Am 28. Januar 2026 wurde Prof. Dr. Günter M. Ziegler zum Universitätspräsidenten wiedergewählt. Wie blickt er auf seine letzte Amtszeit zurück, welche Herausforderungen kommen in seiner nächsten auf ihn zu? Und was bedeutet das für Studierende? Zum Start seiner dritten Amtszeit haben sich Kai Meijsing-Pioletti und Jana Werner mit ihm zum Interview getroffen.

Prof. Günter M. Ziegler studierte Mathematik und Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und promovierte am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er war unter anderem Professor an der TU Berlin und ist seit 2011 an der FU tätig. Seit 2018 ist er Universitätspräsident der Freien Universität. Außerdem ist er Sprecher der Berlin University Alliance (BUA). Anfang Mai traf sich FURIOS mit Professor Ziegler anlässlich des Beginns seiner dritten Amtszeit zum Interview im Präsidiumsgebäude der Freien Universität.
FURIOS: Professor Ziegler, vor Ihrer Wiederwahl im Januar haben Sie im erweiterten Akademischen Senat erklärt, dass die FU nun besser dastünde als zu Beginn Ihrer zweiten Amtszeit vor vier Jahren. Wie drückt sich das aus?
Ziegler: Das hat natürlich viele Komponenten und ich würde es in dieser Absolutheit möglicherweise zur Diskussion stellen. Bei meiner ersten Wiederwahl vor vier Jahren gab es viel Konflikt in der Freien Universität, wodurch sie nicht wirklich handlungsfähig war. Jetzt stehen wir als eine Universität da, in der wir an einem Strang ziehen. Das wird da wichtig, wo wir auch gemeinsam etwas bewegen wollen und müssen.
Vor vier Jahren waren wir zudem mitten in der ersten Förderperiode der Berlin University Alliance. Das Projekt hatte durchaus seine Anlaufschwierigkeiten. Da war anfangs noch die Frage offen, inwieweit wir wirklich gemeinsam unterwegs sind oder in einer Zwangsehe stecken. Und ich glaube, wir haben die nötige strategische Arbeit gemacht und uns überzeugend als Verbund aufgestellt.
FURIOS: Im Endeffekt haben im Januar 39 der 59 anwesenden Mitglieder des erweiterten akademischen Senats für Ihre Wiederwahl gestimmt. Bei der letzten Wahl 2022 haben sie trotz Gegenkandidatur mehr Stimmen erhalten. Was müssen Sie tun, um das Vertrauen aus dem Akademischen Senat ein Stück weit zurückzugewinnen?
Ziegler: Ich glaube schon, dass ich das Vertrauen des erweiterten akademischen Senats habe und ich hoffe, dass dieses Vertrauen auch für das Präsidium gilt, mit dem ich weitermachen will. Und ich glaube, wir wollen jetzt auch nicht mehr über die ehemalige Kanzlerin reden. Ich war vor vier Jahren aber deswegen besonders glücklich über das starke Mandat. Dass Frau Güttner jetzt einstimmig vom erweiterten akademischen Senat zur Kanzlerin gewählt wurde, freut mich, weil sie eben auch den Weg der Strukturreformen und der Kürzungen die letzten Jahre gemeinsam mit uns im Präsidium gegangen ist.
Ganz klar ist aber auch, dass wir vor vier Jahren finanziell optimistischer dastanden. Da haben wir die Hochschulverträge verhandelt, die mit dem Fünf-Prozent-Aufwuchs gut waren. Dann hat die Politik die Verträge gebrochen und uns zum Nachverhandeln gezwungen. Ich glaube, dass wir das, was als Kürzungs- und Verkleinerungsauflage dieser Universität auf uns zugekommen ist, strukturell und kommunikativ gut gemacht haben. Wir wissen als Universität jetzt klarer, wo wir hin wollen und müssen.

FURIOS: Trotzdem bleiben die Kürzungen in Ihrer neuen Amtszeit sehr präsent, vor allem für Studierende. Die im Februar unterzeichnete Änderung der Hochschulverträge besteht nur bis 2028, mit einer Steigerung von drei bis dreieinhalb Prozent, anstatt den angedachten fünf Prozent, von denen Sie gerade gesprochen haben. Wie werden Sie in Ihrer Amtszeit weiter damit umgehen, da diese ja länger dauert als die geänderten Hochschulverträge?
