Die 500 Euro-Frage

Hält der Notfond des Studierendenwerks, was er verspricht? Alex hat sich die Mühe gemacht das Geld zu beantragen und erzählt im Interview mit Lena Marie Breuer von seinen Erfahrungen.

Leider musste Alex nicht nur eine Frage richtig beantworten, um die 500 Euro zu bekommen. Bildbearbeitung: Lena Marie Breuer

Was würdest du tun, wenn dir jemand einfach so 500 Euro schenkt? Mit „jemand” ist das Studierendenwerk gemeint und „einfach so” heißt in diesem Kontext, dass du mit Kontoauszügen belegen musst, wirklich kein Geld mehr zu haben.
Zusatzinfo: Du hast vermutlich gerade deinen Job verloren, weißt nicht, wie du die nächste Miete bezahlen sollst und fragst dich in letzter Zeit immer öfter, ob du dir Instant Nudeln überhaupt noch leisten kannst. Also: Was würdest du tun, wenn dir jemand einfach so 500 Euro schenkt? Alex hat mir eine Antwort auf diese Frage gegeben und seinen Weg dahin beschrieben.

FURIOS: Was machst du mit dem Geld und hast du es schon ausgegeben?

Alex: Ich habe das Geld schon vor zwei Monaten bekommen, als der Fonds aktiviert wurde und habe es für alltägliche Sachen ausgegeben, also Miete, Essen etc. Meine Arbeitszeit wurde auf zehn Stunden verkürzt, obwohl ich auf 20 Stunden angewiesen bin, um meine Kosten zu decken.

Hast du dir etwas gegönnt, was du dir sonst nicht hättest leisten können?

Vielleicht habe ich beim Essen etwas weniger auf den Preis geguckt, sonst aber nichts Spezielles.

Brauchtest du das Geld dringend oder hast du eine Gelegenheit genutzt, die sich geboten hast?

Nein, das war eher vorausschauend gedacht. In dem Moment war es noch nicht dringend, aber ich wusste, dass sich die finanzielle Situation in den nächsten Monaten nicht unbedingt verbessern würde. Meine Einnahmen und Ausgaben gleichen sich bei einer Arbeitszeit von 20 Stunden pro Woche aus. Ich habe das Geld also aus Sicherheitsgründen beantragt, weil mein Gehalt halbiert wurde.

Hast du abgesehen vom verkürzten Gehalt andere finanzielle Einbußen gehabt?

Bei meiner Mutter wurde ebenfalls das Gehalt gekürzt. Normalerweise hat sie mir hin und wieder etwas gegeben, um mich zu unterstützen. Das fiel dann natürlich auch weg.

Wie lief das Verfahren ab?

Man musste alles offen legen, also die ganzen Kontoauszüge hinschicken, angeben was man verdient und dazu schreiben, warum man das Geld benötigt und warum man in einer finanziellen Notlage ist. Das hat schon gut 90 Minuten gedauert. Es war relativ aufwändig, aber für 500 Euro natürlich absolut okay.

Wie lange hat es gedauert, bis du das Geld bekommen hast?

Bei mir war es nach zwei Tagen auf dem Konto.

Bemängelst du etwas an dem Verfahren?

Auf keinen Fall. Ich kann verstehen, dass das Studierendenwerk Einblicke in die Finanzen haben will, damit das Geld nicht bei Leuten landet, die es nicht wirklich brauchen, während andere leer ausgehen, weil kein Geld mehr vorhanden ist.

Sind deine finanziellen Probleme jetzt gelöst?

Nein.

Würdest du es wieder tun?

Ja, wenn ich in einer Notlage wäre, dann definitiv. Ich kann es absolut weiterempfehlen. Ich habe vorher an meine Moral appelliert und mich gefragt, ob ich das Geld wirklich brauche. Für Leute in einer finanziellen Notlage ist es eine gute Option. Ich habe es auch schon anderen empfohlen, die aber teilweise noch auf ihre Antwort warten.

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