FURIOS Homestory: Sieben ist eine Charlotte zu viel

Durch Corona hat sich die Wohnsituation für viele Studierende verändert – eher selten zum Guten. Manchmal steckt im Tragischen jedoch auch etwas Komisches. Emilia Stemmler und Annika Ziegler erzählen, was ihnen zu Ohren gekommen ist.

Statt beruhigender Auszeit bekam Charlotte WG-Stress. Foto: unsplash.com

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als alle dachten, das Ganze mit Corona sei nicht schlimmer als eine fiese Grippe? Nach zwei Wochen Quarantäne sei der Drops gelutscht? Genau zu dieser Zeit überlegte Charlotte*, das Schreiben ihrer Hausarbeit auf die zweite Hälfte der Semesterferien zu verlegen und erstmal die Nase in den Wind zu halten. Nachdem sich die fünf Mitbewohner*innen in der Klausurphase nochmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt hatten, reichte es ihr fürs Erste mit dem WG-Bonding. Der Plan war, bei der Durchreise eine kleine Verschnaufpause im provinziellen Elternhaus einzulegen, um danach Rotterdam abzugrasen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Weiter als in die Hometown Hörste kam Charlotte nicht, dann verpasst ‘Rona Deutschland einen harten linken Haken. Völlig apathisch musste sie mitansehen, wie Cafés, Bars, Clubs und Landesgrenzen nach und nach die Schotten dicht machten, bis nichts mehr übrigblieb, was von der Hausarbeit hätte ablenken können. Die ersten sieben Tage lebte Charlotte den romantischen Kleinstadttraum aller Berliner*innen: ausgedehnte Waldspaziergänge, hundekotfreie Gehwege und Mom’s Spaghetti. Aber natürlich gibt es immer zwei Seiten der Filzpantoffel.

Gerade als Charlotte begann, die begrenzten Fluchtmöglichkeiten im Kopf durchzuspielen, plante man in ihrer Hauptstadt-WG etwas ganz anderes. Denn obwohl Charlotte gerade mal zehn Tage Berlin verlassen hatte und fest damit rechnete, alsbald wieder unter der vom elterlichen Einfluss befreiten Bettdecke zu stecken, wurde dort die Rechnung ohne sie gemacht.

Außer Charlottes Reiseplänen sind auch die eines der WG wohlbekannten Paares geplatzt. In diesem Fall wurden jedoch schon Jobs und Wohnungen an den Nagel gehängt. Gestrandet sind sie deshalb in Charlottes WG, deren Eigentümerin zufällig mit einem von beiden verwandt ist.

Zum Showdown kam es in einem zehnminütigen FaceTime-Anruf, der durch kleinstädtische Buffering-Pausen zu einem Drama mit fünf Akten wurde. Statt zu fünft wären sie jetzt zu siebt. Niemand möchte Charlotte rausschmeißen, aber am praktischsten wäre es eben schon. Man weiß ja nicht, wie lang das alles noch anhält und zuhause ist es doch sowieso am Schönsten!

Zum Glück half ihr ihre geballte Kommunikationskompetenz doch noch dabei, sich im Berliner WG-Konkurrenzkampf zu behaupten. In Krisenzeiten müssen also doch alle irgendwie zusammenrücken und an guten Tagen ist das Leben in einer Siebener-WG fast wie eine legale Corona-Party.

* Name geändert

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