Ein Europa – mit Studierenden?

Una Europa – ein Europa, das versucht die FU mit acht anderen Universitäten in einer europäischen Hochschulallianz zu verwirklichen. Lena Rückerl hat nachgefragt, wie Studierende an dem Projekt beteiligt sind.

Insgesamt acht europäische Universitäten haben sich zur Hochschulallianz Una Europa zusammen geschlossen. Illustration: Laura von Welczeck.

Gemeinsam mit Universitäten aus Paris, Bologna, Edinburgh, Krakau, Madrid, Löwen und Helsinki bildet die FU seit 2019 die europäische Hochschulallianz Una Europa. Gefördert wird diese von der „European Universities Initiative” der EU. Neben dem Austausch und der Zusammenarbeit in Forschung und Lehre sollen verschiedene Projekte verwirklicht werden wie zum Beispiel gemeinsame Joint-Studiengänge. Die Studierenden Felix Hoffmann und Nicole Sherstyuk engagieren sich in dem Projekt.

Kleines Una Europa-Lexikon
Student Board: Institutionalisierte Studierendenvertretung innerhalb Una Europa. Es setzt sich aus jeweils zwei Vertreter*innen von jeder der Partneruniversitäten zusammen. Wie die Vertreter*innen bestimmt werden, ist abhängig von der Universität. An der FU machen die im Akademischen Senat mit Listen vertretenen Studierendenvertreter*innen unter sich aus, wer die Student Board Plätze besetzt.
Local Task Force: Task Force, die es an jeder Una Europa-Universität gibt, mit denjenigen Studierenden, die am Projekt mitarbeiten wollen, aber nicht direkt gewählt sind. Dort können verschiedene Projekte initiiert und umgesetzt werden, für die es von Una Europa auch finanzielle Förderung gibt. Die Task Force organisiert zum Beispiel studentische Projekte wie den Student Congress, bei dem sich die Studierendenvertreter*innen der Una Europa-Universitäten einmal pro Semester treffen, um sich auszutauschen und über aktuelle Themen zu diskutieren. 
General Task Force: Task Force, in der universitätsübergreifend studentisches Engagement der Una Europa-Universitäten gebündelt, organisiert und koordiniert wird.
Una Day: Vertreter*innen aller Statusgruppen aller Universitäten treffen sich einmal pro Semester zum Una Day, um sich über den Stand des Projektes auszutauschen. 
Hackathon: Unter Vorgabe einer Frist von wenigen Wochen entwickeln Gruppen von Studierenden eine Policy zu einer Problematik innerhalb eines bestimmten Themas. Die Gruppen setzen sich aus jeweils einer*m Studierender*m pro Universität unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen.

FURIOS: Wer seid ihr und was macht ihr bei Una Europa?

Nicole: Ich bin im 7. Semester; studiere Politikwissenschaften, habe jetzt letzte Woche meine Bachelorarbeit abgegeben und bin erst seit dem letzten Sommer bei Una Europa dabei. Es gab so einen Hackathon, bei dem man gemeinsam mit anderen Studierenden eine Policy entwickelt hat, und da habe ich das Projekt kennengelernt. Danach habe ich Felix bei einem Kongress kennengelernt und seitdem bin ich in der Local Taskforce und schnuppere so ein bisschen rein und mache hier und da was. 

Felix: Ich bin jetzt im 10. Semester Jura und mit Una Europa über den Akademischen Senat in Kontakt gekommen. Damals, im Februar 2020, war da das erste Kick-Off-Meeting, da saß ich im konstituierenden Student Board, der studentischen Vertretung innerhalb der Hochschulallianz, und bin bis jetzt begleitend dabei gewesen. In diesem Semester bin ich wieder ein Teil des Student Boards, wobei wir dieses Mal zwei Repräsentant*innen pro Universität sind, und koordiniere nebenher auch noch die Task Force.

Was ist diese Task Force und was sind dort eure Aufgaben?

