FURIOS Undercover: Suche nach gemeinsamen Nennern

Von Bruchrechnen keine Ahnung, wagt sich Ann-Kathrin Spitzer dennoch ins Ungewisse und mischt sich einen Tag lang unter die Studierenden der Technischen Universität Berlin.

Die vegane Mensa an der TU.
Illustration: Manon Scharstein, Bild: Ann-Kathrin Spitzer, Montage: Klara Siedenburg

Bereits nach den ersten Minuten brummt mir der Schädel. Irgendwo zwischen der Erklärung von Niveaumengen und dem Beweis irgendeiner Stetigkeit habe ich den Faden verloren. Alle schreiben wie wild mit, die Konzentration ist greifbar, nur ich blicke verwirrt drein.

Schon bei der Ankunft an der Technischen Universität beschleicht mich das Gefühl ein Fremdkörper zu sein. Die zentrale Lage am Ernst-Reuter-Platz würde den einen oder anderen FU-Studi wohl ein wenig neidisch machen. Identifizieren kann ich mich als Publizistik-Studentin mit den vielen Mathematik-Postern an den Wänden allerdings nicht. Auch der hohe Männeranteil an der TU macht sich direkt bemerkbar. Lediglich ein Drittel der Studierenden hier ist weiblich.

Obwohl die Buchstabenbezeichnungen der Gebäude an die Gänge in der Rost- und Silberlaube erinnern und ein vertrautes Gefühl in mir wecken, schaffe ich es nicht einen Kaffee aufzutreiben. Die meisten der Fakultäten haben je ein eigenes unüberschaubares Gebäude, was es nicht leicht macht sich auf dem großen Campus zurechtzufinden.

Unendliche Unverständnis im Quadrat

Also setze ich mich ohne meine gewohnte Koffein-Dosis in die Vorlesung „Analysis II für Ingenieurswissenschaften.“ Am liebsten würde ich mein mangelndes Verständnis auf den fehlenden Kaffee schieben, aber sind wir mal ehrlich: Ich habe wohl ein mathematisches Defizit, das sich nicht mehr aufholen lässt. Nicht umsonst studiere ich an der FU Sozialwissenschaften.

Der junge Dozent, der da vorne mit so viel Begeisterung für sein Fach steht, fängt an etwas über Limes zu erzählen. Das weckt dunkle Erinnerungen! Als dann der Begriff des Sandwich-Prinzips fällt, gebe ich endgültig auf. Der plötzlich aufkommende Appetit auf ein belegtes Brötchen erscheint wichtiger. Also begebe ich mich erneut auf die Suche nach einem Ort, der meinen Hunger stillen könnte. Hoffentlich gibt es dazu Kaffee.

Studentenfutter 2.0

Während ich durch das Hauptgebäude tigere, entdecke ich in einer Ecke endlich ein kleines Café. Es weist Ähnlichkeiten zur Coffeebar vor der Mensa II an der FU auf. Als ich an meiner Milchschaumkrone nippe, fällt mir auf, dass es erstaunlich ruhig ist. Bis auf wenige Ausnahmen arbeiten die Studis um mich herum konzentriert an ihren Laptops. Vermutlich werden die eben besuchten Vorlesungen direkt nachbereitet, um nicht alle wichtigen Details gleich wieder zu vergessen. Weil ich weder stören noch auffallen möchte ziehe ich möglichst leise weiter.

Der Weg führt zur neuen veganen Mensa. Sie ist nicht zu verfehlen. Das große orange Gebäude mit der Aufschrift Mensa in der Hardenbergstraße 34 ist Hinweis genug. Auf dem Speiseplan stehen Gemüse mit Tofu, Pasta mit Tomatensoße oder hausgemachter Crumble-Kirschkuchen. Alles vegan. Es gibt sogar eine Kaffee-Bar an dem ein Barista den Studenten*innen Hafermilchkaffee oder einen Ananas-Kokos-Chili-Smoothie serviert. Dieses Bild passt nicht wirklich zu den bisher gemachten Eindrücken an der TU. Aber anscheinend profitieren die TU-Studis, die sich die Mensa mit der UdK nebenan teilen, auch ein wenig vom Lifestyle ihrer Nachbarn.

Leider ist mir der Ansturm um diese Zeit zu groß, so dass ich mich entscheide diese Erfahrung auf ein anderes Mal zu verschieben bzw. mir meine grüne Portion in der Mensa „Veggie N°1“ an der FU zu besorgen. Da gehöre ich schließlich hin und muss mich auch weder mit höherer Mathematik noch mit verstecktem Kaffee befassen.

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3 Responses

  1. zfa.memes sagt:

    Richard-Wagner-Platz? Welche Uni habt ihr denn besucht?

  2. sterni456 sagt:

    Kommasetzung ist bei euch wohl optional, oder?

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