The Drama kept me on the edge of my seat – dass ein Film mich keine Sekunde gelangweilt hat, liegt Monate zurück. Der neue Film mit Zendaya und Robert Pattinson ist ein Fiebertraum aus Hochzeitsvorbereitungen, Moral, heruntergezogenen Hosen, Grenzen, Liebe, Lügen und Alkohol. Eine Rezension von Emma Dodt.

In The Drama soll eigentlich einer der schönsten Momente einer Beziehung abgelichtet werden. Stattdessen fühlt es sich an, als wäre man Zeug*in eines Autounfalls. Die Handlung des Films setzt wenige Tage vor der Hochzeit der Hauptpersonen Emma und Charlie ein. Es wird der Tanz geprobt, das Ehegelübde geschrieben, über die DJane diskutiert, die das glückliche Paar auf offener Straße beim Heroin rauchen sieht. Und beim Probeessen mit den Trauzeug*innen Rachel und Mike sollen die vier von den schlimmsten Sachen erzählen, die sie je getan haben. Emmas Geheimnis lässt dabei alles aus dem Ruder laufen. Die Beziehung, die bisher in Harmonie – und innerhalb einer wahnsinnig schönen Wohnung – existiert hat, wird kurz vor dem Ewigkeitsversprechen auf die größte Belastungsprobe gestellt.
106 Minuten peinliche Berührtheit
Wikipedias Einordnung als „Liebesfilm / RomCom / Schwarze Komödie / Psychodrama“ trifft die Eskapade, die sich auf der Leinwand abspielt, recht gut. Noch amüsanter als es der Trailer verspricht, lässt der norwegische Regisseur Kristoffer Borgli in seinem neuesten Werk die Grenzen zwischen Komödie und Tragödie verschwimmen. Rückblenden aus Emmas Jugend oder Charlies panische Tagträumen sorgen für viele Lacher im Publikum. Dabei ist das Thema, das behandelt wird, ganz und gar nicht zum Lachen. Deshalb steht der Film auch immer auf der Kippe zur Geschmacklosigkeit. Der Umgang mit Emmas Vergangenheit ist mit Sicherheit für viele Menschen zu unsensibel.
Wofür das Drama außerdem sorgt, ist eine üppige Portion Fremdscham. Je weiter der Film voranschreitet, desto tiefer versinkt man zwischen den Fingern durchlinsend im Sitz.
Nicht nur die peinlichen Situationen, sondern auch die zackig geschnittenen Szenen und das Springen zwischen Realität und Fiktion, zwischen Gegenwart und Vergangenheit fesseln die Zuschauer*innen von Anfang bis Ende.
Die Schauspieler*innen glänzen, im Gegensatz zu ihren Charakteren
Das emotionale Chaos, welches Emmas gelüftetes Geheimnis nach sich zieht, bringt bei den meisten Charakteren nicht ihre besten Seiten zum Vorschein. Ihre Handlungen werden immer absurder und irrationaler, sodass man eigentlich keine Person richtig zu mögen lernt. Ein gewisses Mitleid entwickelt man höchstens noch für Nebenstehende, die nur unschuldige Gäste auf der Hochzeit sind. Während die Personen, die von Emmas Geheimnis wissen, langsam aber sicher ein wenig durchdrehen, wirkt sie selbst zum Ende hin beinahe am normalsten.
Die Sympathien, die man gegenüber den Charakteren hegt oder nicht hegt, sind auch der schauspielerischen Leistung geschuldet. Zendaya schafft es, dass man gegenüber Emma den ganzen Film ein wenig misstrauisch bleibt, Robert Pattinson porträtiert Charlies innere Zerrissenheit, Alana Haim spielt Rachel so heuchlerisch, dass sie fast unausstehlich wird. Und Mamoudou Athie steht als Mike irgendwo zwischen den Fronten. Daneben streuen alle Nebencharaktere, sei es die Fotografin oder der DJ, der in letzter Sekunde einspringt, immer noch eine Prise Pfeffer dazu.
Das Drama öffnet Debatten
Was den Film allerdings am interessantesten macht, sind die moralischen Fragen, die er aufwirft, aber nicht wirklich klärt. Auch, wenn sie es zu Beginn versuchen, aufgearbeitet wird Emmas Geheimnis zwischen ihr und Charlie nicht wirklich. Vielleicht, weil man ein solches Thema nicht aufarbeiten kann, erst recht nicht in 106 Minuten. Vielleicht gibt der Film auch keine klaren Antworten, um noch außerhalb des Kinosaals für Gesprächsstoff zu sorgen. Was ist das Schlimmste, was wir je getan haben? Wie hätten wir uns an Charlies Stelle verhalten? Was kann und muss eine Beziehung aushalten? Wie sehr ist die Vergangenheit Teil der Person, die wir in der gegenwärtig kennen? The Drama ist eine Achterbahnfahrt der Empfindungen. Genau wie eine Achterbahnfahrt mag die Story dem ein oder anderen zu viel sein. Für die Zuschauer*innen, die schwarzen Humor und Fremdscham aushalten können, liefert der Film viel Gänsehaut – nicht, weil die Trauung so schön war – viele Lacher, viele Fragen, viele Schockmomente, – und einfach gute Unterhaltung.
