Wo Frauen selten sind

Zum 14. Mal lädt das Philologische Film-Forum ein, Filme als medienvermittelte Kommunikation zu betrachten. Dieses Semester lautet das Thema „Frauenfilme”. Filme von Frauen, über Frauen. Maj Pegelow hat sich den Film „Die bleierne Zeit” angeschaut.

Frau filmt oder fotografiert (Symbolbild). Quelle: Pixabay

Zwei Frauen, die das Gleiche wollen, aber unterschiedlich handeln. Sie wollen Selbstbestimmtheit und Gerechtigkeit. Die beiden sind Schwestern, verbringen ihre Kindheit zusammen in der sogenannten „bleiernen Zeit” und als sie eines Tages den Film „Nacht und Nebel” – der erste Film, der den Holocaust thematisiert – von Alain Resnais schauen, wird ihnen klar, dass sie aktiv werden möchten. 

Im Zuge der 68er Bewegung wird Juliane (Jutta Lampe), eine der Schwestern, Journalistin. Sie ist Mitbegründerin der Zeitschrift „Emma” und setzt sich unter anderem für den legalen Schwangerschaftsabbruch ein. Anders ihre Schwester Marianne (Barbara Sukowa), die sich der Roten Armee Fraktion (RAF) anschließt und in den terroristischen Untergrund abtaucht. Sie wird schließlich inhaftiert. Juliane besucht sie regelmäßig im Gefängnis und über Gespräche nähern sich die Schwestern wieder an.

Frau – Sag was!

Die Thematik des Films, nämlich der Wunsch nach politischer Teilhabe und Veränderung – ist bewegend, die Umsetzung spannend. Die Regisseurin Margarethe von Trotta, die als Frau und Regisseurin in der männerdominierten Filmszene mit viel Gegenwind, sogar von ihrem eigenen Mann, zu kämpfen hat, erfüllt in ihrem Film keine Klischees. Ihre Darstellerinnen stehen im Mittelpunkt, den männlichen Schauspielern kommen nur Nebenrollen zu. Damit reagiert von Trotta auf das überwiegend männlich geprägte Frauenbild in Filmen, um das Selbstbewusstsein von Frauen zu stärken.

Besonders nach der #MeToo-Debatte stellt sich die Frage, welche Rolle Frauen heutzutage im Film und in der Filmbranche spielen. Im erfolgreichsten deutschen Film „Der Schuh des Manitu” beispielsweise hat eine der weiblichen Hauptrollen (gespielt von Anke Engelke) nicht viel zu sagen. Man hört sie vor allem stöhnen, als sie Zwillinge zur Welt bekommt- ein typisches, wenn auch humorvoll gemeintes, Frauenbild kommt hier zum Ausdruck  

Top Filme und ihre Frauen

Um die weibliche Bedeutung in Filmen zu messen, gibt es den Bechdel-Test. Er ist kein wissenschaftlicher Test und eher zufällig entstanden. Ein Film besteht diesen Test, wenn dort mindestens zwei Frauen mitspielen, diese auch miteinander reden, und zwar über ein anderes Thema als Männer. Eine Studie aus den Vereinigten Staaten hat etwa 4000 der erfolgreichsten Hollywood-Filme zwischen 1995 und 2015 mittels des Bechdel-Test analysiert. Nur knappe 40 Prozent der Filme erfüllten die drei genannten Kriterien. Bei diesen Filmen führten hauptsächlich Frauen Regie. „Der Schuh des Manitu” fällt übrigens durch, ebenso „Avatar” oder die „Herr der Ringe”-Trilogie.

Das Filmforum zeigt am 15. Januar noch einen vierten und damit letzten Frauenfilm in diesem Semester, den Film „High Life” unter der Regie von Claire Denis. Hier geht es um einen Vater und seine Tochter, die die letzten Überlebenden in einer Kapsel auf dem Weg zum nächsten schwarzen Loch sind.  Der Film erfüllt übrigens die Kriterien des Tests, wie fast alle von Frauen gedrehte Filme.

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