Traumasprechstunde für mehr Lebensqualität

Sexuelle oder körperliche Gewalt hat schwerwiegende Folgen für die Betroffenen. Die Hochschulambulanz der FU hilft mit einer Therapie jungen Gewaltopfern. Ein Bericht von Pia Schulz.

Quelle: Larm Rmah, unsplash.com

“Vergewaltigt? Geschlagen? Missbraucht?” Damit junge Menschen traumatische Erlebnisse durch Gewalttaten besser verarbeiten können, bietet die Hochschulambulanz die Traumasprechstunde an. Seit 2016 gibt es die Therapie an der FU, bei der sich Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14-25 Jahren behandeln lassen können.

Die meisten Menschen, die sich an die Hochschulambulanz wenden, hätten sexuelle Gewalt erlitten, sagt die Leiterin der Traumasprechstunde Maja Steinbrink. Sie arbeitet seit 2011 als Psychotherapeutin an der Hochschulambulanz und leitet von Beginn an die Sprechstunden. Gemeinsam mit Babette Renneberg, der Gründerin und Leiterin der Ambulanz an der FU, trägt sie die Verantwortung für die Therapie. 

Als eine Einrichtung des Arbeitsbereiches Klinische Psychologie und Psychotherapie der FU bietet die Hochschulambulanz neben psychotherapeutischer Behandlung auch klinisch-psychologische Diagnostik sowie Kurse im Rahmen der Gesundheitsförderung an. Außerdem führt die Ambulanz im Forschungsbereich verschiedene psychologische Studien durch, wie beispielsweise Untersuchungen zu unterschiedlichen Behandlungssettings von Depressionen. Studierende können sich über den Arbeitsbereich Klinische Psychologie auch für Abschlussarbeiten an der Hochschulambulanz anmelden. Für Psychologiestudent*innen besteht außerdem die Möglichkeit, ein Praktikum in der Einrichtung zu absolvieren.

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Wirksamkeit durch Forschung bestätigt

Der Sprechstunde ging eine Studie voraus, welche die Wirksamkeit der sogenannten „entwicklungsangepassten traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie“ untersuchte. Das ist eine ambulante Traumatherapie, die speziell für junge Menschen entwickelt wurde. Im Verlauf der Studie konnten viele Patient*innen durch die intensive ambulante Therapie eine starke Verbesserung und manchmal sogar Auflösung ihrer Symptome erreichen. Aufgrund der zahlreichen positiven Ergebnisse haben die Verantwortlichen entschieden, die Therapie dauerhaft in das Angebot der Hochschulambulanz aufzunehmen.

Derzeit werden 18 junge Patient*innen behandelt. Die Therapie wird aber nicht ausschließlich für Student*innen angeboten: Jeder Mensch, der Gewalt erleiden musste, hat die Möglichkeit, sich für die Sprechstunde anzumelden. Nach Angaben von Steinbrink studieren etwa 25% ihrer Patient*innen; die anderen Teilnehmer*innen sind keine FU-Mitglieder.

Der Zeitraum der Therapie erstreckt sich über vier bis fünf Monate und umfasst etwa 36 Sitzungen, die jeweils eineinhalb Stunden lang dauern. Die Behandlung besteht aus drei Teilen. Im Ersten ist das Ziel, dass die Patient*innen ein Gefühl dafür bekommen, „was da überhaupt mit ihnen los ist“, erklärt Steinbrink. Anschließend geht es darum, zu lernen, wie man mit negativen Gefühls- und Stresszuständen umgeht. Dies geht in der Regel auch mit einer Reduktion von Problemverhalten, wie Selbstverletzungen oder Alkoholmissbrauch, einher, falls die Patient*innen traumabedingt ein solches Verhalten entwickelt haben. Erst im dritten Teil beginnt die eigentliche Behandlung des Traumas, welche unter anderem aus einem Traumabericht besteht, der zusammen mit der Therapeutin erarbeitet wird und dabei helfen soll, die Erinnerungen zu verarbeiten.

Corona verschlechtert die Lage

Seit der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach einem Therapieangebot gestiegen. „Das geht allen Psychotherapeut*innen und psychotherapeutischen Ambulanzen so”, erklärt Steinbrink

Durch die Pandemie hat sich nicht nur die Lage von Gewaltopfern, sondern generell von Menschen, die psychisch belastet sind, verschlechtert. Der Grund liegt vor allem in dem dadurch erschwerten Zugang zu Aktivitäten, die einen Ausgleich fördern, positive Emotionen hervorrufen und stabilisieren können.

Der Start einer Traumatherapie braucht viel Überwindung und Mut, aber er bringt den Menschen viel Lebensqualität zurück. Steinbrink rät allen Gewaltopfern, die bis jetzt nicht den Mut hatten über ihre Erfahrungen zu sprechen, den Versuch einer Therapie zu wagen: „Auch wenn es Ihnen jetzt kaum vorstellbar erscheint, es kann Ihnen wieder viel besser gehen. Das ist das, was wir bei vielen Patient*innen miterleben dürfen.“

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