Vorlesungssaal war gestern

Seit wenigen Tagen sind sie wieder möglich: Uni-Veranstaltungen in Präsenz. Doch nach wie vor gibt es viele Einschränkungen. Marie Blickensdörfer hat sich gefragt, wo Vorlesungen in Berlin coronakonform stattfinden könnten.

Das Tempelhofer Feld bietet reichlich Platz für Vorlesungen. Bild: unsplash.com

Inspiration war eine als Protestaktion geplante Vorlesung Mitte Mai auf dem Tempelhofer Feld. Manches hat sich seitdem verändert, doch die Vorteile von Räumen im Freien gegenüber klassischen Hörsälen bleiben erhalten. Abgesehen vom angenehmeren Ambiente bieten Frischluft-Räume, was Corona betrifft, mehr Sicherheit. Vorlesungen mit hohen Teilnehmer*innenzahlen könnten also bald wieder möglich sein. Ziemlich genau dann, wenn Günther M. Ziegler diesen Artikel liest und die Brillanz der Vorschläge erkennt.

Auf zu geistigen Höhenflügen

Das Tempelhofer Feld ist mit seiner großen Fläche an der frischen Luft einer der offensichtlich coronakonformen Orte. Doch auch der Görli überzeugt mit ausreichend Raum und bietet zugleich einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem alten Flughafengelände. Die Lage inmitten von Friedrichshain-Neukölln ist deutlich zentraler und eröffnet die Möglichkeit sich gleich nach der  Vorlesung in einem der süßen Cafés oder Bars mit Freund*innen zu treffen. Man muss sich also nicht mehr zwischen Quality-time mit Friends oder Quality-time mit dem*der Professor*in entscheiden.

Effizient: 2in1 – Demo und Vorlesung 

Legt man auf den Protestcharakter der Vorlesung Wert, macht es Sinn, die Aktion genau dorthin zu verlagern, wo politische Entscheidungen getroffen werden. Im Regierungsviertel befindet sich vor dem Reichstagsgebäude eine weite Ebene, auf der Stühle für eine Vorlesung platziert werden können. Allerdings könnte hier wiederum der organisatorische Aufwand problematisch werden. Man müsste eine Demonstration anmelden, um nicht in eine Diskussion mit den zwei – den Reichstag bewachenden – Polizist*innen zu geraten. Zudem besteht das Risiko, für Befürwortende der Querdenker*innen Bewegung gehalten zu werden, die dort eine Mahnwache installiert haben.

Wer könnte dieser Aussicht widerstehen?

Diejenigen, die weniger gerne demonstrieren, können sich für eine Vorlesung an einem anderen Ort einsetzen. Zum Beispiel auf dem Teufelsberg. Abgesehen von einer einzigartigen Location können die dort vorhandenen Ressourcen optimal genutzt werden. Sollte sich vor den alten Gebäuden nicht genug Platz finden oder die Stimme der Dozent*innen nicht bei allen ankommen, können die Sendeanlagen genutzt werden. Mit etwas Bastlergeschick können die zerrissenen Planen wieder zusammengefügt und der Ton über die ganze Ebene verteilt werden.

Spitzenreiter im Präventivbereich

Trotz frischer Luft kann eine Übertragung des Coronavirus nicht ganz ausgeschlossen werden. Umarmungen und andere körperlichen Liebesbekundungen müssen leider unterlassen werden, denn der altbekannte Spruch  „Liebe kennt keine Aerosole” ist in diesem Fall nicht zutreffend. Falls es trotz den Vorsichtsmaßnahmen zu einem Superspreader-Event kommen sollte, kann die Insel Schwanenwerder gleich doppelt punkten. Neben der schönen Aussicht während einer Vorlesung besitzt Schwanenwerder die besten Voraussetzungen um dort nach der Vorlesung eine 14-tägige Quarantäne zu verbringen. Denn eine Insel lässt sich leicht abriegeln und über eine schmale Straße mit Essen versorgen.

Die Notlösung

Sollte die Durchsetzung dieser Vorschläge aufgrund einer zu hohen Teilnehmer*innenzahl doch nicht möglich sein, lässt sich noch immer auf einen beliebigen Park in Spandau zurückgreifen. Hier ist das Risiko, dass zu viele Studierende vor Ort sind, eher gering. Vielleicht können einige dieser Orte in Betracht gezogen werden, aber vielleicht ergeben sich auch andere Möglichkeiten, sich im Uni-Kontext real zu sehen. Vor allem kleinere Veranstaltungen lassen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und hoffen, dass man sich bald auch wieder live gegenüberstehen kann.

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