FURIOS verrenkt sich: Schlaflose Nächte

Nicht nur Fußball, Pilates und Kickboxen sind sportlich, sondern auch lange Nächte auf zu kleinen Möbeln. Roxanne Honardoost hat den Spaß ausprobiert, gezwungenermaßen.

Auch auf kleinen Möbeln lässt es sich wunderbar verbiegen. Foto: Roxanne Honardoost.

In unserer Ferienserie „FURIOS verrenkt sich“ probieren unsere Autor*innen skurrile Sportarten aus.

Es regnet Lakritze und hagelt Rosinen. Bevor ich die Zunge rausstrecken kann, um davon zu kosten, reißt mich ein stechender Schmerz aus meinem Traum. Ich bin mit dem Kopf gegen die Heizung geknallt.

Die Traumlandschaft erlischt und meine körperlichen Empfindungen werden mir bewusst. Der verspannte Nacken, die verkrampften Oberschenkel und die Beule, die sich gerade auf meiner Stirn formt. Eine Schulfreundin ist zu Besuch. Da gebietet es das Gastrecht, dass sie auf dem Hochbett schläft und ich für ein paar Tage auf meinem winzigen Sessel.

Biegen bis es bricht

Positionswechsel. Sofort. Das ist schon der fünfte in dieser Nacht. Ich versuche mich zu falten wie ein Stück Origamipapier. Vergeblich. Dann drehe ich mich etwas gegen den Uhrzeigersinn und lege meinen Kopf auf den linken Arm. Unbequem. Also drehe ich mich auf die andere Seite, lege mein rechtes Ohr auf meine linke Hand und versuche, das Bein etwas zu strecken. Unbequem. Ich rotiere wie ein Kebabspieß. So wird das nichts.

Ich lege mich auf den Rücken und strecke meine angewinkelten Beine auf die Kommode vor dem Sessel aus. Dort steht zwar ein Wasserglas, aber das Risiko bin ich gewillt, einzugehen. Langsam überschlage ich meine Füße und kann fühlen, wie das Blut sie wieder durchströmt. Ich nenne diese Position „Hefezopf der Beine“. Es ist fast perfekt. Unterhalb der Hüfte ist alles gut, nur stoße ich jetzt mit dem Kopf gegen die Wand. Kein Problem, ich werde einfach ein paar Zentimeter nach vorne rutschen und… verdammt, ich habe das Wasserglas umgeschmissen.

Die perfekte Stellung

Zum Glück schläft der Parasit, der in meinem Bett liegt und alle Viere von sich strecken kann, wie ein Stein. Ich weiß, was jetzt kommt, aber will es nicht wahrhaben. Aufstehen. Erst jetzt bemerke ich das Ausmaß meiner Verrenkungen. Bei Verspannungen soll bekanntlich Yoga hilfreich sein. Ich strecke meine Hände in die Höhe, bis ich nicht mehr weiterkomme. Dann mache ich einen großen Ausfallschritt, um meine Beine zu dehnen. Zu guter Letzt versuche ich, mit meinen Fingerspitzen die Füße zu berühren. Ich schaffe es nicht.

Ich wische das Wasser auf, mache die Kommode sauber und verstaue mein leeres Glas im Schrank. Zurück zu meinem kleinen Sessel. Ich mustere ihn im Dunkeln. Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich für den Klassiker: Fötusstellung. Auf in die Seitenlage, Beine anwinkeln und Kinn auf die Brust. Als Fötus war sowieso alles besser. Kein Besuch und keine schlaflosen Nächte. Es ist fast schon bequem und ich merke, wie ich ins Reich der Träume hineingleite.

Ein lautes Schnarchen reißt mich aber aus Morpheus Fängen. Ich gebe es endgültig auf, heute Nacht ein Auge zu zukriegen. Noch eine Woche, dann kann ich wieder in meinem eigenen Bett schlafen. Ich kann den Lakritzregen schon beinahe auf meiner Zunge spüren.

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