Die lange Nacht der Wissenschaften wird noch länger

Ob man das alljährliche Feuerwerk der Forschung auch mit Alkohol erleben kann, haben Roxanne Honardoost und Philipp Gröschel herausgefunden.

Mit bunten Flammen durch die Nacht: Der FU-Fachbereich Chemie. Foto: Philipp Groeschel.

Wenn an der Uni Geysire ausbrechen, Proteine protoniert werden und man sich fragt, was die ganzen Kinder auf dem Gelände wollen, ist wieder einmal lange Nacht der Wissenschaften. Dieses Event der Superlative lässt sich, wie jede normale Vorlesung auch, nur mit Alkohol ertragen. Ein kurzer Abstecher zum freundlichen Spätkauf um die Ecke und wir haben alles, was wir brauchen, um darüber hinweg zu kommen, dass wir mit Anfang zwanzig einen Samstagabend an der Universität verbringen. Gut vorbereitet machen wir uns auf die Spuren der Wissenschaft, um uns von deutlich ambitionierteren Studierenden mit Abiturwissen zu ihrem Forschungsprojekt berieseln zu lassen.

Beim Schlängeln durch die unzähligen Familien auf der L-Straße entdecken wir einen Tisch mit jeder Menge glitzernder Steine, von denen wir wie Elstern magisch angezogen werden. Dabei kann es sich ja nur um die Geologie handeln. Ein empörter Opa brüllt uns entgegen: „Das sind keine Steine! Das sind Mineralien!“ Diese grobe Fehlanalyse konnte er anscheinend nicht durchgehen lassen. Sichtlich desinteressiert taumeln wir in den nächsten Vortrag. Irgendwas über die Labormaus und Allergien – schnell wieder raus hier! Der nächste Vortrag über eine Reise zu den Planeten des Sonnensystems ist zwar nicht so beeindruckend wie bei Neil Degrasse Tyson, aber immerhin besser als vom Dahlem Humanities Center zu hören, wie lang die Witwe des koreanischen Königs Trauerkleidung tragen muss. 

Als krönender Abschluss schafft es der Fachbereich Chemie uns mit allerlei bunten Flammen, lauten Explosionen und starken Gerüchen vom Hocker zu reißen. Doch als der Professor anfängt, Elemente abzufragen, finden wir uns im intellektuellen Kräftemessen mit 12-Jährigen wieder, die aus unerfindlichen Gründen ohne Probleme ein Element nach dem anderen erraten. Wir schieben unser Versagen auf den Pegel. Zu aufheizender Musik und zur großen Begeisterung des Publikums werden Rosen in Stickstoff getaucht, Wasserstoffballons in die Luft gejagt und Seife angezündet. Ehe wir uns versehen sind das Ratespiel und die lange Nacht der Wissenschaften vorbei. Versunken in einer tiefen Existenzkrise torkeln wir zur U-Bahn und sind froh, dass wenigstens ein Fachbereich die zukünftige Studigeneration beeindrucken konnte.

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