„Ich glaube, dass mein Name negativ konnotiert ist”

Was, wenn dein eigener Name bei der Wohnungssuche zum Verhängnis wird? Hutham musste genau das erleben. Im Gespräch mit Clara Baldus berichtet sie über ihre Diskriminierungserfahrungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt.

Die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist umkämpft. Durch rassistische Vorurteile wird die Wohnungssuche einigen noch zusätzlich erschwert. Illustration: Luis Dams

Ich heiße Hutham*, bin 23 Jahre alt und im Oktober 2018 aus meiner Heimatstadt Jever nach Berlin gezogen. Seitdem studiere ich Geschichte und Kultur des vorderen Orients und Arabistik an der Freien Universität.

Ich habe in Berlin von Null gestartet. Die Wohnungssuche war total ätzend und hat mich extrem gestresst. Ich habe etliche Bewerbungen verschickt, nie eine Antwort bekommen und wenn doch, war es eine Absage, aber meistens nicht mal das. Grob geschätzt habe ich auf die 60 Bewerbungen, die ich in einem Zeitraum von anderthalb Monaten verschickt habe, nur in zehn Prozent der Fälle eine Einladung  erhalten. Bei den Besichtigungen selbst war die Konkurrenz immens. Es waren immer Menschen dabei, die auf dem Papier besser aussahen als ich – sowohl finanziell als auch was den Namen angeht.

Mein voller Name lautet Hutham Miriam Hussein. Den Zweitnamen gaben mir meine Eltern, da sie bei meiner Anmeldung in der Behörde aufgefordert wurden, mir einen Namen zu geben, bei dem auch deutschsprachige Menschen verstehen, ob ich männlich oder weiblich bin. Um Verwirrungen über mein Geschlecht zu vermeiden, gebe ich bei offiziellen Angelegenheiten daher immer meinen Zweitnamen mit an. So auch bei Wohnungsbewerbungen.Trotzdem habe ich sehr oft E-Mails zurückbekommen, die mit „Herr Hussein“ begonnen haben. Vielleicht wären meine Chancen besser gewesen, hätten die Vermieter*innen und Makler*innen verstanden, dass ich eine Frau bin. Auf der anderen Seite gab es wahrscheinlich auch Vorurteile gegen mich als Frau mit arabischen Wurzeln. Dabei hätten sie in meinen Bewerbungsunterlagen eigentlich sehen müssen, dass ich deutsche Staatsbürgerin bin. 

Der Andrang bei Wohnungsbesichtigungen ist oft groß. Illustration: Luis Dams

Ich habe das Gefühl, die Menschen sehen nur meinen Namen und gehen dann direkt davon aus, dass ich ein ausländischer Mann bin. Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen, aber ich glaube, dass mein Name negativ konnotiert ist und meine Chancen auf dem Wohnungsmarkt gering hält. Direkt rassistisch angefeindet wurde ich nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass einige gerade gegenüber einem jungen arabischen Mann, für den ich gehalten wurde, Vorurteile haben und Berührungspunkte vermeiden. Ich glaube, insbesondere als im Zuge der Fluchtbewegung 2015/16 viele Menschen aufgrund von Krieg aus dem arabischen Raum nach Deutschland kamen, sind gewisse Vorurteile wieder hochgekommen und sitzen seitdem in den Köpfen einiger Menschen fest. Aus eigener Erfahrung und von Menschen um mich herum, die auch einen Migrationshintergrund haben, weiß ich, dass es sich auf jeden Fall schwieriger gestaltet, als wenn man – pauschal gesagt – Lisa Müller heißt.

Welche Vorurteile die Menschen auf dem Wohnungsmarkt genau haben, weiß ich  nicht und mir fällt es schwer, das zu formulieren, weil ich selbst Vorurteile vermeiden will. Was ich mir vorstellen könnte, ist, dass die Vermieter*innen Angst haben, dass man nicht zahlungsfähig ist, dass man laut ist, die Wohnung verwahrlosen oder illegal noch jemanden bei sich wohnen lässt.

Mit meinem jetzigen Vermieter habe ich Glück gehabt. Er ist ein sehr weltoffener Mensch, der auch schon in Palästina und Jordanien, wo meine Wurzeln liegen, unterwegs war. In diesem Fall war das kein Faktor, der gegen mich gesprochen hat, sondern durch die persönliche Verbindung sogar ein Vorteil. Es kommt immer krass drauf an, welche Menschen bei einer Wohnungsvermietung am Hebel sitzen. Ich glaube, es ist immer einfacher, wenn man einen Menschen persönlich kennenlernt, als wenn man ihn nur auf dem Papier sieht und sich im Kopf ein Bild zusammenspinnt. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt ist ein strukturelles Problem, das nur durch gesellschaftliche Entwicklung gelöst werden kann.


*Anm. d. Red.: Hutham ist Teil der Redaktion, war an diesem Artikel jedoch nicht redaktionell beteiligt.

Hier gelangst du zu einem zweiten Interview, indem der 31-jährige geflüchtete Syrer Salam von seinen Diskriminierungserfahrungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt erzählt.

Autor*in

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.