Auf Social Media manifestiert die GenZ zum neuen Jahr ein 2016 2.0. Kein Wunder, nach dieser hektischen ersten Januarwoche. In Zeiten politischer Unruhe sehnen wir uns nach nichts mehr als der Unbekümmertheit von Pen Pineapple Apple Pen oder der Mannequin-Challenge. Unser Autor Kai Meijsing-Pioletti zeigt, wie ihr am kollektiven Eskapismus teilhaben könnt.

Das neue Jahr ist erst einige Tage alt, doch statt Optimismus scheint die politische und gesellschaftliche Unruhe der letzten Jahre den Start in das neue Jahr 2026 zu begleiten: Das tragische Unglück bei einer Silvesterfeier im schweizerischen Crans-Montana, der tagelange Stromausfall im Südwesten Berlins und die Angriffe der USA auf Venezuela bestimmen die Schlagzeilen der ersten Januarwoche. Parallel herrschen noch immer in vielen Weltregionen Kriege und humanitäre Krisen. Die AfD führt bei den Umfragen für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern jeweils mit rund 40 Prozent.
Kein Wunder, dass sich viele Menschen auf Social Media zu Jahresbeginn nach einer Prise Eskapismus sehnen. Dort trenden schon in den letzten Tagen von 2025 Videos, die das neue Jahr zum Jahr 2016 2.0 erklären, Rio-De-Janeiro-Filter, Musical.ly-Tanztrends und Justin-Bieber-Audios inklusive. Dabei war 2016 mitnichten ein politisch ruhiges Jahr: Der Rechtsruck in Europa nahm zu, Donald Trump gewann die Präsidentschaftswahl in den USA und in Berlin fand am 19. Dezember der Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz statt.
Und doch scheint Nostalgie diese Ereignisse für Social-Media-Nutzer*innen zu überschatten. Es macht sich ein Bedürfnis nach einer kollektiven Flucht in eine vermeintlich simplere Zeit breit, in der die sozialen Medien noch nicht ganz so mit Hass und Hetze überschwemmt waren, in der Cringe sein cool war. Ein gesundes Maß an Eskapismus sollte in einer düsteren Gegenwart doch erlaubt sein, oder? Popkulturell hatte 2016 wirklich so einiges zu bieten. Wer also Lust hat, sich zu Jahresbeginn ein wenig in die Mitte der 2010er-Jahre zurückzubegeben, kriegt hier einen Überblick über die musikalischen, kinematischen und modischen Highlights von 2016.
Für den Soundtrack:
In 2016 dominierte eindeutig Dance-Pop die Charts. Zu Hits wie This Is What You Came For von Calvin Harris und Rihanna, Can’t Stop The Feeling von Justin Timberlake oder Closer von den Chainsmokers und Halsey lässt es sich besonders gut in die Vergangenheit tanzen. Rap-Fans können sich an One Dance von Drake, Wizkid und Kyla oder Panda von Desiigner erfreuen. Wer es etwas dramatischer mag, kann Treat You Better von Shawn Mendes oder Million Reasons von Lady Gaga anschmeißen. Deutschsprachige Nostalgie gibt’s in Form von Chöre von Mark Forster oder Ohne mein Team von Bonez MC und RAF Camora. Zu den besten und bekanntesten Alben von 2016 gehören Lemonade von Beyoncé, Blonde von Frank Ocean, Anti von Rihanna und Starboy von TheWeeknd.
Was man 2016 schaute:
Wer angesichts von Zoomania 2, das Ende 2025 in die Kinos kam, nicht ohnehin schon den ersten Teil aus 2016 wieder geschaut hat, kann dies im Namen von 2016 2.0 nun erst recht tun. Weitere Filmhits sind La La Land, Deadpool oder Passengers. Den Oscar für den besten Film gewann das amerikanische Filmdrama Moonlight des Regisseurs Barry Jenkins.
Für Comedy-Serienfans liefen im Verlauf von 2016 die dritte und vierte Staffel von Brooklyn 99, die achte Staffel von Modern Family, sowie die neunte und zehnte Staffel von The Big Bang Theory im TV. Zudem startete Stranger Things auf Netflix, deren Serienfinale am 1. Januar dieses Jahres ausgestrahlt wurde. Der perfekte Zeitpunkt, die Serie gleich wieder von vorne anzufangen. Auch The Walking Dead und Game of Thrones liefen 2016 im Fernsehen.
Und zuletzt: Fashion!
Um die Rückkehr nach 2016 zu perfektionieren, fehlt nur noch das richtige Outfit. Wer sie noch im Kleiderschrank hat, kann Choker, zerrissene Jeans, bunte Bomberjacken, oversized Hoodies und Klamotten aus Samt wieder hervorholen. Subtiler geht’s mit Musik- oder Film-Merch, das 2016 nämlich groß im Trend war.
Wieso sich auch der Blick in die Zukunft lohnt
Wer trotz allem, was ein 2016 2.0 Spannendes zu bieten hätte, keine Lust hat, sich in der Vergangenheit zu verlieren, kann sich auf die schönen Dinge fokussieren, die 2026 anstehen. In Berlin spielen Weltstars wie RAYE, Rosalía und Tame Impala Konzerte und auch Lorde, Zara Larsson und Pitbull zieht es im Rahmen des Lollapalooza-Festivals im Juli nach Berlin. Außerdem kommen 2026 heiß erwartete Filme wie Dune: Part Three von Denis Villeneuve, Wuthering Heights (inklusive Original-Soundtrack von Charli XCX) von Emerald Fennell und Odyssey von Christopher Nolan in die Kinos. Für Sportfans stehen im Februar und März jeweils die Olympischen und Paralympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo an. Die Fußball-WM der Herren wird im Sommer in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen.
Es gibt also genug Gründe, sowohl ein 2016 2.0 als auch 2026 mit offenen Armen zu begrüßen. Was wir aus 2016 für das neue Jahr außerdem wieder lernen können, ist, Verspieltheit und Imperfektion auf Social Media zu feiern. Wenn sich unsere Feeds neben den täglichen Horrornachrichten und KI-generierten Influencer*innen fortan auch wieder mit flashmobs, verrückten Captions und wirklich authentischen Schnappschüssen füllen, hilft das ja vielleicht, die anstehenden Herausforderungen des Jahres mit ein bisschen mehr Spaß und Optimismus anzugehen.
