Corona-Kurs der FU sorgt für Verunsicherung bei den Beschäftigten

Zwischen Notbetrieb und Normalbetrieb: Das Jahr 2020 verlangt auch den Mitarbeiter*innen der FU einiges ab. Über die Situation der Beschäftigten, und warum diese sich durch die Kommunikation der Uni eher verunsichert als informiert fühlen, berichtet Alena Weil.

Genau wie der Rest des Campus liegen auch die Verwaltungsgebäude der FU zurzeit wie ausgestorben da. Doch mit der Entscheidung fürs Home Office sind längst nicht alle Probleme gelöst. Foto: Julian Sadeghi

Sie sorgen dafür, dass wir weiterhin an Bücher kommen oder dass Webex in der Vorlesung funktioniert: Die Beschäftigten der FU halten den Universitätsbetrieb am Laufen, auch in der Pandemie – wenngleich die Uni-Leitung es ihnen offenbar nicht immer leicht macht. Das jedenfalls sagen Vertreter*innen der FU-Beschäftigten. Unter den Mitarbeiter*innen herrsche große Verunsicherung, erzählt Claudius Naumann, Mitglied der ver.di-Betriebsgruppe.

Laut Naumann sorgte der Schlingerkurs der FU zwischen Not- und Normalbetrieb für Verwirrung: Nachdem die Uni im Frühjahr innerhalb kürzester Zeit in den Präsenznotbetrieb übergegangen war, hatte die Universitätsleitung für Oktober die Rückkehr zum „Normalbetrieb unter Pandemiebedingungen“ mit möglichst viel Präsenz angekündigt – nur um wenige Wochen später zurück zu rudern und erneut auf Home Office zu setzen. Die ver.di-Betriebsgruppe, die die Mehrheit der Mitglieder im Gesamtpersonalrat stellt, wirft der FU in der Pandemie ein inkonsistentes Vorgehen sowie eine mangelhafte Kommunikation der geltenden Regelungen vor.

Corona-Regeln: In den Tiefen der FAQs

Die FU informiere alle Universitätsangehörigen über die dafür eingerichtete Homepage sowie über Rundmails und Artikel regelmäßig über die Maßnahmen, versichert dagegen Goran Krstin, Pressesprecher des Präsidenten. Das sehen die Betroffenen anders: Informationen erreichten oft nicht direkt die Beschäftigten, sondern nur die Fachbereichsverwaltungsleitungen, erzählt Heike Büssing, ebenfalls Mitglied der ver.di-Gruppe. Und anstatt Regeln klar zu kommunizieren, würden diese in den „Tiefen der FAQs“ versteckt.

Darüber hinaus widerspreche sich die Kommunikation der Universitätsleitung gerne mal. Während sich die Leiterin der FU-Verwaltung, Kanzlerin Andrea Bör, vor einiger Zeit für mehr Präsenz aussprach, rief Unipräsident Günter M. Ziegler zur Vorsicht auf, sagt Naumann. „Es ist nicht aus einem Guss und informativ ist es in den seltensten Fällen.“

Mobiles Arbeiten ohne Arbeitsgeräte?

Aktuell arbeitet laut Angaben der Pressestelle der Freien Universität wieder ein Großteil der Beschäftigten im Home Office, sowie einige Mitarbeiter*innen abwechselnd auf dem Campus und von zuhause aus. Die Umsetzung der Maßnahmen wird allerdings dezentral in den Bereichen organisiert. Dadurch wisse man gar nicht, wo welche Regeln wie gut umgesetzt werden, kritisiert Büssing, und „an welcher Stelle die Leute gut behütet sind und an welcher nicht.“ Es sei ein bisschen wie bei der Bundesregierung und den Ländern – am Ende werde es immer unterschiedlich gehandhabt.

Das betrifft auch die technische Ausstattung für das mobile Arbeiten sowie die Erstattung von Auslagen. „Die Beschäftigten der Freien Universität Berlin wurden im Rahmen des Möglichen mit Geräten und Material für ihre Tätigkeit im Homeoffice durch ihre Arbeitsbereiche ausgestattet.“, erklärt Pressesprecher Krstin. Eine pauschale Kostenerstattung sei nicht vorgesehen.

Keine Zusicherung der Kostenerstattung

Damit bleibe es Glückssache, und letztendlich abhängig vom Budget des jeweiligen Bereichs, ob man als Mitarbeiter*in die notwendige Ausstattung erhält und ob aus eigener Tasche gezahlte Kosten erstattet werden, sagt Naumann. Eine Zusicherung der Uni gibt es nicht, ein Antrag des Gesamtpersonalrats hierzu war im Frühjahr von der Universitätsleitung abgelehnt worden.

Dies begründete Kanzlerin Bör unter anderem damit, dass im Zeitalter der Digitalisierung davon auszugehen sei, dass die die meisten Beschäftigten bereits über Computer, Internetanschluss und Daten-Flatrate verfügten. Zudem zeige sich die FU in der Pandemie bereits kulant – so werde etwa die Arbeitszeit nicht kontrolliert und das Gehalt weiterhin vollständig gezahlt. Auf diesem Stand seien die Gespräche über Ausstattung im Home Office bislang eingefroren, sagt Naumann, von Seiten des Präsidiums gebe es keine neuerlichen Signale.

Derweil steigen die Infektionszahlen weiter, die Pandemie wird den Alltag an der FU wohl noch einige Zeit prägen. Diese Situation stärke uns aber auch, „als eine große Gemeinschaft, die zusammenhält“, befindet Präsident Ziegler in einer seiner Rundmails, in denen er über das Digitalsemester, Lektüretipps oder seine persönlichen Gedanken zur Pandemie informiert. Beschäftigtenvertreter*innen wie Claudius Naumann können darüber nur müde lächeln: „Es ist fantastisch, die Beschäftigten wissen zwar nicht, was sie jetzt machen können oder dürfen, aber über die aktuelle Lieblingslektüre des Präsidenten sind sie immer bestens informiert.“

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