Studieren in diesen Zeiten ist eine wachsende finanzielle Herausforderung. Für Unis und für Studis. Vorne und hinten reicht es schon nicht, trotzdem kürzt der Staat den Unis das Geld und laut Bundesverfassungsgericht besteht kein Anspruch auf angemessene finanzielle Unterstützung für Studis. Ein Kommentar von Felix Rode.

Früher war das Studium eine romantische Zeit der intensiven Diskussionen, der langen Nächte in Kneipen und der stressfreien Semesterferien. So erzählen es nicht nur die Romantiker des 19. Jahrhunderts, sondern auch noch die Studierten unter unseren Eltern.
Doch was ist daraus geworden? Studieren wird immer mehr zu einer Herausforderung. Die Situation der Unis und die Situationen der Studis werden immer katastrophaler. Wohnen wird teurer, das Bafög kommt nicht hinterher, die Uni streicht womöglich Professuren, Zuschüsse für Bibliotheken und soziale Angebote. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Studis flanieren schon lange nicht mehr versunken in Gedanken durch Wälder. Sie hetzen eher vom Teilzeitjob, der gerade so mit dem Bafög die Miete abdeckt in die Vorlesung und von dort in die Bib, um die Hausarbeit endlich zur dritten Frist abzugeben. Wenn Studis ein Wort des Jahres hätten, wäre es “Stress”. Und das sind die Menschen, die dann später die alternde Gesellschaft tragen sollen.
Der private Geldbeutel
Beginnen wir beim privaten Geldbeutel. Das Moses-Mendelssohn-Institut hat zum Beginn des Wintersemesters gemessen, dass die durchschnittliche Miete von Studis in Deutschland 505€ beträgt. Zum ersten Mal liegt der Wert über 500€. Und das ist nur der bundesdeutsche Durchschnitt. In Berlin zahlen Studis durchschnittlich 650€, wenn sie überhaupt eine Bleibe finden. Die Wohnkostenpauschale im Höchstsatz des Bafögs liegt aktuell bei 380€. Nicht wirklich erstaunlich ist daher das Messergebnis, dass schon 2023 36% der Studis unter der Armutsgrenze lebten. Gegen diese Zustände wurde sogar beim Bundesverfassungsgericht Klage eingereicht, aber es entschied am 23. September 2024, dass Studierende keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung vom Staat hätten.
Der öffentliche Geldbeutel
Nicht viel besser geht es den Unis. Sie ächzen sowieso schon unter einem Renovierungsstau, erhöhten Personalkosten und mehr Nachfrage nach Subventionen für die Studis. Trotzdem meint der Berliner Senat unter dem Vorsitz Kai Wegners, dass es der richtige Zeitpunkt sei, den Unis Geld zu kürzen. Noch ist unklar, wie genau sich die Kürzungen im Uni-Alltag bemerkbar machen werden, doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass es die Ausgaben sein werden, die nicht unmittelbar mit Forschung oder Lehre zusammenhängen, also soziale Angebote, Beratungsstellen oder Förderangebote, die zuerst gestrichen werden. Hinzukommt, dass Studis weiterhin in nahezu maroden Gebäuden lernen werden.
Diese private und öffentliche Problemlage geht natürlich nicht unbemerkt an den Studis vorbei. Die Unibefragung 2025 hat ermittelt, dass ca. 34% der Studis an der FU an Symptomatiken von Angststörungen oder Depression leiden. 2016 lag der Wert noch bei 21%. Fast 10% der Befragten nehmen Antidepressiva, 8,7% weisen einen riskanten Schmerzmittelgebrauch auf. Und das ist wieder nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt unzählige Studien über die Gesundheit von Studis in den letzten Jahrzehnten, die ähnliche Trends belegen. Natürlich sind Finanzen nicht das Einzige, was Studis zu schaffen macht, aber sie tragen sicherlich dazu bei.
Die Gesellschaft möchte, dass so viele junge Menschen ein Studium abschließen wie noch nie. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass immer mehr ehemalige klassische Ausbildungsberufe wie zum Beispiel die Pflege als Studium angeboten werden. Aber wie diese Studiengänge absolviert werden, also unter welchen Lebensumständen, mit welchen Qualen und Mühen, scheint zweitrangig zu sein.
Wird es bald besser?
Klar gibt es Pläne sogar dieser Regierung, das Bafög zu erhöhen oder gar zu reformieren. Aber wenn das so wie die Bürgergeldreform wird, können die ersten schonmal ihre Exmatrikulation beantragen. Aktuell plant die Bundesregierung, die Wohnkostenpauschale im Bafög von 360€ auf 380€ zu erhöhen. Wie gesagt: Die Durchschnittsmiete in Berlin für Studis in Berlin beträgt 505€. Es ist zu spät und zu wenig. Friedrich Merz sorgt sich lieber um unser Stadtbild.
Natürlich war Studieren niemals stressfrei und sicherlich sind viele der historischen romantischen Darstellungen des Studiums Überhöhungen. Aber die aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen für Studis werden immer schlechter. Das ist besonders frustrierend, wenn man sich an den Ansprüchen, Erwartungen und Möglichkeiten dieser Gesellschaft orientiert, die kaum etwas dringlicher braucht als Fachkräfte und gut-ausgebildete, motivierte und hoffnungsvolle junge Menschen, die gerade erfolgreich ihr Studium absolviert haben.

“Noch ist unklar, wie genau sich die Kürzungen im Uni-Alltag bemerkbar machen werden, doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass es die Ausgaben sein werden, die nicht unmittelbar mit Forschung oder Lehre zusammenhängen, also soziale Angebote, Beratungsstellen oder Förderangebote, die zuerst gestrichen werden.”
Das ist so nicht korrekt: Bereits jetzt ist klar, dass Professuren nach Pensionierung der aktuellen Stelleninhaber:innen nicht neu besetzt, also faktisch gestrichen werden. Auch im Bereich der Wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen und der Mitarbeiter:innen in Technik, Service und Verwaltung werden 10 % der Personalstellen gestrichen. Das hat unmittelbare Folgen für Lehre und Forschung, denn einerseits bedeuten weniger Mitarbeiter:innen schlicht weniger Lehrveranstaltungen und Studienplätze, andererseits werden auch inhaltlich ganze Themengebiete an der FU Berlin verschwinden. Die Kürzungen gehen direkt an den Kern der Universität.
Es drängt sich mir der Eindruck auf, dass die Furios-Redaktion wenig Zeit mit dem Besuch der Veranstaltungen der Kanzlerin oder den Sitzungen des AS verbracht hat.