Kunsträume für Studierende

Welche Möglichkeiten haben junge Künstler*innen? Paula Kalisch hat recherchiert welche Räume ihnen zur Verfügung stehen – analog und digital.

Hara Shin, „Mouthless Dialogue“ (video still), Foto: STW Berlin

Junge Künstler*innen haben es nicht leicht: Um Anerkennung zu bekommen, müssen sie ihre Werke ausstellen können. Aber ohne bereits bekannt zu sein, ist das fast unmöglich.  Deswegen betreibt das studierendenwerk Berlin einen Ausstellungsraum in der Potsdamer Straße. Dort gibt es eine Galeriefläche mit mehreren Räumen, die es jungen Künstler*innen unter Hilfestellung des studierendenwerks ermöglicht, mitten in Berlin Kunst auszustellen. Letztes Jahr kam ein digitales Angebot dazu: der Kunstraum Digital. So soll mit neuen Formen der Ausstellung experimentiert werden.   

Unterstützung für junge Künstler*innen

Der Kunstraum des studierendenwerks – sowohl physisch als auch digital – richtet sich an Studierende aller Studiengänge der 20 kooperierenden Hochschulen in Berlin, die gerne künstlerisch und kreativ arbeiten, erzählt Jakob Urban, der als studentischer Mitarbeiter den Kunstraum digital seit seiner Entstehung betreut. Damit soll Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, ihre Arbeiten öffentlich zu präsentieren. Die Studierenden erhalten durch das Angebot Unterstützung in der Konzeption, Organisation und Präsentation der Ausstellung sowie eine projektbasierte Finanzierung. „Studierende sollen professionell ihre künstlerische Karriere starten können”, findet Jakob. Daher sei es wichtig, sie gut dabei zu unterstützen und die Angebote leicht erreichbar zu gestalten. 

Die Bewerbungszeiträume –  sogenannte Open Calls – für den Kunstraum sind jeweils Ende des Jahres, September bis November, für das nächste Jahr. Jedoch könne jederzeit eine Bewerbung an das studierendenwerk geschickt werden, erklärt Jakob. Dann würde spontan abgeklärt werden, wie die Projekte noch in das Jahresprogramm integriert und umgesetzt werden könnten. Dem studierendenwerk ist es wichtig, jederzeit für die Studierenden erreichbar zu sein und Hilfe anbieten zu können. Per E-Mail mit Dossier, Ausstellungskonzept, Immatrikulationsbescheinigung und Lebenslauf können Studierende sich für den Kunstraum bewerben.

Zufriedene Künstler+innen?

Ausstellungsansicht „Ich bin.“, Werke von Anneliese Greve und Eunju Pi, Foto: STW Berlin

Anneliese Greve, Studentin der Bildenden Kunst an der UDK, schätzt den Kunstraum des studierendenwerks sehr: „Der Kunstraum ermöglicht es uns, den benötigten räumlichen Platz für die Realisierung unserer künstlerischen Projekte einzunehmen und es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ In der Potsdamer Straße, in der sich viele weitere Galerien finden, kommt normalerweise viel Laufpublikum in die Ausstellungen. Jakob Urban berichtet von 2.000 Besucher*innen an einem Wochenende. Anneliese konnte mit Unterstützung des Kunstraums Digital im letzten Jahr die Gruppenausstellung Ich Bin  umsetzen. In der Ausstellung thematisierten die verschiedenen Künstler*innen die Suche nach Identität und was es bedeutet, Mensch und Künstler*in zu sein. 

Social Media Präsenz wird für Künstler*innen zunehmend wichtiger, da sie so ein viel größeres Publikum erreichen und auch ihre Kunst und durchgeführte Ausstellungen dokumentieren können. Da sei es naheliegend gewesen, auch für den Kunstraum eine digitale Präsenz aufzubauen, erklärt Jakob. Durch die Corona-Pandemie letztes Jahr gab es einen idealen Startpunkt für das Projekt, dennoch sei es ausdrücklich kein Pandemie-Projekt, betont Jakob. Der Kunstraum Digital war bereits vor der Pandemie in Planung und soll auch über Corona hinaus weitergeführt werden. Das Konzept des Kunstraum Digital orientiere sich stark an den Bedürfnissen der studentischen Künstler*innen, also welche Formen von Kunst sie dort präsentieren möchten, wie dokumentarisch das Ganze gestaltet werden soll oder welche Social Media Posts über die Aktionen veröffentlicht werden.

Wie betrachten wir Kunst in der Zukunft? 

Digitales Skizzenbuch nennt Jakob die Präsenz des Kunstraums Digital auf Instagram. Ihn und die Künstler*innen beschäftige die Frage, wie künstlerische Prozesse ins Internet übertragen werden können, ohne rein dokumentarisch zu sein. Spannend sei dabei vor allem, das Verhältnis von analoger und digitaler Kunst weiter zu erforschen und zu reflektieren.

Anneliese Greve ist der Meinung, Kunst müsse in digitalen und analogen Räumen existieren: „Natürlich kann Malerei, Fotografie oder Video auch digital betrachtet werden. Allerdings gehen viele Informationen, die nur vor Ort erlebt werden können, wie Farbnuancen, Oberflächenbeschaffenheiten, Sound und Atmosphäre bei einer digitalen Übersetzung verloren.“

Für dieses Jahr ist ein Festival zum Gallery Weekend, der wohl bekanntesten Veranstaltung der Berliner Galerieszene, geplant. Noch ist nicht bekannt, unter welchen Bedingungen das Gallery Weekend stattfinden kann. Auf das Festival freut Jakob sich schon sehr. Auch hier werde sich mit hybriden und digitalen Angeboten der Kunst auseinandergesetzt. Bis es wieder möglich sein wird, den Kunstraum in der Potsdamer Straße persönlich zu betreten, werden die Projekte wohl weiterhin (nur) auf Instagram zu sehen sein. 

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