Ziegler: Good Question. Also zunächst mal, das Problem sind nicht die dreieinhalb Prozent statt der fünf Prozent, die man uns versprochen hat. Das Hauptproblem ist, dass der Senat die Gelder davor ja erstmal auf Dauer um zehn Prozent abgesenkt hat. Das ist eine strukturelle Kürzung und wir haben so am Ende nur das Geld für eine deutlich kleinere Universität. Konkret bedeutet das, dass zahlreiche Professuren aus dem Strukturplan gestrichen werden und weitere Professuren, die nicht im Strukturplan standen, auslaufen müssen. Das ist wirklich ein struktureller Eingriff, der in alle Bereiche der Universität geht und uns alle an der Universität massiv betrifft.
FURIOS: Würden Sie sagen, dass der Prozess während der Kürzungen primär von der Absprache mit den Studierenden und dem Akademischen Senat gelebt hat? Vor allem in der Frage, wo gekürzt wird und wie entschieden wird, wo gekürzt wird?
Ziegler: Den Prozess haben wir mit dem Akademischen Senat besprochen und ihn mit Unterstützung aller Statusgruppen darin auf den Weg gebracht.
Und dann: Auf der einen Seite waren wir schneller dran als andere Berliner Hochschulen. Das haben wir gemacht, um Spielräume für die Zukunft zu behalten. Wenn wir noch ein bisschen länger gewartet hätten, dann hätten wir sagen müssen, wir machen zum Beispiel die Verwaltung zehn Prozent pauschal kleiner, indem wir eineinhalb Jahre lang keine Stellen mehr besetzen. Mit solch einer grundsätzlichen Stellensperre gehen wir nun nicht vor.
Der zweite Teil ist, dass wir mit einem Präsidium reingegangen sind, das gesagt hat: „Wir machen die Universität zehn Prozent kleiner, und das gilt für alle Bereiche.“ Die Fachbereiche hatten Freiräume in der Gestaltung, weil wir zuerst die Fachbereiche gefragt haben, welche Professuren wegfallen könnten oder sollten. Und da, wo uns die Antwort nicht überzeugt hat oder auch dem Sparziel nicht entsprochen hat, haben wir das mit den Fachbereichen ausführlich und offen diskutiert.
Uns in der Hochschulleitung ist klar, dass wir diese Kürzungen so durchführen müssen, dass alle in der Universität mit den Veränderungen auch leben und erfolgreich arbeiten können und so, dass die Freie Universität trotzdem eine tolle Universität bleibt. Der Strukturprozess darf auch nicht so laufen, dass alle Professuren erhalten bleiben und nur die Promotionsstellen und die studentischen Hilfskräfte gestrichen werden. Und es geht auch nicht nur um die Fächer, wir haben gesagt, das geht auch in die Verwaltung und in die Campusentwicklung rein. Das Präsidium zieht zum Beispiel aus diesem Gebäude hier aus, weil es gemietet und uns einfach zu teuer ist.
Zudem stellen wir uns natürlich auch die Frage, wie wir mit weniger finanziellen Mitteln, den Campus weiterentwickeln und gestalten und die Aufenthaltsqualität weiter verbessern können. Das lebt natürlich auch von der Absprache mit den Studierenden und dem Akademischen Senat, wo schlussendlich mitentschieden wird, wo gekürzt wird.
In Bezug auf die Campusentwicklung und Aufenthaltsqualität auf dem Campus sind auch die Studierenden aus dem Akademischen Senat ausgesprochen hinterher. Ich würde nicht sagen, dass sie uns da treiben, aber dass sie uns, ich nenne es mal, bestärken. Wir müssen eben auch darüber nachdenken, wie wir den Campus weiterhin so gestalten, dass man hier gut leben, studieren und arbeiten kann.

FURIOS: Was bedeutet die Gründung einer Hochschulbaugesellschaft für die geplanten und nötigen Sanierungen, die an der Freien Universität bevorstehen? Vor allem, wenn sie so umgesetzt wird, wie Sie sich das erhoffen?
Ziegler: Wenn das so kommt, wie ich das erhoffe, dann heißt das, dass die Hochschulbaugesellschaft das Eigentum der Gebäude übernimmt, wir aber weiterhin den Unterhalt, die Reparaturen, die Entwicklung, und die Planung auf dem Campus aus der Technischen Abteilung an der Freien Universität machen. Das wäre gut. Das Eigentum der Gebäude, das im Moment bei der Senatsverwaltung liegt, geht dann an diese Gesellschaft. Das würde heißen, dass die Gesellschaft dann auf dieser Grundlage Kredite aufnehmen kann und wir hier den Sanierungsstau abbauen könnten. Das ist dringend notwendig, damit wir auch in Zukunft verlässlich exzellente Forschung und Lehre machen können. Das braucht aber einige Voraussetzungen, die mit dem derzeitigen Gesetzentwurf nicht erfüllt sind.
