Furios fragt sich: Womit lenken sich Studierende von ihren Online-Vorlesungen ab?

Ich höre ja noch zu”, reden wir uns ein, wenn wir neben einer Vorlesung mit anderen Aktivitäten prokrastinieren. Unsere Autorin fragt sich, womit sich Studierende am liebsten ablenken.

In Online-Vorlesungen fällt es besonders schwer aufmerksam zuzuhören. Foto: Pexels.

In der Ferienserie „Furios fragt sich” stellen sich Autor*innen die kleinen und großen Fragen des Lebens.

Wer behauptet, bei Online-Vorlesungen immer aktiv zuzuhören und sich Notizen zu machen, ist entweder ein*e Lügner*in oder gehört zu den wenigen, die das tatsächlich tun. Für die anderen sind Online-Vorlesungen die perfekte Gelegenheit, nebenbei weitere Dinge zu erledigen: Niemand hört dich, niemand sieht dich und die Vorlesung ist der perfekte Podcast für nebenbei. Natürlich wissen wir alle, dass die Vorlesung im schlimmsten Fall klausurrelevant ist, aber die Verlockung zur Ablenkung ist leider viel zu groß. Doch womit lenken sich Studierende von ihren Vorlesungen ab? Ich habe im privaten Kreis nachgefragt.

Nur ganz schnell den Abwasch machen

Die Spannweite der Prokrastination ist groß: Von Haushaltsaufgaben über Social Media bis hin zum Verfolgen der eigenen Hobbys ist vieles dabei. Manchmal wirken lästige Aufgaben plötzlich viel attraktiver als die Vorlesung und erledigen sich auf einmal ganz schnell nebenbei – einfach den Laptop in die Küche stellen und das Geschirr abwaschen oder schon mal das Mittagessen kochen. Etwas nervig sind dabei die Ölspritzer, die auf dem Laptop landen, wenn er zu dicht an der heißen Pfanne steht. Nach dem Kochen lassen sich das Mittagessen und eine Tasse Kaffee perfekt neben der Vorlesung genießen. 

Beliebt sind auch alle möglichen anderen Aufgaben im Haushalt wie Wäsche falten, putzen und aufräumen. Dann werden liebevoll die Pflanzen bemuttert: gießen, umtopfen, trockene Blätter abschneiden. Die Vorlesung bietet außerdem eine gute Gelegenheit, das Zimmer zu dekorieren, ein paar neue Bilder an die Wand zu hängen oder den Kleiderschrank mal in eine andere Ecke des Raumes zu rücken. Die guten alten Home-Workouts, die seit Beginn der Pandemie ihr großes Comeback feiern, sind natürlich auch beliebt. Dabei kommen die Schweißperlen auf der Stirn nicht nur vom Sport, sondern auch von der Angst, aus Versehen das Mikro nicht ausgeschaltet zu haben.

Hey, weißt du worum es gerade geht?”

Wer es aber schafft, tatsächlich am Schreibtisch zu bleiben, plant schon einmal die nächsten Tage, lästert mit Freund*innen darüber, wie langweilig das Thema ist oder scrollt durch Social Media. An schlechten Tagen, wenn man daran zweifelt, dass die Inhalte der Vorlesung irgendwann im Leben noch einmal relevant sein könnten, wird schnell gegoogelt, welche Jobs mit dem eigenen Studiengang später in Frage kommen. Ob das für bessere Laune sorgt, bleibt aber offen. 

Deutlich mehr Spaß macht es zu stricken, sich die Nägel zu feilen oder zu zeichnen. Für Letzteres bieten die wenigen Kommiliton*innen, die die Kamera eingeschaltet haben, die perfekten Motive. Sehr gefährlich ist es, die Vorlesung im Bett zu verfolgen. Erstens ist es eine Illusion, so aufmerksam zuzuhören und zweitens ist die Gefahr viel zu groß, dass die Augen plötzlich wieder zufallen. Dann kann man sich nicht mehr mit Multitasking rausreden und sagen, dass man ja auch sicher immer zuhört. 

Vielleicht hat sich jemand bei dem ein oder anderen Ablenkungsmanöver wiedererkannt. Ich glaube, wir müssen doch alle zugeben, dass unsere Aufmerksamkeit nicht immer hundertprozentig auf unseren Vorlesungen liegt. Ein Lichtblick ist das kommende Sommersemester, in dem wir vielleicht wieder in Präsenz an die Uni dürfen und dadurch weniger Ablenkungsmöglichkeiten um uns herum haben.

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