Wenn uni.corn Videos dreht

Medien sind in unserer Gesellschaft omnipräsent. Die Unmengen an Jobs, die sie bieten, erfordern aber viele Fähigkeiten. TV-Produktion spielt dabei eine große Rolle. Diese können Studierende der FU seit 2019 im Projektseminar uni.corn erlernen. Von Lena Rückerl und Elias Fischer.

Studierende beim Dreh zu einem Beitrag in einem Restaurant. Bild: uni.corn.

„Irgendwas mit Medien” ist ein unpräziser, aber gängiger Berufswunsch. Unpräzise deshalb, weil die Fülle an Medien-Berufen riesig ist und weil ganz unterschiedliche Qualifikationen benötigt werden. Abhilfe leistet da das Modul Informations- und Medienkompetenzen im Rahmen der Allgemeinen Berufsvorbereitung (ABV). Dort erlernen Interessierte medienrelevante Fähigkeiten wie das Gestalten von Printmedien oder die objektorientierte Programmierung. Lange nicht enthalten gewesen ist die Produktion von Fernsehbeiträgen. Seit dem Wintersemester 19/20 allerdings kann man sich darin in dem noch jungen ABV-Modul Medienpraxis, das den Projektnamen uni.corn trägt, erproben.

Uni.corn ist ein Projekt der FU in Zusammenarbeit mit dem Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ). „Das MIZ wollte ein Projekt starten, dass sich mit dem Bereich des Bewegtbildes (TV und Online) beschäftigt und in Zusammenarbeit mit einer Universität curricularverankert durchgeführt wird”, sagt Tim Bosse, der den Bildungsbereich im MIZ Babelsberg und seitens des Hauses das uni.corn-Projekt verantwortet. Nach einer mehrmonatigen Entwicklungsphase entstand uni.corn, der Name ist ein Akronym für Uni, Campus, Online, Ressort, News.

Anna Lob, Studentin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, hat das Seminar im ersten Durchlauf belegt, weil es für sie spannend klang. „Außerdem passte es gut in mein Studium und die zehn Leistungspunkte fand ich auch praktisch.” Journalistische Vorerfahrungen im Bereich des Bewegtbildes hatte Anna nicht, zuvor arbeitete sie aber schon als Redakteurin für ein Online-Magazin. Beruflich sieht Anna ihre Zukunft in der Kommunikationsbranche, nicht im Journalismus, dennoch seien die Erfahrungen und das Wissen aus dem Seminar sehr hilfreich, sagt sie.

Fürs Fernsehen, für YouTube

Das Projektseminar wird von Tim Bosse vom MIZ und Dagmar Boeck-Siebenhaar von der der FU angeleitet und bietet 25 Studierenden einen Platz um Medienerfahrungen zu sammeln. Zulassungsvoraussetzungen gibt es nicht. So vereinen sich bei uni.corn Studierende diverser Studiengänge. Neben Geisteswissenschafter*innen nehmen auch Biolog*innen oder Mathematiker*innen teil. „Abgesehen vom fachlichen war es einfach cool, neue Leute aus anderen Fachbereichen kennenzulernen”, berichtet Anna.

Die Teilnehmenden widmen sich in drei Gruppen dem Bewegtbild: uni.corn – das magazin, uni.corn kommentiert und uni.corn diskutiert. Das Magazin ist dabei dem Bereich TV, die anderen beiden dem Bereich Online zugeteilt. „Im Magazin, das bei Alex.TV ausgestrahlt wird, geht es darum, raus zu gehen, die Stadt zu erleben, Interviewpartner zu suchen”, erklärt Julia Gudi, studentische Hilfskraft beim Projekt.

Die beiden Online-Formate, die auf YouTube laufen, setzen einen etwas anderen Schwerpunkt. In der Rubrik kommentiert nehme die Redaktion Stellung zu einem Thema, teils auch humorvoll oder satirisch, „während es bei diskutiert darum geht, Themen von verschiedenen Seiten aus zu beleuchten, keine spezifische Haltung einzunehmen und am Ende ein sachliches Fazit zu ziehen.”

Doch zunächst müssen Themen gefunden werden. „Die einzige richtige Vorgabe ist, dass es einen Bezug zu Berlin-Brandenburg haben muss”, erklärt Gudi. „Wir haben einen Vorlauf von mehreren Wochen, in denen die Themenpitches stattfinden. Die Studierenden geben Vorschläge mit einem selbstgewählten Ranking ab.” In letzter Instanz wählten die Produktionsverantwortlichen Frau Boeck-Siebenhaar, Tim Bosse, Yannik Galetto – studentischer Mitarbeiter des MIZ – und sie selbst in Absprache mit den Studierenden eines aus. Dass die Studierenden nicht das Schlusswort in der Themenauswahl haben, wirft die Frage nach Einschränkungen in der Gestaltung auf. Gudi entgegnet: „Ich empfinde die Zusammenarbeit von Produktionsverantwortlichen und Studierenden als gleichberechtigt und gestalterisch werden ihnen viele Freiheiten gewährt.“

Dennoch habe es gelegentlich Konflikte gegeben, sagt die ehemalige Teilnehmerin Anna. „Wir als Seminar fanden häufig sehr politische Themen interessant. Das ist von der Kursleitung teilweise kritisch gesehen worden.” Generell habe man aber bei Problemen sehr gut mit den Leuten vom MIZ sprechen können.