FURIOS: Wie äußert sich das im Moment?
Ziegler: Der erste Gesetzesentwurf, den wir erhalten haben, hatte einige Konstruktionsfehler: die Finanzierung war offen, kaum Beteiligung der Universitäten, Unklarheit über die Zukunft unserer Technischen Abteilung und des Gebäudemanagements und die Vorstellung einer unrealistischen Flächenreduzierung. Im neuesten Gesetzestext, der uns vorliegt, sind nur wenige dieser offenen Fragen gelöst. Im Gegenteil: Teilweise wurden noch mehr Probleme geschaffen. Wir müssen uns hier gemeinsam mit der Politik ehrlich machen und schauen, ob da noch vor der Sommerpause ein wirklich realistischer und für die Zukunft brauchbares Gesetz verabschiedet werden kann. Für mich ist diese Frage auf jeden Fall offen.
FURIOS: Haben Sie Bedenken, dass die Qualität und Lehre der Forschung hier in der FU sinkt, wenn räumlich gekürzt werden muss?
Ziegler: Natürlich habe ich da Sorgen für unsere zukünftige Qualität in Lehre und Forschung. Es ist offenbar so, dass die Senatsverwaltungen sich ja schon geeinigt haben, dass wir, also die Berliner Hochschulen, 10 Prozent unserer Flächen abgeben, bevor wir sie überhaupt ans Land übertragen. Offenbar ist langfristig eine Reduktion der Flächen um bis zu 30 Prozent geplant. Das kommt dann unter Formeln wie „New Work and New Teach“.
Das heißt, weniger Büros, und teilweise ist das richtig, wir brauchen auch weniger Flächen, weil mehr Mitarbeitende mobil arbeiten. Wir müssen auch in Zukunft mit den sinkenden Studierendenzahlen planen. Aber die Pläne müssen strategisch aus den Universitäten kommen. Wenn die Vorstellung der Finanzverwaltung ist, man könne die Hochschulen einfach um 30 Prozent verkleinern, dann ist sie nicht gespeist von Konzeptpapieren aus der Wissenschaftsverwaltung, die beschreiben, wie Hochschulen und Hochschulbau in Zukunft aussehen werden.

FURIOS: Abgesehen von den Kürzungen, was sind in Ihrer dritten Amtszeit die größten Herausforderungen, vor denen die Freie Universität steht?
Ziegler: Zum einen müssen wir das Konzept der „Internationalen Netzwerkuniversität“ auf eine neue Stufe heben. Dazu gehören zum Beispiel die Studierendenaustausche und die Internationalisierung hier vor Ort. Bei letzterem streiten wir uns im Moment mit der Senatsverwaltung. Zum anderen heißt „Internationale Netzwerkuniversität“ heute etwas anderes als noch 2006. Als das Konzept das erste Mal gemacht worden ist, für die Exzellenzinitiative und für kooperativen Austausch in alle Welt, existierte die Vorstellung, dass sie sich die Studierenden da in lupenreinen Demokratien fröhlich entwickeln können. Ich überzeichne das jetzt natürlich etwas, aber 2006 war die Vorstellung der Welt eine andere und es hat sich verändert, zum Beispiel, wie man Studierende nach China oder Russland schicken kann oder will.
Auf der anderen Seite ist das zweite große Thema Resilienz. Für uns ist das ein großes Thema mit unterschiedlichen Facetten: es heißt Reaktionsfähigkeit, Stabilität, vielleicht auch Anpassungsfähigkeit an alle Herausforderungen, die kommen können. Dazu gehören Stromausfälle oder Pandemien, aber auch der gesellschaftliche Angriff von rechts.
Rechte Parteien und autoritäre Staaten versuchen, die Wissenschaftsfreiheit kaputtzumachen. Das gibt es nicht nur in den USA, in Russland oder in China. Auch in Deutschland müssen wir uns darauf vorbereiten, dass sich die Fundamente dieser Republik verschieben könnten, um es vorsichtig zu sagen. Ich sehe jetzt im Herbst zwar noch keinen AfD-Wissenschaftssenator in Berlin kommen, aber in anderen Bundesländern eben vielleicht doch. Wie bereiten wir uns also darauf vor, dass die Wissenschaftsfreiheit „under attack“ ist? Da haben wir eine Menge zu tun. Das ist nicht alles fertig konzipiert und schon gar nicht umgesetzt, aber schrittweise läuft das.
