„Die Uni ist nicht nur eine Ausbildungsstätte”

Im Strategieprozess Studium und Lehre 2030 will die FU unter anderem neue Konzepte für studentische Beteiligung erarbeiten. Von ihren Plänen und desinteressierten Dozierenden erzählen zwei studentische Teilnehmerinnen im Gespräch mit Anna Schönenbach.

Post-It-Wände waren im Online-Prozess wohl weniger möglich, Brainstorming natürlich trotzdem. Foto: Ella (cuboctahedron), CC BY-NC 2.0 Lizenz

Mit einem im November 2020 vom Präsidium angestoßenen „Strategieprozess Studium und Lehre 2030” will die FU fit für die Zukunft der Lehre werden. Dazu haben sich Studierende und Lehrende in Arbeitsgruppen zusammengefunden. Die Themen reichen  von studentischer Partizipation über Internationalisierung und Inklusion bis hin zur Curriculumsentwicklung. 

FURIOS: Warum beteiligt ihr euch an dem Strategieprozess Studium und Lehre 2030, und warum gerade zum Thema Partizipation und Vernetzung?

Nora: Ich bin Mitarbeiterin am Dahlem Center of Academic Teaching, was daran arbeitet, Hochschullehrende zu unterstützen und weiterzuqualifizieren. Und gleichzeitig bin ich eben auch Studentin, und es ist mir wichtig, studentische Perspektiven in die Lehre einzubringen.

Lena: Ich bin als studentische Hilfskraft angestellt. Seit 2017 bin ich Mentorin und Tutorin, und habe dabei mitbekommen, wie sehr die studentische Lehre und Studienberatung eingeschränkt wurde und am ‚Existenz-Aus‘ steht. Sie muss aber beibehalten und ausgebaut werden. Auch mir geht es darum, studentische Perspektiven einzubringen und studentische Partizipation zu unterstützen.

Könnt ihr kurz beschreiben, worum es in euer AG geht und welches Ziel ihr bis 2030 anstrebt?

Nora: Unsere AG ist die AG 17, Partizipation, Kommunikation und Vernetzung. Uns geht es besonders um vier Punkte: Partizipation, Kommunikation, Kultur und Repräsentation der Studierenden. Es geht darum, dass diese in der Lehre ausreichend repräsentiert sind und ihre Arbeit mehr anerkannt und unterstützt werden soll – nicht nur in der Hochschulpolitik, sondern auch in der Lehre.

In eurem Sitzungsprotokoll habt ihr insbesondere das Fehlen von Professor*innen in eurer AG kommentiert. Auch in AG 2, Studentische Lehr- und Lernprojekte, wo ihr Sprecherinnen seid, habt ihr über die mangelnde Kommunikationsbereitschaft vonseiten der Dozierenden geklagt. Könntet ihr das weiter ausführen? Woran denkt ihr, liegt das?

Lena: Es sollte einmal erwähnt sein, dass wir am Anfang alle in der AG 1, Studentische Partizipation, waren, dann aber gewechselt sind und neue AGs gegründet haben, da der ersten keine Professor*innen beigetreten sind. Anscheinend hat der Titel sie abgeschreckt und sie dachten, dass studentische Partizipation nichts mit ihnen zu tun hat. Gerade diese Trennung zwischen Lehrenden und Studierenden im Bereich Partizipation möchten wir überbrücken und die Hierarchien, die besonders von Studienanfänger*innen wahrgenommen werden können, aufheben. Das wollen wir zum Beispiel mit pädagogisch-didaktischen Trainings für Dozierende erreichen.

Wenn eure Ziele bis 2030 erreicht sein sollten, wie würde sich das im Bereich der Lehre und der studentischen Partizipation konkret auf den Uni-Alltag auswirken?

Lena: Die AG 2 wünscht sich bezüglich studentischer Lehrprojekte, dass das Tutoring weitergeführt wird1 und Räume für die studentische Studienberatung bereitgestellt werden, damit Student*innen eine konkrete Anlaufstelle haben, falls sie nicht weiterwissen, sich aber nicht sicher sind, ob sie ihr Problem zu einer Lehrperson tragen können. Studentische Studienberatung soll auf keinen Fall eine Konkurrenz zur Lehre oder psychologischen Beratung sein. Es ist vielmehr eine Ergänzung und es wäre schön, wenn beide Seiten mehr zusammenarbeiten könnten. Wir haben auch an Projekttutorien gedacht. Da können Studierende, die Forschungsvorhaben haben, sich zusammentun und diese in Zusammenarbeit mit Dozierenden in Form eines Seminars bearbeiten.