Felix: Also es gibt einmal das Student Board und dann wurden an jeder Universität Task Forces etabliert, weil im Student Board eben immer nur ein oder zwei Personen sitzen, die gewählt sind. Die Task Force besteht aus Leuten, die an dem Projekt interessiert sind und mitarbeiten wollen, aber nicht direkt gewählt sind. Bisher ist man eher durch das Hören-Sagen reingekommen, z.B. den Hackathon oder andere Aktionen wie International Week oder jetzt den Student Congress. Wir versuchen gerade Projekte zu etablieren, Aufgaben zu verteilen, die Task Force zu strukturieren, um eine Struktur zu schaffen, damit mehr Studierende an Una Europa an der FU teilnehmen können.

Nicole: Die Aufgabe, die ich jetzt mit anderen Studierenden von den acht Universitäten übernommen habe, ist es eine Broschüre zu gestalten, um das Projekt vorzustellen, damit Interessierte, sich informieren und dann auch bei der Task Force mitmachen können. Es gibt eine Vielzahl an Projekten. Wir treffen uns eben in regelmäßigen Abständen, wo man dann auch selber einen Input geben kann, was man gerne sehen würde.

Ihr meintet ja eben schon, dass sehr viele Menschen nur durch Hören-Sagen zu Una Europa kommen und ich habe auch das Gefühl, dass viele an der FU nicht wissen, was Una Europa überhaupt ist, geschweige denn, dass Studierende da ein Teil davon sein können. Wie wollt ihr das ändern?

Felix: Ja, das haben wir auch erkannt, deshalb war jetzt der erste Schritt die Vertreter*innen pro Universität im Student Board von eins auf zwei zu erhöhen. Im ersten Semester war es so, dass acht Studierende die 400 000 Studierenden der Universitäten vertreten haben und es war schon sehr viel an den ganzen Treffen teilzunehmen, geschweige denn eigene Projekte zu starten. Gerade sind wir zusätzlich dabei einen Call of Applications zu starten. Da laufen auch schon zwei Bewerbungsfristen für die General Task Force von Una Europa. Una ist halt noch nicht wirklich durch die Uni gedrungen. Also der Student Congress hat schon relativ Viele erreicht. Da haben ca. 300 Leute mitgemacht. Ganz konkret sind eben diese Application Forms eine Möglichkeit sich zu bewerben.

Una Europa ist noch nicht wirklich durch die Uni gedrungen.”

Man muss sich Una so vorstellen, dass das Projekt gerade erst anläuft. Im ersten Jahr war es wirklich so, dass man nicht wusste, was man macht als Studierender, weil Leute auf höheren Ebenen wie Professor*innen selber noch nicht so einen Plan hatten von dem Projekt und die Studierendeninteressen einfach als Letztes kamen. Jetzt fangen wir gerade so an Student Engagement Groups zu bilden, mehr Aktivitäten für die Studierenden zu organisieren.

Wie schätzt ihr euren Einfluss als Studierende innerhalb des Projektes ein? Werden Probleme gehört, wenn ihr diese ansprecht?

Nicole: Ich bin ja noch nicht so lange dabei und ich habe durch diesen Congress in Madrid auch das erste Mal Kontakt mit Leuten gehabt, die schon länger im Projekt da sind und die schon Sachen gestartet haben. Ich war ehrlich gesagt sehr überrascht, wie offen die Universitäten dafür waren, mit Studierenden zusammenzuarbeiten und wie viel Freiraum gegeben wurde.

