FURIOS fantasiert: Endlich wieder gemeinsam schlemmen

Genuss ist zu Hause nur begrenzt erlebbar. Und dann oft nur allein. Zeit, das nachzuholen. Lisa Hölzke fantasiert von einer Zukunft, in der Büffets wieder eröffnet werden.

Vieles war uns wegen der Corona-Pandemie verwehrt – auch Büffets. Foto: Ulysse Pointcheval, unsplash.com

In der Ferienserie „FURIOS fantasiert” erlauben sich unsere Autor*innen eine kleine Träumerei.

Jedes Mal, wenn ich durch meinen Kiez wandere, begegnen mir unweigerlich Corona-Hinweisschilder an Apotheken, Geschäften, Bars und – besonders schmerzlich – Restaurants. Vor allem eines muss ich immer wieder lesen: „Aufgrund aktueller Situation kein Büffet“.

Wo einst die gesamte Kiezbevölkerung am Wochenende zum Frühstücksbüffet strömte, steht man nun vor verschlossenen Türen. Egal ob mit den Eltern, die zu Besuch sind und beschäftigt werden wollen, mit Freunden oder allein verkatert Sonntagmittag: Der Lieblingsbüffetbesuch muss ausbleiben. Erst gegen Abend öffnet das Restaurant seine Pforten für verzweifelte Büfettersatzsuchende, die sich mit à la carte zufriedengeben müssen.

Die grenzenlose Freiheit

Was war das nur für eine Zeit, in der wir uns ignorant gegenüber Hygiene(konzepten) durch die Neu-Berliner Kulinarik geschlemmt haben: Hummus, Couscous, vegane Aufstriche, nicht so veganes Rührei mit Speck. Keine festgelegte Reihenfolge, nur die eigene Kreativität der Kombination: süß, deftig, süß, kalt, warm, kalt.

Das war wohl diese sogenannte Freiheit, nach der sich doch alle so sehr sehnen. Jede*r kann so lange bleiben, wie er*sie will. Es ist kein Ende in Sicht, denn die Gerichte werden immer wieder wie von Zauberhand aufgefüllt. Die Grenzen sind nur durch den eigenen Kalorienhaushalt gesetzt. Alle Geschmacksrezeptoren der Zunge können angeregt werden, sogar gleichzeitig. Abstände gibt es nur noch zwischen den Gängen zum Büffet.

Ein Mikrokosmos der Gesellschaft

Man kann sich kaum vorstellen, wieder vor dem Büffettisch zu stehen und diese Regelbefreiung zu erleben. Aus der 3G- und 2G-Regel wird hier 1G – nur noch der Genuss zählt. Am Büffet werden wir nach der langen Eintönigkeit in den eigenen vier Küchenwänden, wo – sind wir mal ehrlich – meist nicht mehr als Nudeln konsumiert wurden, wieder eine Vielfalt erleben. Sinnliche Erfahrungen, die uns während dieser langen Zeit fehlten.

Doch einfach wird das nicht. Das Büffet wird eine soziale Herausforderung sein, welche es zu meistern gelten wird. Wer mit anderen von einer Tafel essen will, muss sich wieder in die Gesellschaft eingliedern. Schlange stehen, vor dem Toaster oder Speisenwärmer anhalten und den Weg blockieren, vordrängeln, sich die letzte gefüllte Paprika schnappen. Die Toleranz, mit der alle zufrieden die Tafel entlanggehen können, ohne wutentbrannt den Vordermann zu verfluchen, muss erst einmal wiedergefunden werden.

Vor dem Büffettisch sind wir alle gleich

Je nach Einrichtung wird man dabei wieder mit dem Querschnitt der Bevölkerung konfrontiert. Studierende, Familien mit Kleinkindern, Seniorengruppen, Alleingänger: Die Sehnsucht nach dem Büffet kennt keine sozialen Kategorien. Die Essensauswahl ist für jeden gleich, die Teller alle gleich groß. Das Büffet gibt uns die Chance, uns zu einen.

Die Lockdowns überstanden zu haben und sich wieder an einen fremden Tisch setzen zu dürfen, um bekocht zu werden, war ein erster großer Glücksmoment. Nicht auszumalen, wie dieser potenziert wird, wenn wir uns wieder vom zugewiesenen Tisch erheben und gemeinsam mit den uns umgebenden Genusssuchenden zur Tafel schreiten dürfen. Es wird ein feierliches Bankett.

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