„Strike a pose!“ – Hält Der Teufel trägt Prada 2, was er verspricht?

Zwischen Tüll und Eyeliner laufen Tränen und Intrigen und werden von dem ikonischen Soundtrack aus dem ersten Teil untermalt. Doch werden hier wichtige Fragen behandelt, oder geht es nur darum, vom Ikonenstatus des ersten Films zu profitieren? Eine Rezension von Felicia Wuehn.

Im neuen Blockbuster kehren Anne Hathaway, Meryl Streep und Co. auf die Leinwand zurück. Foto: ©Imago.

Auf der Suche nach ihrem beruflichen Wiedereinstieg schließt „Andy“ Sachs 20 Jahre nach Der Teufel trägt Prada neue Freundschaften mit alten Bekannten und wird zugleich das Gesicht einer neuen Generation von Modeliebhaber*innen. “What are you looking at? Strike a pose! Vogue (vogue, vogue)”, schallt durch die Kinolautsprecher, als die Zuschauer*innen gebannt beobachten, wie Andy Sachs (Anne Hathaway) auf ihre ehemalige Arbeitgeberin Miranda Priestly (Meryl Streep) trifft. 

Andy soll nun als Chefin der Feature-Redaktion Runway neu auf Kurs bringen und Mirandas Ruf wiederherstellen. Diese wirkt davon zunächst nicht überzeugt und kritisiert Andy dafür, angeblich keine relevanten Artikel zu schreiben. Andy kann ihr Talent dennoch beweisen, indem sie dem Magazin ein Interview mit der begehrten Sasha Barnes sichert, der Geschiedenen des Silicon-Valley-Milliardärs Benji Barnes. Unterdessen verspricht Mirandas Chef, sie zur Leiterin der globalen Content-Abteilung seines gesamten Medienkonzerns zu befördern, stirbt jedoch, bevor er die Beförderung offiziell machen kann. Es kommen somit neue Herausforderungen auf das Magazin zu, da sein Sohn, der das Unternehmen nun weiterführt, keine Leidenschaft für die Modewelt hegt und erhebliche Kosteneinsparungen vorschlägt.             

In der Zwischenzeit hat Andy ihre alte Arbeitskollegin Emily Charlton, die nun bei der Modemarke Dior arbeitet, aus Zufall wiedergetroffen. Emily scheint zwiegespalten über die Reunion und nähert sich gleichzeitig Benji Barnes, dem Ex-Mann von Sasha Barnes an. Ihr Plan? Benji soll Jay Ravitz Runway abkaufen und Emily zur neuen Chefin ernennen. Ob dieser Plan wohl aufgeht? 

Während der Film von einem Handlungsstrang zum anderen springt, stellt sich die Frage: Wozu das alles? Was möchte der Film aussagen? Spürt man nach 20 Jahren eine Entwicklung oder ist Der Teufel trägt Prada 2 ein pures Nostalgie-Erlebnis? Wo an einigen Stellen im Hinblick auf „wokeness“ nachgebessert wurde, hinkt die Fortsetzung von Der Teufel trägt Prada nämlich immer noch in einigen Bereichen. So werden beispielsweise mit der Assistentin Jin Chao asiatische Stereotype reproduziert: Hochqualifiziert, nerdig, aber unsicher, und bloßer Nebencharakter. Auch ihr Name klingt typisierend. 

Gleichzeitig übt der Film aber auch Kritik an modernen journalistischen Werkzeugen wie künstlicher Intelligenz. Das wird klar in den Spannungen zwischen Miranda und Benji Barnes, der die Meinung vertritt, KI werde in Zukunft die Modewelt vollständig einnehmen. Dass der Film diese Haltung kritisch sieht, wird durch Mirandas Skepsis deutlich, aber nicht wirklich ausgeführt. Des Weiteren lässt sich zwischen den Zeilen Kapitalismus- und Konsumismuskritik erkennen – zum Beispiel als Emily sich damit brüstet, dass Dior sich nur bestimmte Menschen aus der Oberschicht leisten können. Das alles wird aber nur am Rande angedeutet und ist nicht weiter relevant für die Handlung. 

Der Teufel trägt Prada 2 ist ein unterhaltsames Erlebnis mit vielen Plot Twists, verfolgt aber handlungstechnisch kein höheres Ziel. Wer sich einfach auf einen guten Soundtrack, altbekannte Gesichter und schöne Mode einlassen will, ist hier genau richtig.

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