Also arbeiten wir vor allem daran, diese zwei Punkte umzusetzen: Erstens die Beibehaltung der studentischen Studienberatung. Das ist wichtig und bewegt sich leider gerade in die Gegenrichtung, da das Mentoring zum Beispiel gekürzt wird. Und zweitens das Einrichten der Projekttutorien, bei denen Studierende verantwortlich für die Lehre sind.

Nora: Bei der AG 17 geht es vor allem darum, die Vernetzung nach außen zu tragen. Das heißt, dass die Lehre mehr wertgeschätzt werden soll. Das hängt zusammen mit der Förderung der Möglichkeit für Lehrende, sich didaktisch fortzubilden, wie es das Dahlem Center of Academic Teaching anbietet. So qualifizieren sich Professor*innen weiter in der Lehre und verschaffen ihr einen höheren Stellenwert. Die Studierenden sollen praktisch mehr eingebunden werden. Zum Beispiel können sie sich im Vorfeld der Lehrveranstaltung an der Themengestaltung beteiligen. Außerdem soll es während der Seminare Zwischen-Feedbacks geben, um noch während der Veranstaltung auf Kritik reagieren zu können.

Was konkret erwartet ihr vom Uni-Präsidium? Und was von den Studierenden?

Nora: Ein erster großer Schritt, den das Präsidium getätigt hat, war es, diesen Prozess anzustoßen und alle einzubinden. Jetzt liegt es daran, die Strategien auch umzusetzen, damit diese nicht nur in einer Schublade verstauben. Die Ergebnisse müssen ernst genommen und diskutiert werden, der Dialog sollte weitergeführt und somit ein nachhaltiger Entwicklungsprozess angestoßen werden.

Lena: Nur wenn solche Projekte langfristig in den Uni-Strukturen verankert werden, können die Studierenden die Uni mitgestalten. Dazu müssen die sich aber auch aktiv beteiligen. Da liegt es dann wieder am Präsidium, die Beteiligungsmöglichkeiten öffentlicher zu machen und die Partizipation zu unterstützen. Es muss auch vermittelt werden, dass die Uni nicht nur eine Ausbildungsstätte ist, sondern auch ein Ort, um sich in der Praxis zu üben – sei es außerschulische Partizipation oder Lehre. Diese Praxis trägt zur persönlichen Entwicklung bei, kann enorm im späteren Berufsleben helfen und fördert auch die Kommunikation mit Dozierenden, da man studentische Perspektiven einbringen kann und so zur Entwicklung der Lehre beiträgt.

Was sind die nächsten Schritte im Strategieprozess? Jetzt wo ihr innerhalb der AGs diskutiert habt, wie geht es weiter bis 2030?

Lena: Am 8. März geht die sogenannte Wrap-up-Phase los, wo es darum geht, dass die AGs einander online in einem Wiki Feedback zu ihren Ergebnissen geben können. Das geht bis zum 22. März, an dem dann die eigentlichen Wrap-up-Events stattfinden. Da werden die Ergebnisse in für alle Interessierten offenen Webex-Sitzungen vorgestellt und können diskutiert werden.

Nora: Der weitere Vorgang ist konkret noch nicht bekannt, aber es soll auf jeden Fall ein Leitfaden ausformuliert werden, auf den die Uni sich dann berufen kann.

Gibt es noch etwas Wichtiges, was ihr ergänzen wollt?

Nora: Ja, ich würde noch einen kleinen Aufruf machen und alle ermutigen, sich in den Strategieprozess einzubringen. Der läuft noch, die richtige Diskussion fängt gerade erst an und man kann sich für das Wrap-up-Event anmelden! 

Lena: Ich würde auch betonen, sich generell einzubringen – sich an der Gremienarbeit zu beteiligen, die Uni-Wahlen zu unterstützen und vor allem wählen zu gehen. Sich mit Hochschulpolitik auseinanderzusetzen ist wichtig, da wir ein kleiner Kulturkreis sind und darüber Probleme bewältigt und Veränderungen erreicht werden können. Studierende sollten von der Hochschule mehr integriert werden, müssen sich aber auch von sich aus beteiligen, um diese Notwendigkeit aufzuzeigen.

1 Im Nachzug des Gesprächs erhielten wir von Lena die Information, dass Mittel beschafft wurden, um das Tutoring-Programm an den jeweiligen Instituten vorerst bis September weiterzuführen.

Autor*in

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.