Schwieriger Studienstart für trans Studierende

Für trans und nicht-binäre Studierende ist eine Namensänderung an der FU kompliziert. Zwei Erstis erzählen. Von Lucie Schrage

Auch an Berliner Hochschulen kritisieren Aktivist*innen den Umgang mit den Selbstbestimmungsrechten von trans*-Studierenden. Foto: Oriel Frankie Ashcroft, pexels.com

Die Vorlesungszeit hat begonnen. „Für trans, inter, nicht-binäre Personen in Berlin beginnt sie meist mit Diskriminierung”, so die Kampagne #TINklusiveUni, die zu Semesterbeginn ein Video zum Themenkomplex veröffentlichte. Denn derzeit gibt es meistens keine einfache Möglichkeit, in Hochschulunterlagen den Namen oder den Geschlechtseintrag zu ändern. So sind viele gezwungen, die Dozierenden einzeln anzuschreiben, nur damit sie nicht mit dem alten beziehungsweise toten Namen angesprochen werden. Es ist eine große psychische Last, den toten Namen immer wieder zu sehen, damit angesprochen zu werden und sich dann erklären zu müssen. Eine Änderung des Namen in den Hochschulunterlagen ist jedoch erst möglich, wenn eine amtliche Namensänderung erfolgt ist.

Toter Name/Deadname
Als toten Name/Deadname bezeichnen trans und nicht-binäre Personen einen alten, abgelegten Vornamen, der ihnen meist bei der Geburt gegeben wurde. Diesen Namen weiterzuverwenden, sogenanntes Deadnaming, kann ihnen gegenüber sehr verletzend sein – insbesondere wenn es bewusst geschieht, um die Geschlechtsidentität abzuerkennen.

„Ich hatte es leicht.”, erklärt Victoria, Ersti an der FU, im Gespräch mit FURIOS. Vor dem Bewerbungsprozess hat sie eine amtliche Namensänderung veranlasst. Bei ihrer Immatrikulation gab es daher eher wenige Probleme. Das einzige „Relikt” ihres toten Namens ist die Zedat-Mailadresse, dort hat sie sich einfach eine Aliasadresse eingerichtet. 

Allerdings ist die amtliche Namensänderung ein langer und teurer Prozess, den nicht alle Betroffenen wählen wollen oder können. Sie fordern daher die Möglichkeit zur einfachen Änderung des Namen und Pronomen, Anlaufstellen für die Studierenden und eine Sensibilisierung für das Thema an den Universitäten. 

Unzureichende Übergangslösung

Die Debatte ist nicht neu. Im Mai war dies Thema im akademischen Senat (AS) der FU, dort stimmte die Diversitätsbeauftragte der Dringlichkeit des Themas zu. Allerdings stoße man an rechtliche Grenzen, wenn der Name noch nicht offiziell geändert wurde. AS-Mitglieder wiesen darauf hin, dass die FU hier entgegen ihres eigenen Mission Statement Diversity handele. Im Sommer beschloss die FU dann eine neue Regelung.

Elai, ebenfalls Ersti an der FU, besitzt einen Ergänzungsausweis der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, der aus selbst gewählten personenbezogenen Daten und einem aktuellen Passfoto besteht. Damit konnte er wegen der neuen Regelung seinen Namen für die Portale Blackboard und Webex nutzen. Jedoch ist Elai weiterhin mit seinem Geburtsnamen immatrikuliert, dieser befindet sich also auch auf seiner Campuscard und im FU-Account. Grund dafür ist, dass die FU die Ergänzungsausweise nicht für die Namensänderung abseits von Blackboard und Webex akzeptiert, wodurch eine weitere Hürde bestehen bleibt. Somit musste er die Dozierenden alle einzeln anschreiben und erklären, wie er angesprochen werden möchte. „Ich war ziemlich nervös davor, alle Profs anzuschreiben”, erklärt er. „Ich hatte Angst davor, dass irgendwelche unangeneheme Reaktionen kommen, oder es nicht ernst genommen wird, dass ich nicht-binär bin.”

Bisher fehlt eine langfristige Lösung für die Namensänderung über das Digitalsemester hinaus. Des Weiteren würden sich Elai und Victoria weitere Veränderungen wünschen, zum Beispiel All-Gender-Toiletten. Zusätzlich würden der Hochschulsport und die Aufteilung in Umkleidekabinen auch ein schwieriges Feld darstellen, das bei stetig wechselnden Leuten immer neu zu Missverständnissen und möglicher Ausgrenzung führe. So fehlt es ihnen an der FU Berlin, die öffentlich gerne angibt, sich gegen Transfeindlichkeit und für Diversität einzusetzen, weiterhin an glaubhaften und langfristigen Lösungen.

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