Der Weg von der Idee zum Video

Die Dauer einer Teilnahme am Projekt uni.corn beträgt zwei Semester. „Die Studierenden haben so die notwendige Zeit, um intensiv und über einen längeren Zeitraum, Kenntnisse und Fähigkeiten in der Medienproduktion zu erwerben, auch experimentelle Freiräume zu nutzen, wenn gewünscht”, sagt Dagmar Boeck-Siebenhaar, Dozentin und Leiterin des Praxismoduls an der FU.

Dazu gibt es zu Beginn des Moduls erst einmal eine Theoriephase, in der die Teilnehmer*innen in den verschiedensten Workshops an den Journalismus herangeführt werden: u.a. Interview- und Moderationstraining, Equipment-Einführung oder Postproduktion. „Die waren alle echt gut”, findet Anna.

Darüber hinaus habe sie gelernt, „sich in einem verhältnismäßig großen Team abzustimmen, Kompromisse zu machen und auch unter stressigen Umständen zusammenzuarbeiten.” Geholfen habe dabei, dass vorab bereits Rollen und Produktionszyklen vorgegeben waren. „Manchmal war es aber auch etwas unpraktisch, weil es die Flexibilität ein bisschen genommen hat.”

Julia Gudi, studentische Hilfskraft, erklärt, wie der Produktionsprozess bei uni.con abläuft. Quelle: Auszug aus einem Interview mit FURIOS.

Ein Produktionszyklus läuft immer über acht Wochen, innerhalb derer feste Deadlines sowohl von der FU als auch vom MIZ gesetzt werden. „Wir sind da nah an der Praxis”, betont Julia Gudi. So gebe es technische und finale Vorabnahme. Aufgezeichnet wird am Ende idealerweise in den Studios des MIZ in Babelsberg. „Eine Aufnahme kann auch mit dem eigenen Handy stattfinden”, erklärt sie. Aber es empfehle sich auf das Equipment des MIZ, das einfach ausgeliehen werden könne, zurückgreifen. So sei es auch möglich, während der aktuellen Pandemielage im Home Office zu produzieren. 

Zwischen Theorie und Praxis

Finanziert wird uni.corn aus zwei Quellen: Weil das Projekt regulärer Bestandteil des ABV-Lehrangebotes ist, gibt es zum einen Unterstützung aus dem universitären Lehrmittelbudget, zum anderen stehen dem MIZ als Einrichtung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg Mittel zur Medienkompetenzvermittlung zur Verfügung. Dass uni.corn zum Lehrangebot gehöre, habe nur Vorteile sagt Boeck-Siebenhaar. „Theorie und Praxis auch innerhalb des Studiums miteinander zu verbinden, schafft Klarheit und Verlässlichkeit für alle Beteiligten und entspricht dem erklärten Wunsch des Großteils der Studierenden.”

Dass das Projekt curricular verankert ist, war für Anna Lob nicht entscheidend, aber rückblickend sagt sie, dass zehn Leistungspunkte nicht ausgereicht haben. „Gemessen am Zeitaufwand hätte man durchaus mehr Punkte geben können.” Schließlich umfasse das Seminar neben den Workshops und den Drehzeiten einige Besprechungen in Kleingruppen und eine wöchentliche Redaktionssitzung. Aufgrund des Arbeitsaufwandes schlägt Anna vor, die Redaktion noch für freie Redakteur*innen zu öffnen. „Allerdings müssen diese natürlich auch vernünftig in die Arbeitsweise integriert werden.”

Ausweitung des Seminars möglich

Auch seitens der Verantwortlichen gibt es bereits Überlegungen, wie das Projekt ausgebaut werden könnte. So sei die Einrichtung eines Studios an der FU zwar derzeit nicht geplant, Kooperationen mit weiteren Medienpartnern und Hochschulen allerdings seien denkbar, sagt Bosse. „Zuerst sollte das Projekt aber unter Idealbedingungen umgesetzt werden, damit sich entsprechende Workflows festigen.” Bewährt habe sich das Projekt trotz Pandemie aber bereits, sagt Bosse.

Uni.corn  bietet einiges, um sich in der weitläufigen Medienlandschaft zurechtzufinden: Ausbildung am technischen Equipment, Erfahrungen im Redaktionsprozess, Vernetzung mit wichtigen Ansprechpartner*innen in der Medienlandschaft. Drei kleine Mankos stehen aber wohl im Raum: zu wenig Leistungspunkte, der lange Weg nach Babelsberg und nicht zuletzt die Eingriffe in die Gestaltungsfreiheit. „Es ist ja immer noch ein Seminar; eine Zusammenarbeit der Studierenden der FU und dem MIZ ”, sagt Gudi, „keine komplett freie und experimentelle Arbeit einer studentischen Redaktion.“

Autor*innen

Elias Fischer

Seine Männlichkeit passt nicht ganz in den Bildausschnitt.

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