Furiose Tipps: Advent an der Uni

Es ist soweit, die Weihnachtszeit ist da. Für alle, die keinen Adventskalender haben, sei es weil das Bafög diesen Monat noch nicht angekommen ist oder weil für euch der Adventskalender den weihnachtlichen Kapitalismus verkörpert – We got you covered! Antonia Böker gibt euch die letzten Tipps vorm frohen Fest.

Quelle: Pixabay

22. Dezember

Endspurt: Es bleiben nur noch wenige Tage bis zum vermeintlich frohen Fest. Die letzte große Herausforderung, bevor du dich deiner*m persönlichen Endgegner*in, dem Christkind oder Weihnachtsmann, überhaupt der gestaltgewordenen Essenz von Weihnachten oder einfach Oma Waldtraud und ihrem Braten, stellen musst. Wie auch immer du nach Hause kommst – schön wird es nicht. Ob 20 Minuten S-Bahn-Fahrt nach Friedenau oder Tagesreise bis kurz vor die Alpen, Zeit ist bekanntlich relativ. Wer das nicht glaubt, findet spätestens in der Weihnachtszeit den Gottesbeweis. Und Gott ist grausam. Aber keine Sorge, FURIOS regelt: Anstatt euch von den Ticks eurer Mitreisenden in den Wahnsinn treiben zu lassen, macht ein Spiel aus ihnen. Nichts eignet sich so gut für Alman-Bingo, wie die Weihnachtsheimreise. Heike packt die Wurstbrot-Tupperdose aus? Check. Hermann macht die Bahn-Angestellte an, als habe sie persönlich aus niedersten Gründen dafür gesorgt, dass er den Anschluss in Erlangen verpasst? Glückwunsch, Treffer! Als du Mirko fragst, ob der Platz neben ihm noch frei ist, erwidert der grinsend, „Jetzt nicht mehr!“? Naja – ihr wisst schon. Jeder Treffer ist selbst Belohnung genug. Versprochen! Nichts ist süßer, als Almans drug of choice: Rechthaben.

23. Dezember

Wir können hier doch ehrlich zueinander sein. Es ist der Tag vor Weihnachten, du bist gestern Abend noch mit alten Freund*innen versackt und noch mit halbem Bein in Berlin, wo auch all dein Geld geblieben ist. Deinen letzten Cent hast du noch am Bahnhof für Kippen ausgegeben, die sind jetzt schon fast leer, und du kannst Mama vielleicht verkaufen, dass du alles im Griff hast, in der Regelstudienzeit bist und überhaupt noch immer das pausbäckige Streberlein, das einst aus dem Schwabenland zog. Nicht aber, dass du dachtest, zu Weihnachten habe sie sich nichts mehr gewünscht, als deine letzte Club Mate und das unberührte Unibuch ganz unten im Rucksack. Dein Tipp für heute ist deshalb so simpel, wie er aufregend ist. Klau ein Buch aus dem Bücherregal und pack es ein. Hol einfach eines der Geschenke, die dein Vater so toll fand, dass er sie, geschützt vor Sonnenlicht und Nässe, ganz hinten in der Rumpelkammer deponiert hat. Dann bekommt er es eben nochmal! Such für deine Schwester den schönsten Stein, den du finden kannst und freu dich auf den Nervenkitzel, der dir bevorsteht, wenn du sie mit Blicken herausforderst, etwas zu sagen – wohl wissend, dass sie in Leipzig so viel Gras kauft, dass sie dir schon wieder etwas gemalt hat.

24. Dezember

Apropos Gras: Es könnte alles so einfach sein, wäre da nicht die Familie. Wenn heute alles, was angeblich verwandt ist mit dir, einströmt, dann musst du tapfer sein. Du wirst selbst Dreadlock-Sören aus dem Kapitalismus Proseminar vermissen. Ja, Sören, wirst du denken, vielleicht fehlt mir ein Klassenbewusstsein, du alter Chauvi. Abhilfe schaffen wird dir im vollen Haus schwerfallen. Dass du, gerade um halb eins aus dem Bett getorkelt, einen Spaziergang machst, einfach so und nicht, weil dein Dealer aus Schulzeiten auf dem Weg ist, wird auch deine Familie komisch finden. Setz dich lieber hin, Kind. Die Oma will alles über’s Studium hören. Stimmt es eigentlich, dass in Berlin die Gangs regieren? Sie hat da ja eine Doku gesehen. Selbst wenn du es nach draußen schaffst: Der Lars ist längst selbst nach Berlin gezogen. Hilf also heute mal beim Kochen und mach dich unauffällig am Muskatnuss zu schaffen. Schon eine halbe frisch geriebene Nuss reicht aus, um eine halluzinogene Wirkung zu erreichen. Sinnestäuschungen, Verzerrung des Raum-Zeit-Gefühls – du bekommst, ganz natürlich, das volle Programm. Das Beste: Die Wirkung hält mitunter mehrere Tage an. Mama ist stolz, was für ein hilfsbereites Kind sie großgezogen hat und du halluzinierst dich durch die Feiertage. Gern geschehen und frohes Fest!

Autor*in

Antonia Böker

Antonia Böker ist pathologische Klugscheißerin. Deswegen probiert sie es jetzt mal mit Journalismus.

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