge für spielerische Details. Immer mal wieder springt er von seinem Platz im Zuschauerraum auf, läuft auf die Bühne und spielt mit den Protagonist*innen.

Begleitet werden die Sänger*innen außerdem von einem Korrepetitor-Studenten, der unermüdlich die einzelnen musikalischen Sätze vom Blatt spielt. Die Dynamik ist spürbar: Alle brennen gemeinsam für das Projekt. Auch sonst ist die szenische Gestaltung dynamisch und so ganz anders als bei vielen klassischen Opernproduktionen. Die Sänger*innen klettern auf Leitern, jagen über die Bühne, fallen sich in die Arme – und das alles während sie singen. „Wir sind zu jung für statische Opern und brauchen mehr Bewegung“, kommentiert Tilman.  

Studies als Spezialist*innen

Die Organisation der Produktion wird von den Studierenden in Eigenregie übernommen und funktioniert so gut, dass sie es locker mit professionellen Inszenierungen aufnehmen könnte. Von der Vorbereitung über die Leitung der Proben für Chor- und Ensemble oder Solist*innen bis hin zu Kostümen und Bühnenbild wird das gesamte Projekt von Studierenden der jeweiligen Fachbereiche unterstützt. Durch ihr Studium sind sie nicht nur Spezialist*innen auf ihrem Gebiet, sondern können ihre Arbeit auch einmal als Teil eines großen Ganzen einsetzen.

Aufgeführt wird „Der Freischütz“ am 23., 24. und 25. Februar 2019 im Heimathafen Neukölln. Genauere Infos findet ihr hier.

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