Exzellenz-Startschuss: Auf dem Weg zur Super-Uni?

Seit einem guten Monat gibt es den Berliner Exzellenzverbund. Welche konkreten Vorteile hat der für die FU-Studierenden? Und kommt jetzt die Super-Uni? Jakob Rhein hat sich auf die Suche nach Antworten begeben. 

Viel Konfetti, wenig Konkretes bei der “BUA”. Foto: Matthias Heyde

Die Freude war groß, als die FU im Sommer zusammen mit der HU, der TU sowie der Charité als Exzellenz-Verbund prämiert wurde – vor allem auf administrativer Ebene. Die Universitätsleitungen, der Regierende Bürgermeister, sie alle jubelten über die Entscheidung des Wissenschaftsrates: Berlin kann Wissenschaft, so der Tenor. Und FU-Präsident Günter Ziegler kann DJ, wie er im Anschluss an die Ergebnisverkündung unter Beweis stellte.

Auf die Plätze, fertig – exzellent!

Anfang November hieß es nun: Auf die Plätze, fertig – exzellent: Die Berlin University Alliance bekam die erste Tranche der begehrten Fördergelder, jährlich rund 28 Millionen Euro. Doch so sehr die Marketing-Expert*innen den neu eingerichteten Twitter-Account auch mit Inhalten füttern oder schmissige Slogans auf Jute-Beutel drucken lassen, nach wie vor ist vielen Studierenden unklar, welche konkreten Vorteile das Bündnis für sie haben wird.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die vier Institutionen erst einmal über die Struktur und den Grad der Verzahnung verständigen müssen. Eine Aufgabe, die der Wissenschaftsrat dem Bündnis nach der Entscheidungsverkündung im Sommer explizit ins Hausaufgabenheft geschrieben hatte. Klar ist: FU, HU, TU und Charité wollen ihre Zusammenarbeit intensivieren. Ein Umstand, der bei vielen die Befürchtung hervorrief, aus den vier Institutionen solle langfristig eine große Super-Uni werden.

Aus vier mach eins?

Sorgen, die die Beteiligten aus Wissenschaft und Politik zu zerstreuen versuchen: „Es wird keine Fusion geben“, erklärte der Berliner Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach unlängst gegenüber dem Tagesspiegel. Und auch die FU teilt auf Anfrage von FURIOS mit: „Die Eigenständigkeit der Freien Universität ist nicht berührt. Die Intensivierung der Zusammenarbeit in Forschung und Lehre zwischen den vier Partnerinstitutionen erfolgt unter Wahrung ihrer Identität und ihres Profils.“

Dass die Idee einer Super-Uni nicht völlig aus der Luft gegriffen ist und durchaus Anhänger*innen im Berliner Wissenschaftsbetrieb findet, zeigen Äußerungen aus der Vergangenheit. So schwärmte beispielsweise TU-Wissenschaftler Matthias Drieß auf einer universitätsübergreifenden Veranstaltung vor zwei Jahren von den Vorteilen sich auflösender Unigrenzen in Berlin: „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsame Berufungen machen und dass dann gar nicht mehr klar sein wird, wer eigentlich von welcher Uni kam.”

Flexiblere Anrechnungen von Kursen

Obwohl die Fusion der vier Universitäten offenbar nicht bevorsteht, sollen universitätsübergreifende Studiengänge initiiert werden. Details dazu sind noch nicht bekannt. Zudem sind im Rahmen des „Student Research Opportunities Programx” (StuROPX) studentisch initiierte Forschungsprojekte geplant, die unter Betreuung einer*s Hochschullehrer*in von studentischen Tutor*innen geleitet und als Lehrleistungen anerkannt werden sollen.

Auch bei der Anrechnung von Kursen, die FU-Studierende an einer der anderen Berliner Universitäten belegen, zeichnet sich eine Verbesserung ab. Bachelorstudierende sollen in Zukunft bis zu 20 Leistungspunkte in interuniversitären Wahlpflichtkursen sammeln können. Grundsätzlich sollen die bürokratischen Hürden für die Anrechnung von Kursen sinken. Zumindest spricht die FU gegenüber FURIOS von einer „Vereinfachung administrativer Prozesse innerhalb bestehender rechtlicher und kapazitärer Vorgaben.“ 

Verbesserungen sind also in Planung, klar ist aber auch: Die Berlin University Alliance ist gerade erst dabei, laufen zu lernen. Ob sie auch in die richtige Richtung läuft, wird sich spätestens in sieben Jahren zeigen: Dann steht seitens des Wissenschaftsrates eine Evaluation des Berliner Hochschulprojektes auf dem Plan.

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