Ehre für alle

Die FU verleiht dem Scheich von Dubai eine Ehrenmedaille. Trotz Vorwürfen der Sklaverei kann die Auszeichnung nicht entzogen werden, denn ein Geschenk bleibt ein Geschenk. Blöd gelaufen. Von Jette Wiese 

Zündende Idee – nur leider nicht zu Ende gedacht. Bildmontage: Julian Sadeghi, Foto: unsplash.com

Ein Funke Hoffnung schwach angefangen und dann stark nachgelassen. In unserer Satire-Serie widmen wir uns all den kleinen und großen Ideen, die um den Kosmos FU wabern: Theoretisch zwar brillant, praktisch aber allzu oft eher so mittelmäßig. 

Ehrwürdig steigt er die Stufen zum Redepult vor dem Henry-Ford-Bau hinauf. Sein Blick wandert über die Menge. Er räuspert sich und beugt sich zum Mikrofon, alle warten gebannt auf die ersten Worte. Er setzt an: „Ich bin ein Berliner.“ 

Das ist schon ein paar Tage her, dachte sich die Uni; könnte man mal wieder machen. Prominenz heranschaffen, eine Rede, ein fotogener Händedruck, ein bisschen Sekt vielleicht – schon ist die FU das, was sie laut ihres Imagefilms sein möchte: das deutsche Oxford. 

Blöd nur, dass Kennedy tot und Plörre so teuer ist. Wer poliert nun die Dahlemer Datsche auf Ivy-League-Hochglanz? Regierungschefs sind wohl am besten geeignet, werden sie nicht gerade erschossen. Wenn sie ohnehin auf Staatsbesuch in Berlin sind, verleiht man ihnen einfach ein Gastgeschenk, das sie auf ewig mit der Uni verbindet: eine goldene Ehrenmedaille.

Scheich von Dubai – der neue Kennedy

So eine Promo-Ehe wurde bisher mit vier „herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Politik“ geschlossen, wie es auf der FU-Website heißt. Geehrt wurden der ehemalige südkoreanische Präsident Kim Dae-Jung, die ehemalige lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberger und die Ehefrau eines ägyptischen Präsidenten, Suzanne Mubarak. 

Zuletzt bekam 2008 der Scheich Al-Maktoum von Dubai die Münze. Wie unter anderem der Tagesspiegel berichtete, wird diesem allerdings vorgeworfen, tausende Kinder als Pferde- und Kameljockeys versklavt zu haben, von denen einige dabei zu Tode kamen. Nicht sehr glanzvoll für die FU, sich mit seinem Namen zu schmücken.

Das frühere Präsidium um Peter-André Alt weigerte sich 2011 noch, dem Scheich die Auszeichnung zu entziehen, die Vorwürfe seien nicht bewiesen. Nachdem das Thema eine Weile brach lag und niemand weiter geehrt wurde, kam es kürzlich im Akademischen Senat wieder zur Sprache. 

Wer klug wirken will, muss klug handeln

Ihm die Medaille zu entziehen, sei blöderweise nicht möglich, es ist ja ein Gastgeschenk, kein Vertrag, aus dem die FU wieder herauskommt. Ein Geschenk ist ein Geschenk ist ein Geschenk – und kann nicht mehr weggenommen werden. Verdammt. Das ist wie damals, als der distanzierte Onkel liebevoller wirken wollte, dem Kind deshalb eine Trompete schenkte und damit das komplette Weihnachtsfest zerstörte. Nur eben, dass es um Mord geht, nicht um Tinnitus. 

Onkel Ziegler war dann doch etwas verschreckt, wie sehr ihm im materialistischen Geben-Und-Nehmen die Hände gebunden sind. Immerhin ließ er Al-Maktoum aus der Auflistung der Preisträger*innen auf der FU-Website streichen und beschloss, die Medaille ab sofort nicht mehr zu vergeben. Vielleicht sieht man langsam ein: Wer klug wirken will, muss klug handeln.

Autor*in

Jette Wiese

Hochschuldemokratiefetischistin und Politikressortleiterin. Lieber lange Wörter als Langeweile.

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