Anwesenheitspflicht am OSI!?

Die Studierenden, die FSI und die Dozent*innen des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft sind beim Thema Anwesenheit unterschiedlicher Meinung. Das wird nun deutlich an der morgigen Institutsratssitzung. Kommt doch eine plötzliche Teilnahmepflicht auf die Studierenden zu? Nori Holst und Kaja Elena Schade haben sich beide Seiten einmal angeschaut.

Ein einzelner Student in einem Hörsaal. Foto von Philippe Bout auf Unsplash

Morgen, am  20.05.2026, wird im Institutsrat des Otto-Suhr-Instituts (OSI) über eine Wiedereinführung von Anwesenheitslisten in Lehrveranstaltungen abgestimmt. Diese Abstimmung sorgt bei der Fachschaft und den Studierenden für Aufregung. Der FURIOS liegen die Begründung der Professor*innen sowie ein Statement der FSI*OSI vor. Prof. Dr. Philipp Lepenies schreibt in der Begründung für die Anwesenheitspflicht über einen bestehenden „Absentismus“ in den Lehrveranstaltungen. Die FSI*OSI wehrt sich gegen die möglichen Änderungen. 

Die Fachschaftsinitiative des OSIs (FSI*OSI)  postete am 13. Mai einen Instagram-Beitrag mit der Überschrift „Gemeinsam gegen unsolidarische Anwesenheitslisten.“ Sie schreiben, dass eine Anwesenheitspflicht in dieser Form gegen ihre Auffassung solidarischer Universitätskultur spricht.

Die FSI wünscht sich einen „demokratischen Diskurs”

Konkreter wird die FSI*OSI in ihrem Statement gegenüber der FURIOS zur Wiedereinführung der Anwesenheitslisten: „Wir sprechen uns klar gegen eine Teilnahmepflicht am OSI aus. Bei dem letzten Institutsrat im April wurde uns angekündigt, dass es erstmal um eine Beratung geht, und so waren wir empört, als wir Anfang letzter Woche die Tagesordnung für die Institutsratssitzung geschickt bekamen und dort auch schon von einer möglichen Beschlussfassung die Rede war. Es ist fraglich, inwiefern innerhalb einer Sitzung und nach dieser kurzfristigen Kommunikation dem Anspruch an einen demokratischen Diskurs und einer transparenten Entscheidungsfindung entsprochen werden kann.”

Die FSI*OSI erklärt außerdem, dass sie eine Online-Umfrage gestartet hat, bei der die Student*innen des OSI für oder gegen die Anwesenheitspflicht stimmen können. Laut aktuellem Stand sollen rund 294 Studierende abgestimmt haben. Davon stimmten 273 gegen eine Pflicht zur Teilnahme am OSI, 11 enthielten sich und 10 stimmten dafür.

Prof. Dr. Philipp Lepenies schreibt in der Begründung der Professor*innen, dass sie eine steigende Abwesenheit in Lehrveranstaltungen wahrnehmen, und führt aus, dass Studierende Verantwortung „gegenüber der Allgemeinheit“ übernehmen müssen. Diese finanziere durch Steuern die Studienplätze. Zudem würden Studierende beliebte Studienplätze einnehmen, der Numerus Clausus ist für das Politikstudium am OSI sehr hoch. Weitere Punkte sind der Respekt, den die Student*innen den Lehrkräften durch ihre Anwesenheit zeigen, und die „Frage, ob eine erfolgreiche universitäre Ausbildung eigentlich attestiert werden sollte, wenn ein Mindestmaß an regelmäßiger Anwesenheit nicht vorliegt.”

Von historischer Demokratiewissenschaft bis zu sozialer Ungleichheit am OSI

Die Dozentenschaft unterstreicht außerdem: „die Politikwissenschaft der FU ist historisch eine Demokratiewissenschaft, die nicht nur über Demokratie forscht, sondern dazu beitragen will (und in heutiger Zeit auch muss), dass sich demokratische Ideale bei den Studierenden festigen.” Darüber hinaus sehen Sie als weitere zentrale Begründung die gesamtgesellschaftlichen Individualisierungstendenzen, da der „studentische Absentismus” als Ausdruck dieser gesehen wird. Lepenies schließt mit den Worten: „Insofern handelt es sich bei der Pflicht der Anwesenheit nicht um eine punitive Vorkehrung, sondern um die Grundbedingung für das Funktionieren der Universität – der Demokratie ebenso wie der Wissenschaft.”

Die FSI*OSI macht in ihrem Statement deutlich, dass Studierende, die gesundheitliche Einschränkungen haben, Care-Arbeit für Familienangehörige leisten, neben dem Studium arbeiten müssen, lange Pendelwege auf sich nehmen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen, in besonderem Maße von einer Anwesenheitspflicht betroffen wären. Dadurch würden bestehende soziale Ungleichheiten an der Universität weiter intensiviert. Die FSI*OSI betont: „Das OSI sollte gegen bundesweite Tendenzen an Universitäten ein Ort der gemeinsamen Gestaltung von allen Statusgruppen sein. Mit Vorbild voran demokratisch, partizipativ und transparent. Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht als Kontrollinstrument der Studis gehört nicht dazu.”

Eine mögliche Entscheidung wird es nach der achten Sitzung des Institutsrats des OSI voraussichtlich morgen Vormittag geben. Die Sitzung findet am 20. Mai von 09:00 bis 11:00 in der Ihnestraße 21 in Hörsaal B statt.

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1 Response

  1. Ein Leser sagt:

    Tja, und wie ist’s nun ausgegangen?

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