Machtkampf im FU-Präsidium: Massive Kritik am Alleingang von Kanzlerin Bör

Wenige Monate vor der Präsident*innenwahl stürzt ein Machtkampf zwischen Unipräsident Ziegler und Kanzlerin Bör die FU in die Krise. Nun wurde bekannt, dass Bör im Alleingang eine Personalagentur beauftragte, eine*n Gegenkandidat*in für Ziegler zu finden. Das löst harsche Kritik bis in die Landespolitik aus. Valentin Petri berichtet.

Hier wird es in den nächsten Wochen spannend: Das Präsidiumsgebäude in der Kaiserwerther Straße Bild: FURIOS Archiv

Die Vertrauenskrise innerhalb der Universitätsleitung hat sich im Zuge der anstehenden Unipräsident*innenwahlen verschärft. Das Verhältnis zwischen FU-Präsident Günter Ziegler und Kanzlerin Andrea Bör gilt ohnehin bereits als zerrüttet. Am Dienstag (19.10.) berichtete nun der Tagesspiegel, dass Bör ohne Rücksprache mit dem Präsidium oder anderen relevanten Entscheidungsgremien eine Personalagentur mit der Suche nach Kandidat*innen beauftragt haben soll, die bei den Präsident*innenwahlen im Februar 2022 gegen Ziegler antreten könnten.

Reaktionen aus der Landespolitik 

Der Auftrag an die Personalagentur ist wohl inzwischen zurückgezogen, der Vorfall schlug nach Bekanntwerden dennoch hohe Wellen. Der AStA bekräftigte seine bestehende Forderung nach Börs Rücktritt und verwies auf eine Reihe vergangener Vorfälle, für die die Kanzlerin als Chefin der Universitätsverwaltung verantwortlich gemacht wird. Auch die Berliner Politik meldete sich zu Wort. Adrian Grasse, forschungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, sprach gar von einem „Putschversuch“ und ließ verlauten, dass der Rücktritt Börs unausweichlich sei. Am Freitagnachmittag (22.10.) äußerte sich schließlich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zu den Vorkommnissen an der FU und bezeichnete Börs Alleingang als „inakzeptabel“. Gegenüber dem Tagesspiegel bestätigte er, dass bei der Senatskanzlei für Wissenschaft eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Kanzlerin eingegangen sei, die derzeit geprüft werde.

Bör wohl von einigen Professor*innen gedrängt

Der Akademische Senat (AS) kam am Mittwoch (20.10.) für eine außerordentliche Sitzung zusammen, um die Vorgänge unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu diskutieren. Hier soll Bör dem Vernehmen nach hinsichtlich ihres Alleingangs Fehlverhalten eingestanden haben. Auch ein brisantes Detail kam in der Sitzung zur Sprache: Nach Informationen des Tagesspiegels, erklärte Bör, dass sie von Professor*innen der Vereinten Mitte, Zieglers eigener Liste, dazu gedrängt wurde, eine Agentur mit der Suche nach Gegenkandidat*innen zu beauftragen.

Dieser Umstand wirft ein Schlaglicht auf die unsichere Position des Unipräsidenten. Gerade das Zerwürfnis mit Bör, das die ganze Uni lähmen soll, hat Ziegler hochschulpolitisch geschwächt und ihm Zuspruch innerhalb des AS gekostet. Schon vor einiger Zeit wurde bekannt, dass Ziegler die Unterstützung seiner eigenen Liste Vereinte Mitte, die mit 9 von 13 Sitzen die große Mehrheit der Professor*innen im AS stellt, nicht mehr sicher ist. Ob Ziegler die für seine Wiederwahl notwendige Mehrheit im AS erhalten wird, ist also unklar. Dennoch hat sich bislang niemand aus den Reihen der Professor*innen (öffentlich) dazu bereit erklärt, gegen den Amtsinhaber zu kandieren. Gleichzeitig herrscht großer Zeitdruck, denn die Bewerbungsfrist endet am 29. Oktober.

Unzufriedenheit mit dem Wahlverfahren

Nach Einschätzung einiger AS-Mitglieder gegenüber FURIOS und dem Tagesspiegel geht FU-Präsident Ziegler gestärkt aus der zurückliegenden Sitzung hervor. Zum Rücktritt Börs kam es nicht. Auch ein Abwahlantrag der studentischen Vertreter*innen wurde nach Informationen des Tagesspiegels abgelehnt. Allerdings beschloss der AS in der Causa Bör Akteneinsicht und setzte eine Kommission zur Aufarbeitung der Vorkommnisse ein. In den nach außen gedrungenen Äußerungen einiger AS-Mitglieder aus der Sitzung am Mittwoch wurde insgesamt eine große Unzufriedenheit mit dem Verfahren für die Präsidiumswahl deutlich. Zur Sprache kam auch eine mögliche Verschiebung des Wahltermins im Februar. Eine genauere Klärung des Wahlverfahrens wird aller Voraussicht nach Gegenstand der nächsten regulären AS-Sitzung am kommenden Mittwoch sein.

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