36 Grad – und es wird noch heißer

An heißen Tagen stöhnt und schwitzt es sich auf dem Campus besonders gut. Vom Sommer an der Uni könnte Annika Grosser stundenlang schweißgebadet schwärmen.

Sommersemester: die Lieblingsjahreszeit der Studis. Nirgendwo lassen sich die Temperaturen besser genießen als im Hörsaal zwischen gleichermaßen abgekochten Kommiliton*innen. Falls ihr anderer Meinung seid, liegt ihr falsch. Dieses auslaugende Wetter kann man nur lieben!

Bereits auf dem Weg zur Uni warten heiße Bekanntschaften in der U-Bahn. Wo im Winter die dicke Daunenjacke noch unser aller hochgeschätzten Personal Space schützte, darf die Schamgrenze im Sommer deutlich runtergeschraubt werden. Glücklicherweise können daraus wunderbare neue Freundschaften entstehen, schließlich bietet sich kein besserer Eisbrecher an, als die gesamte Bahnfahrt das Gesicht in der Achselhöhle des Gegenübers zu versenken. Tipp: Für Menschen der Größe 160-165 cm eignet sich diese Methode des Kennenlernens besonders gut!

Mit den Temperaturen steigt zudem das Mitteilungsbedürfnis der Studis. Zu keiner Jahreszeit tauscht man sich auf dem Campus ausgiebiger über die eigenen Gefühle aus. „Mir ist soo waarm!“ Nein, ehrlich? Mir auch, was für ein Zufall. Smalltalk 101. Meist wiederholen sich die Gesprächsthemen überproportional, für Hitzedemenz kann allerdings niemand verantwortlich gemacht werden. Und seien wir mal ganz ehrlich: Bei dem Wetter hört sich eh keine*r mehr zu, sich wiederholende Klagen fallen also kaum auf.

Sommer, Sonne, Seminar

Abgesehen vom hitzigen Sozialverhalten wird nun auch Nachhaltigkeit an der FU ganz großgeschrieben. Zumindest ließe sich das aus der verschwindend geringen Anzahl an Klimaanlagen schließen. Wem im Hörsaal zu heiß ist, die*der soll halt nicht kommen. Das nimmt manch ein Studi dann doch recht ernst – und so leeren sich die Räume Woche für Woche stetig, bis die Pflichtveranstaltung Privatunterricht gleichkommt. Besser geht’s gar nicht!

Für das Sommeridyll absolut unverzichtbar sind darüber hinaus die Bauarbeiter*innen, die die Seminare mit einer angenehm trommelfellbelastenden Geräuschkulisse untermalen. Unser frittiertes Hirn wird gerade noch auf Trapp gehalten mit dem alltäglichen Dilemma:

„Man, ist das heiß hier“ – Fenster auf.

„Wow, ist das laut da draußen“ – Fenster zu.

„Oh, warte mal – jetzt wird’s ja wieder stickig hier drin…“

Heißer Sch(w)eiß

Natürlich zählen an der Uni vordergründig die intellektuellen Werte, trotzdem sollte ein Teil der begrenzten Energie in die Kleidungswahl gesteckt werden. Wenigstens die schweißfreie Illusion muss gewahrt werden. Mit dem körpereigenen Kühlmechanismus gehen zahllose Vorzüge einher: Wer Shorts oder Kleider trägt, dem ist dank des lauten Schmatzens beim Aufstehen von den Stühlen im Hörsaal alle Aufmerksamkeit garantiert. Oben drauf gibt’s noch farbenfrohe rote Striemen an den Oberschenkeln. Für den wohltuenden Detox-Effekt muss keine Sauna mehr besucht werden und selbst das trendige Highlighter Make-up wird auf jedem schweißglänzenden Gesicht überflüssig. Wieder etwas Geld gespart.

Was lernen wir daraus? Aufhören zu meckern, es gibt offensichtlich keinen Grund dazu. Lasst uns lieber gemeinsam die sengende Hitze genießen, denn die Tage werden wieder kürzer. Bald schon müssen wir uns über den kalten Herbst beschweren. Der ist einfach nicht auszuhalten.

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