Furios verreist: Von Kühen, Brot und Wein

Vor dem 50. Spaziergang um den immer selben Block ist Anna Schönenbach dieses Frühjahr geflüchtet. Schöne Wanderwege, magische Wälder und leckeres Essen  bietet die portugiesische Insel Madeira allen Rastlosen.

Die Landschaft Madeiras lädt oft zum Traumen ein. Bild: Anna Schönenbach

In der Ferienserie „FURIOS verreist“ berichten Autor*innen von ihren Erlebnissen unterwegs.

Die Kombination von grauem Berliner Frühlingshimmel und endlos eintönigem Online-Uni-Alltag trieben drei Freunde und mich (sowie fast alle Studierende) im Mai in den schieren Wahnsinn. Also fassten wir den Entschluss aus der tristen Routine auszubrechen und dahin zu gehen, wo der Frühling am schönsten sein soll – der Frühlingsinsel Madeira. Unsere Wahl fiel auf die portugiesische Insel, da es die Kriterien –  sonnig, preiswert und möglichst coronafrei – erfüllte. Nie hätten wir gedacht, dass der Ort so viel mehr zu bieten hat.

Nachdem Untermieter*innen, sowie Airbnb gefunden und Urlaub beantragt waren, konnte es losgehen. Auf zu dem Ort, der für die nächsten sechs Wochen unser Zuhause sein sollte. Madeira, seit 1976 eine autonome Region Portugals, liegt auf Höhe Marokkos vor der Westküste Afrikas im Atlantik und weist dementsprechend ganzjährig angenehme Temperaturen von 19 bis 26 °C auf. (Dennoch rate ich jedem bei Höhenwanderungen eine Jacke mitzunehmen.) Für nette Temperaturen und Meer hätte man jedoch auch auf dem Festland bleiben können. Was Madeira ausmacht, ist die unglaubliche Natur und darum wurde jede vorlesungs- und seminarfreie Minute genutzt, um die Insel zu bewandern.

Levada rauf, Levada runter

Von Pfaden entlang Felsenküsten über hohe Passwanderungen bis zu Jungelwegen durch subtropische Wälder kann jede*r die Szenerie finden, mit welcher er*sie sich am wohlsten fühlt. Oft wird man von künstlichen Wasserläufen begleitet, die sich in einem langen Netz über die gesamte Insel ziehen und zur Bewirtschaftung der Felder in wasserarmen Regionen dienen. Entlang dieser „Levadas” sind wir zahlreiche Male gewandert. Die Levada-Hikes haben den Vorteil, dass man schwer vom Weg abkommen kann, was uns bei einer Wanderung durch den Feenwald in Fanal dann doch passiert ist. Der riesige Lorbeerbaumwald befindet sich auf über 1000m Höhe und ist durchzogen von den dichtesten Nebelschwaden, die ich je gesehen habe. Zusammen mit den bemoosten, teils Jahrhunderte alten krummen Bäumen fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Verträumt durch die Gegend zu laufen konnten wir uns trotz allem nicht leisten. Die Offline-Karten gezückt haben wir versucht auf dem Weg zu bleiben und mussten diesen nicht nur einmal verlassen, weil in zwei Meter Entfernung plötzlich eine Kuhherde aus dem Nebel auftauchte. Der bekannteste Weg der Insel, den man auf keinen Fall auslassen darf, ist der Weg vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo über den Pico des Torres und zurück. Die Passwanderung über die höchsten Berge Madeiras führt über viele Treppen, durch einige Tunnel und endet mit Ausblick über die gesamte Insel hat. Selbst nur für den Sonnenuntergang zur Plattform des Arieiro hochzufahren, lohnt sich.

Der madeirische Döner

Essenstechnisch haben es Vegetarier*innen und Veganer*innen leider nicht leicht auf Madeira. Daher haben wir uns mit einer der drei traditionellen Suppen (Tomaten-, Weizen- oder Brotsuppe) und dem „Nationalsnack” Bolo de Caco begnügt. Wer sich in Berlin nach ein paar Bieren zu viel einen Döner holt, kann den gleichen befriedigenden Effekt verspüren, wie wenn er*sie auf einen Poncha-Shot zu viel ein frisches Bolo verspeist. Die Stände gibt es überall und die auf heißen Steinplatten gebackenen, dick mit Knoblauchbutter bestrichenen Weißbrote sind sehr lecker. Wenn wir Pause vom Wandern und Essen brauchten, haben wir uns auch ans Meer gelegt.  Ich würde allen Strandurlauber*innen trotzdem von Madeira abraten, weil die Insel mit vergleichsweise wenigen Sandstränden bestückt ist. Dafür gibt es tolle natürliche Felsenpools (Porto Moniz und Seixal), schöne Örtchen zum Entlangschlendern und massenweise Aussichtspunkte zum „Sonnenunterganggucken” – natürlich immer mit einem Bolo in der einen und einem Madeirawein in der anderen Hand.

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