A Walk Down Memory Lane: Der Campus im Winterschlaf?

Seit März spielt sich das Unileben an der FU größtenteils digital ab. Dabei war der Campus einst elementarer Bestandteil studentischen Lebens. Clara Baldus ist im November für euch durch Dahlem spaziert und hat herausgefunden, was dort bis vor Kurzem noch los war.

Chaos soll, wie hier in der Campusbibliothek, vermieden werden. Bild: Clara Baldus

Es ist ein seltsames und dennoch vertrautes Gefühl, nach so vielen Monaten wieder über den Campus zu schlendern. Das Areal, das sonst ein lebendiger Ort der studentischen Begegnung ist, erscheint verlassen. Menschen begegnen einer*m nur vereinzelt. Vielerorts finden sich Baustellen, die momentane Leere wird scheinbar für Umbauten genutzt. Bei genauerem Hinsehen lassen sich allerdings doch noch Inseln des Präsenzbetriebes finden, die allerdings teilweise schon wieder vom erneuten Lockdown eingeholt wurden.

Lesesäle als Zufluchtsort

Besonders die Studierenden, deren Wohnsituation kein ruhiges Arbeitsumfeld bietet, suchen bevorzugt Ruhe in den Lesesälen der Bibliotheken. Dort kann man fernab von aufdringlichen Mitbewohner*innen, lärmendem Straßenverkehr und beengten Verhältnissen in eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre abtauchen.

Elf der 15 Bibliotheksstandorte der Freien Universität bieten die Buchung von Arbeitsplätzen an. Momentan stehen knapp 850 Arbeitsplätze zur Verfügung – unter Normalbedingungen wären es etwa 3.300. Und dieses Angebot wird genutzt: Die Auslastung der Lesesäle lag in den vergangen drei Monaten zwischen 50 und 60 Prozent, berichtet Andrea Taplick, Ansprechpartnerin der Universitätsbibliothek. Am beliebtesten sei die Campusbibliothek.

Maskenpflicht, großflächige Absperrungen, plakative Wegeleitsysteme und durch regelmäßiges Lüften frische Innentemperaturen – die Bibliotheken können keine Illusion eines gemütlichen Lernnachmittages im Regelbetrieb schaffen. Und dennoch sind die meisten Studierenden der FU froh, in ihnen zumindest ein Stück Normalität wiederzufinden.

Wohin in der Mittagspause?

Auch wenn Dahlem nicht über die größte kulinarische Infrastruktur Berlins verfügt, stellt das Essensangebot auf dem Campus zufrieden. Die große Mensa in der Rost- und Silberlaube ist zwar geschlossen, dafür bietet die Veggie-Mensa nach Vorbestellung warme Speisen zum Mitnehmen an. Laut des Studierendenwerks bleiben von den durchschnittlich 3.800 Gästen pro Tag, die die Mensa II vergangenes Jahr verpflegte, während des Digitalsemesters noch ca. 800 übrig.

Wem der Sinn nach Kaffee und Kuchen steht, der*die kann sich von der mitten in Umbauten steckenden Mensa II abwenden und nur einen Katzensprung entfernt der Coffee-Bar einen Besuch abstatten. Auch dort gibt es weiterhin To Go-Angebot. Darüber hinaus hat der kleine Imbisswagen vor dem Otto-Suhr-Institut – auch unter Mensa 3 geläufig – geöffnet und sein Sortiment erweitert. Dort gibt es u.a. Falafel und Halloumi im Brot. Die Betreiberin des Imbisswagens erzählt, dass nicht mal halb so viel los sei wie vorher. Außerdem bestünde die Kundschaft kaum aus Studierenden, sondern überwiegend aus Verwaltungsmitarbeiter*innen.

Experimentieren im Labor

Naturwissenschaften leben von praxisbezogenen Laborerfahrungen und können nur teilweise auf digitale Lehrformate umsteigen. Stefan Hempel ist Koordinator eines großen Praktikumsraumes am Institut für Biologie. Dort finden Laborpraktika für Studierende unter strengen Corona-Auflagen statt. Er sagt: „Die Freie Universität hat zur Überprüfung der Lüftungsperformanz in den Räumlichkeiten sogar CO2-Messgeräte angeschafft.”

Auch wenn die Gruppengrößen stark eingeschränkt sind, könnten laut Hempel alle Studierenden, die an der Präsenzlehre teilnehmen möchten, dies auch tun. Und obwohl die Ausgestaltung der Laborpraktika unter Pandemiebedingungen viel Aufwand bedeutet, so scheint es, als wären sie den meisten Studierenden eine willkommene Ausflucht aus dem reinen Online-Studium.

Dem Campus-Spaziergang nachfolgend mussten die Aktivitäten auf dem Campus mit dem erneuten Lockdown drastisch reduziert werden. Mittlerweile sind die Mensen geschlossen und die Bibliotheken öffnen nur noch zur Ausleihe. Es bleibt abzuwarten, wann sich wieder etwas in Dahlem regt, doch momentan sieht es so aus, als würde der Winterschlaf noch eine Weile dauern.

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