”They can’t all be liars, can they?”

Unzählige Zeug*innen haben das Monster bereits gesehen, doch was lebt wirklich in Loch Ness? Das versucht David C. Cooke in seinem Buch The great monster hunt: the story of the loch ness investigation herauszufinden. Gesine Wolf hat für euch reingelesen und berichtet in einer neuen Folge unseres Bücherbingos.

Es wird oft von Buckeln auf der Wasseroberfläche berichtet. Ganz dezent zieren diese das Buchcover. Foto/Montage: FURIOS Wissenschaft.

Du denkst, in den Bibliotheken der FU gibt es nur Fachbücher und Lexika? Tja, falsch gedacht! Es scheint auch einige seltsame Ausnahmen zu geben, die so wirken, als hätte jemand sein Bücherregal ausgemistet und schnell mal was in der Bibliothek verschwinden lassen. Und so kann es passieren, dass du plötzlich ein Buch liest mit dem Titel The great monster hunt: the story of the loch ness investigation

In dem alten Schinken von 1969 erzählt der Amerikaner David C. Cooke von seiner Reise in den Norden Schottlands zum Loch Ness, dem zweitgrößten See Schottlands. Dort versuchte er herauszufinden, ob es das Monster von Loch Ness, liebevoll Nessie genannt, wirklich gibt. In Begleitung seiner Frau Ivonne interviewte er einige dutzend Menschen, die behaupteten, das Ungeheuer gesehen zu haben. Auch er selbst begibt sich auf die Suche nach dem Monster. Was am Anfang eigentlich noch ganz spannend klang, stellte sich jedoch schnell als monotones Wiedergeben von verschiedenen Sichtungen des Monsters heraus.

Viele Ungereimtheiten

Die Zeug*innen berichteten eigentlich immer von einem oder mehreren Buckeln, die kurz über der Wasseroberfläche sichtbar waren, aber schnell wieder verschwanden. Seltener hat tatsächlich jemand den Kopf des Ungeheuers gesehen – Nessie ist wohl eher von der schüchternen Sorte. 

Zwei Geschichten sind aber doch etwas ausgefallener: In der einen habe ein junger Mann sein neues Speedboot auf dem See testen wollen – er kenterte und ertrank. Grund dafür sollen Wellen gewesen sein, die plötzlich vor dem Boot auftauchten. Im Volksmund heißt es, Nessie habe diese Wellen erzeugt. In der zweiten Geschichte erzählt ein Zeuge, er habe plötzlich ein starkes Gefühl verspürt, an den See zu gehen. Dort habe er – wie aus dem Nichts – schließlich das Monster gesehen.

Theorien und Mythen

Cooke und seine Frau schienen aber nicht die einzigen zu sein, die mit vollem Ernst beweisen wollten, dass es das Ungeheuer wirklich gibt. Freiwillige der Initiative The Loch Ness Phenomena Investigation Bureau versuchten ebenfalls ein Foto des Monsters zu schießen. Spenden ermöglichten den Einsatz von modernen Kameras – so modern wie Kameras in den 60ern eben waren – mit denen sie rund um den See verteilt waren und stets aufmerksam alles beobachteten. So richtig rumgekommen ist dabei aber nichts.

Im Buch folgen dann verschiedenste Mythen, die bis 500 v.Chr. zurückreichen, Theorien über Art und Eigenschaften des Monsters und jede Menge Interviews, die sich sehr ähneln. So habe man zum Beispiel vermutet, es handle sich um eine Art Wasserschlange, da häufig mehrere Buckel und (wenn auch seltener) ein langer Hals mit kleinem Kopf beobachtet worden sei. Die unglaublich große Anzahl an Zeug*innen gibt mir kurz das Gefühl, es könnte das Monster wirklich geben. 

Wer sich jedoch über das Buch hinaus mit dem Fall Loch Ness beschäftigt, findet durchaus auch logische Erklärungen, die die Existenz von Nessie widerlegen. Wissenschaftler*innen ordnen die Sichtungen als Fehlinterpretationen ein, etwa von Robben, Vögeln, Fischen oder Lichtspiegelungen. Eine weitere wissenschaftliche Erklärung für die angebliche Sichtung sind sogenannte Seiches – stehende Wellen –, die so aussehen, als würde etwas unter der Wasseroberfläche schwimmen.

Eine Empfehlung?

Leider fehlen in dem Buch jegliche kritische Perspektiven. Ziemlich skeptisch machte mich die Tatsache, dass nur eine Person den Kopf des Monsters gesehen haben will. Cooke redete außerdem mit niemandem, der*die die Position vertrat, Nessie sei nur ein Mythos. Ansonsten lesen sich die 108 Seiten sehr monoton und langatmig. Dabei hat nicht einmal die angebliche Sichtung des Autors, bei der er sich selbst unsicher war, für Spannung gesorgt. Das Buch gehört wahrscheinlich nicht zu den Goldschätzen der Bibliotheken, aber mit einer Prise Ironie hat das Lesen doch Spaß gemacht. Und wer weiß, vielleicht sind sie nicht alle Lügner*innen.

Autor*in

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