Felix: Dem stimme ich zu. Es gibt auf jeden Fall diese vorgeschriebenen Aktivitäten, die die Studierenden erfüllen müssen, weil Una Europa auf einem Vertrag mit der EU beruht und von dieser auch finanzielle Mittel erhält. Die festgelegten Aktivitäten müssen Studierende einbringen und an die ist man auch relativ gebunden. Da ist das Problem dann, dass ein bisschen die Student Power fehlt, diese Sachen zu stemmen bzw. die Sachen insoweit zu stemmen, dass man dann noch viele Bottom-Up-Projekte selber organisieren kann. Es gibt ein paar Bottom-Up-Projekte an einigen Universitäten, aber wir haben da auch relativ viel mit diesen vorgeschriebenen Aktivitäten wie dem Student Congress zu tun. Aber wir müssen auf jeden Fall auch kämpfen, an noch mehr Sitzungen teilnehmen zu können. Es ist wie immer in der Hochschulpolitik würde ich sagen. Man ist so ein bisschen da, damit die sagen können: Ja, wir haben die Studierenden miteingebunden, aber es gibt auch einige hochrangige Vizepräsident*innen wie Frau Blechinger-Talcott von der FU, die sehr offen sind gegenüber Projekten, Vorschlägen oder Reflektion, wie die Studierendenvertretungen es selber sehen, wie das gerade läuft.

Una Europa will auch gemeinsame Joint Studiengänge entwickeln. Seid ihr ihr da beteiligt und wenn ja, inwieweit?

Felix: Da ist die Studierendenbeteiligung ausbaufähig, sag ich mal. Da sind wir als Studierende noch nicht genug mit eingebunden, was ich auch als problematisch erachte. Wie immer bei der Hochschulpolitik wäre es sinnvoll, studentische Meinungen miteinzubeziehen, aber bisher ist es noch nicht wirklich passiert; zumindest zu meinem Stand der Dinge.

Wir haben jetzt sehr viel darüber gesprochen, was ihr bei Una Europa macht, aber was gibt euch Una Europa eigentlich? Warum steckt ihr da so viel Engagement, so viel Energie hinein?

Nicole: Also ich fand es einfach interessant, diese Möglichkeit zu haben, sich auszutauschen, mit Studierenden aus ganz Europa in Kontakt zu treten, weil ich das das letzte Mal in meinem Auslandssemester hatte. So ist man an einem Projekt beteiligt, wo man in regelmäßigen Abständen mit Leuten aus ganz Europa zusammen etwas entwickeln kann. Mich haben dann auch die Projekte angesprochen, die entwickelt werden. In meinen Augen sind das eben alles Sachen und Punkte, die sehr ausbaufähig und die wichtig sind, umzusetzen. 

Felix: Bei mir ist es ähnlich. Dieser Austausch. Ich fand dieses Konzept von Una Europa einfach sehr beeindruckend. Es geht ja darum eine Universität der Zukunft zu konzeptualisieren, eine europäische Universität der Zukunft. Diese europäische Idee auf Universitätsebene umzusetzen fand ich ziemlich cool. Ich kann hier etwas für die europäische Idee tun. Ich dachte auch, dass das noch viel mehr durchdringen würde, dass noch viel mehr Menschen begeistert sein würden, aber diese Schwierigkeit das zu manifestieren oder ein bisschen griffiger zu machen, hat es erschwert.

Was gibt es mir sonst noch? Also das ist auch ein Punkt, der problematisch diskutiert wird. Die Vergütung bzw. die Kompensation für das Engagement bei Una Europa. Andere Universitäten haben es zum Beispiel so geregelt, dass Vertreter*innen bezahlt werden oder zumindest eine Vergütung bekommen, wie auch im Akademischen Senat der FU. Das wurde jetzt angestoßen. Der europäische Austausch, der macht Una als Universitätsallianz besonders, aber auch Erfahrungen in der Projektarbeit zu sammeln, macht wirklich Spaß. Also Una Europa gibt dir die Möglichkeit eine eigene Projektidee einzureichen bzw. an einem Projekt mitzuarbeiten und dann schon in Studienjahren wirklich früh mitzubekommen, wie internationale oder europäische Zusammenarbeit unter Studierenden ablaufen kann, wie es ist, mit einem Team zusammenzuarbeiten, Aufgaben aufzuteilen, Fristen einzuhalten. Deswegen hoffen wir, dass bald mehr Studierende auf Una Europa aufmerksam werden und dieses besondere Projekt mit Leben füllen.

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