Hilfsmaasnahme FU

Unser Autor Elias Fischer lädt unseren Außenminister ein, das Auswärtige Amt für einen Tag gegen das Hauptquartier der FU zu tauschen. Manschettenknöpfe zu – jetzt geht’s auf’s akademische Parkett.

Satire-Serie Foto: unsplash.com Bildmontage: Julian Sadeghi

Agil, flott, ja nahezu mondän sieht Neu-Nachbar Heiko Maas in seinen schnittigen Anzügen aus! Da war es doch nur logisch, dass unsere Bundeskanzlerin ihn 2018 als Chefdiplomaten für ihr Kabinett auserkoren hatte. Wer sonst verstünde es, trotz all der Reisestrapazen derart fresh auszusehen und unsere Freund*innen aus aller Welt  zu überzeugen? Doch beim Verhandlungsgeschick ist Luft nach oben. Hater*innen veranlasste dies unlängst zu behaupten, er sei dem Amt nicht gewachsen. Dabei ist er doch wie groß? Naja. Wie gut, dass sein aktuelles Domizil direkt an der FU liegt. Denn wo lässt sich diplomatisches Geschick besser verfeinern als an Deutschlands internationalster Uni. Na, Herr Minister? Lust auf einen Tag an der FU? Dann folgen Sie mir, bitte, oder wenn Sie Saarländisch bevorzugen: Määääh.

Unverfängliches Terrain

Der Tag beginnt mit der Reise von Ihnen daheim ins Land der Studierenden. Da Sie, Herr Minister, ja leider zumeist in einem störanfälligen Regierungsjet reisen müssen, starten wir heute vom U-Bahnhof Dahlem-Dorf mal anders: mit dem emissionsfreien Fußbus. Dort können Sie um acht Uhr morgens mit einer Ihrer Eigenschaften glänzen, die auch die ZEIT vergangenen Herbst schon hervorgehoben hatte: Untätigkeit. Die hunderten Studierenden, die sich mit Veranstaltungen im ersten Slot des Tages gestraft sehen, werden es Ihnen danken, sollten Sie jeglichen Kommunikationsversuch einfach unterlassen. 

Da Erstkontakte zu Studierenden eh erst ab zehn Uhr morgens erfolgversprechend sind, hier ein Vorschlag: eine Führung durch die Holzlaube. Erst kürzlich sagten Sie doch im Deutschen Bundestag in einer Rede zu „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik im Wandel“, dass „Zugang zu Kultur und Bildung” die wirksamsten Mittel gegen die Gefährdung von Freiheiten wie der der Kunst und der Wissenschaft seien. Hier können Sie beides verwirklicht sehen: Kunst von Robert Patz und freie Wissenschaft an der Stiftungsprofessur für Didaktik des Chinesischen sowie Sprache und Literatur Chinas, obwohl ich mir bei ersterem nicht sicher bin.

Auswärtiger Samt

Anschließend nehme ich Sie gerne mit auf den K-Gang, dessen Boden mit rotem Teppich ausgelegt ist. Ich weiß doch, dass Sie sich spätestens seit der Liaison mit Frau Wörner auf dem samtigen Rot wohlfühlen, und welch anderes Ansinnen könnte ich als Ihr Gastgeber haben, als dass es Ihnen gut geht? Deswegen führe ich Sie von dort aus auch in das PI-Café. Bei Kaffee auf Ihren Nacken können Sie mir dann, stellvertretend für die Studierendenschaft, erläutern, was Sie nach Dahlem führte. Gottes Hand? Rationalität hätte vermutlich dagegen gesprochen.

Apropos Rationalität: Die Mensa II umgehen wir besser. Ansonsten ist der emissionsfreie Fußbus morgen nicht mehr so emissionsfrei, diplomatisch formuliert. Aber wie wäre es mit einem Spieleabend des Hochschulsports? Das fördert zwischenmenschliche Kompetenzen und deckt auf, wie Politik auch funktionieren kann. Sie müssen nur einen gezinkten Würfel mitnehmen. Oder wir könnten bei den Physiker*innen Ihr persönliches, etwas diffuses Profil etwas konkretisieren, in dem wir „das Istmaas” bestimmen? Verhandlungspartner*innen gefällt es immer gut, wenn sie wissen, wer vor ihnen sitzt. Ansonsten ginge noch: Tiraden gegen AKK auf Toilettentüren schmieren oder Geograph*innen beweisen, dass die Maas kein Fluss, sondern ein Heiko ist.

Sollte das alles nichts sein, bringe ich Sie gerne nach Hause. Dort können Sie vom Fenster aus die drei blauen Gestalten beobachten, die für eine Neuinterpretation von „Hans-Guck-in-die-Luft” proben. Oder Sie tun einfach das, was sie sonst auch tun und lassen das internationale Geschehen an sich vorbeiziehen.

Autor*in

Elias Fischer

Seine Männlichkeit passt nicht ganz in den Bildausschnitt.

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