Wild West WebEx

Tausendmal in Erwägung gezogen, tausendmal ist nichts passiert. Doch eine Pandemie: Und an den Unis hat‘s Zoom gemacht bzw. WebEx. Warum das aber kein Hindernis ist, sondern sogar ein Feature sein könnte, erfuhr unsere Autorin Josie Beirau bei einer Online-Podiumsdiskussion.

Mit wem spreche ich eigentlich gerade? Bei der Kommunikation über Webex ist dies nicht immer klar. Foto: Unsplash, Montage: Johannes Bauer
Mit wem spreche ich eigentlich gerade? Bei der Kommunikation über WebEx ist dies nicht immer klar. Foto: Unsplash, Montage: Johannes Bauer

Warum teilt der jetzt seinen Bildschirm? Kann man mich hören? Nach anderthalb Digitalsemestern hat wohl jede*r von uns schon mal die technischen Herausforderungen einer Videokonferenz erlebt. Doch was genau ändert sich durch diese neue Art der Kommunikation? Zu dieser Fragestellung organisierten das Interdisziplinäre Zentrum Europäische Sprachen in Kooperation mit dem Dahlem Humanities Center eine Podiumsdiskussion. Professor*innen der Informationstechnologie, Linguistik und Soziologie diskutierten aufgrund der Pandemiesituation in einer WebEx-Veranstaltung – vielleicht auch praktisch, schließlich steht ja diese Kommunikationsart im Mittelpunkt.

Noch vor Beginn der Veranstaltung sahen sich die Moderatoren Matthias Hüning und Horst Simon allerdings mit einem typischen Problem der Onlinekommunikation konfrontiert: Die Technik streikt. Und so mussten mal eben knapp 230 interessierte Zuhörer*innen vom offiziellen Veranstaltungsevent ins private WebEx-Wohnzimmer von Matthias Hüning verfrachtet werden, bevor die beiden Sprachwissenschaftler die Podiumsdiskussion eröffnen konnten. 

Ohne Augenkontakt und Kopfnicken

Diese Anfangssituation sei aber keineswegs ein Bug, sondern viel mehr ein Feature, lobt Frau Müller-Birn, Informationstechnologin an der FU. Kurzfristig einen Raum für über 200 Teilnehmer*innen zu finden und geordnet umzuziehen, gleiche in der Offline-Welt einer unmöglichen Aufgabe. Digital konnte das Problem aber in wenigen Minuten gelöst werden. Sie sei generell zuversichtlich, aber Software müsse noch weiter optimiert werden, indem sie Nutzenden z.B. eine Rückmeldung gebe, wenn die Bild- und Tonübertragung hakt. 

Technische Rückmeldungen dienen auch dazu, das Ausbleiben von menschlichen Rückmeldungen zu erkennen. Im Gegensatz zu einem E-Mail-Dialog interagieren bei Videokonferenzen mehrere Kommunikationsteilnehmer*innen gleichzeitig miteinander. Für den Linguisten Heiko Hausendorf seien Rückmeldungen wie zustimmendes Nicken oder ein Schmunzeln entscheidend. Dies funktioniert bei Videokommunikation nur solange die Kameras eingeschaltet sind und die Internetverbindung mitspielt. Formen der verkörperten Intimität wie beispielsweise ein Händeschütteln oder ein beiläufiges Schulterklopfen im Gespräch sind bei Videokommunikation generell nicht möglich.

Eine weitere Einschränkung sei der fehlende, direkte Augenkontakt mit Gesprächspartner*innen, um z.B. Argumente überzeugender vorzubringen, kritisiert Soziologin Villa Braslavsky. Außerdem fehle es bis jetzt noch an bestimmten Routinen, die sich bei jeder Form menschlichen Aufeinandertreffens stets etablieren – wie z.B. bei Begrüßungen oder etwa dem Aus- und Einsteigen in der U-Bahn.

Eine Prise „sich selbst zu helfen wissen”

Aufgrund des knappen Zeitfensters von zwei Stunden blieben viele Probleme und Perspektiven der Videokommunikation unberücksichtigt. Fragen, die wohl nur die Zukunft höchstpersönlich beantworten kann. Alles in allem war es jedoch ein lebhafter Abend voller neuer Denkanstöße mit einer guten Prise „sich selbst zu helfen wissen”.

Und wie Moderator Matthias Hüning bereits zu Beginn der Veranstaltung formulierte: „Das ist ein Abenteuer hier. Wild West.“ Wild West WebEx – Ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Vielleicht auch eine spannende Art, auf dieses Digitalsemester zu blicken. 

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1 Response

  1. Werner sagt:

    kleine Nachfrage mal zu Messenger, die Ihr nutzt…
    was empfiehlt man in UNI Kreisen (einer ist ja im Footer schon gezeigt) TELEGRAM, SIGNAL, THREEMA, MASTODON oder doch weiterhin noch Whatsapp etc.
    Schönen Gruß aus Husum…

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