Oder soll man es abblasen?

Eine AfD-Politikerin kündigt ihren Besuch bei der Klimastreikwoche an und die FU-Leitung reagiert denkbar unsouverän. Jette Wiese und Julian Sadeghi sind irritiert.

Plakate der Klimabewegung vor der Mensa 2. Foto: Jette Wiese

Alle wichtigen Ereignisse rund um die Klimastreikwoche an der FU könnt ihr hier in unserem Liveblog nachlesen.

Der Auftritt der AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch beim Public Climate School-Seminar zu Klimawandel und Gender wurde kurzfristig abgesagt. Trotzdem hat sie erreicht, was sie wollte: Durch ihren Tweet hat die AfD-Politikerin bewirkt, dass die universitäre Öffentlichkeit plötzlich nicht mehr über das Klima debattiert, sondern über Rechte in Seminarräumen. 

Das FU-Präsidium hatte Informationen der Students for Future-Gruppe zufolge die Organisation und inhaltliche Durchführung der Veranstaltung übernommen und der Debatte damit aktiv die Bühne freigegeben – da hilft die kurzfristige Absage auch nicht viel.

Kuschelkurs statt klare Kante

Diese zögerliche Reaktion der FU ist angesichts der jüngsten Debatte über die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit in den vergangenen Wochen mehr als verwunderlich. Während dem FDP-Politiker Christian Lindner kürzlich in Hamburg die Teilnahme an einer Diskussion verwehrt wurde, schweigt die FU fast zwei Tage lang, bevor sie sich überhaupt öffentlich mit dem Besuch der AfD-Politikerin befasst. Das Präsidium will sich offenbar der Debatte um die politische Verantwortung von Wissenschaft entziehen. 

Der frühere FU-Präsident Peter-André Alt forderte kürzlich im Tagesspiegel, „dass die hochschulische Öffentlichkeit nicht für Wahlkampf und Meinungskampagnen missbraucht” werden dürfe. Zwar läuft seine Argumentation letztlich grundsätzlich auf eine apolitische Haltung von Hochschulen hinaus, der Punkt des Missbrauchs von wissenschaftlichen Veranstaltungen für politische Propaganda ist im Grunde aber richtig. Mit der Strategie, die Veranstaltung zu übernehmen und sie erst abzublasen, als die universitäre Meinungsfreiheitsdebatte längst wieder aufgekocht ist, bietet das Präsidium der rechten Szene ein Sprachrohr, ohne dass sie überhaupt physisch vor Ort sein muss.

AfD gelingt das Ablenkungsmanöver

Abseits dieser Debatte bleibt vor allem ein Eindruck zurück: Das Präsidium nimmt es mit seinen Bekundungen für Nachhaltigkeit und seiner öffentlichkeitswirksamen Unterstützung für die Public Climate School nur so lange ernst, bis es sich auch klar gegen die Neue Rechte positionieren müsste. Dass von Storch trotz der Absage aus ihrer Sicht erfolgreich war, zeigt die Tatsache, dass die universitäre Öffentlichkeit plötzlich nicht mehr über das Klima debattiert, sondern über die AfD. So kann von Storch einen Punktsieg für die Rechten verbuchen, am Mittwochabend twitterte sie: „Wie erbärmlich! Unis beherrscht von Politsekten.” Ein solch naiver Umgang der Unileitung mit einer AfD-Funktionärin war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Autor*innen

Julian Sadeghi

Gibt es was Schöneres als rhetorische Fragen?

Jette Wiese

Hochschuldemokratiefetischistin und Politikressortleiterin. Lieber lange Worte als Langeweile.

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