FURIOS: Wie kann man als Universität Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit bekämpfen? Haben Sie schon Strategien ausgearbeitet?
Ziegler: Wir müssen auf institutioneller Ebene überlegen, wie wir uns darauf vorbereiten. Dazu gehört am Ende natürlich, dass man sich juristisch absichert. Die Angriffe können auf unterschiedliche Art und Weise kommen: über Gesetze, über die Wissenschaftsförderung, über Einschränkungen von Austausch oder über die Medien. In allen diesen Bereichen müssen wir uns stark machen und uns vorbereiten. Das tun wir als Universität, aber auch als Universitätsverbund. Solche Sachen, wie die Trump-Regierung gegen die Harvard University, schaue ich mir dabei sehr genau an. Ich habe die letzten Jahre Gespräche geführt an der NYU und der Columbia University in New York, um zu verstehen, wie sie mit diesem Thema umgehen. Denn wir sehen ähnliche Mechanismen durchaus hier auf den Startrampen. Am Ende ist das eine komplexe Frage, mit komplexen Antworten. Denn diesen einen Angriff, gegen den wir kämpfen, gibt es nicht.
FURIOS: In ihrer zweiten Amtszeit hat die Nutzung von Künstlicher Intelligenz enorm zugenommen. Und auch die FU hat ja mittlerweile eigene KI-Chatbots, beispielsweise bei Primo. Was heißt diese Entwicklung für Forschung und Lehre an der Universität? Und was heißt das für die Zukunft von Studierenden?
Ziegler: Die Frage ist natürlich, was heißt das für die Welt? Wir als Universität sind relativ früh und aktiv unterwegs. Das Thema KI hat bei uns im Präsidium der Vizepräsident für Studium und Lehre, Sven Chojnacki, in die Hand genommen.
KI eröffnet jede Menge neuer Möglichkeiten und unser Ansatz kann und darf nicht sein, das zu verbieten. Wir müssen stattdessen den sicheren, kompetenten und effektiven Umgang mit KI lernen und dann auch lehren können. Und das ist nichts, was top-down funktioniert. Es wird ein prägendes Thema sein und es eröffnet auch riesige Chancen. Wobei dann natürlich die Frage folgt, inwieweit das kenntlich zu machen ist, wo man sich hat unterstützen lassen. Ich glaube, da sind wir in einer interessanten Situation. Auch deswegen, weil die Antwort auf die Frage, ob das gut ist, bei einer komplexen Aufgabe „erstmal die KI zu fragen“, je nach Fachbereich eine ganz unterschiedliche ist. In der öffentlichen Wahrnehmung ist hauptsächlich die Frage von Plagiat und unerlaubter Unterstützung präsent. Wir müssen uns auch fragen, wie wir weiterhin unseren Bildungsauftrag erfüllen, damit Studierende nicht denken, sie könnten sich die Masterarbeit von der KI schreiben lassen und hätten damit etwas geleistet oder gelernt.
FURIOS: Wir treffen uns heute am 8. Mai. Gestern jährte sich zum zweiten Mal die polizeiliche Räumung des pro-palästinensischen Protestcamps im Theaterhof der Rost- und Silberlaube. Für viele Studierende dominiert dieser Tag noch immer den Blick auf das Präsidium und auch das Vertrauen in ihre Personen. Bei Ihrer Wiederwahl im Januar hatten Sie vor dem erweiterten akademischen Senat Fehler in Bezug darauf eingeräumt. Seitens der Universität wurde vor zwei Jahren vielfach betont, dass die FU Raum für wissenschaftlichen Dialog sein müsse. Was hat das Präsidium seitdem dafür getan, um diesen Raum zu schaffen?
Ziegler: Der Umgang mit den Protesten, darunter auch der Theaterhof-Besetzung, war für uns ein komplexer Lernprozess. Ich habe die Dynamik damals nicht richtig eingeschätzt, nicht hinreichend verstanden, wie die Medien mit dem Thema umgehen und auch nicht gesehen, wie die Begleitung durch die Polizei funktioniert, um es mal vorsichtig zu formulieren. Ich glaube, für alle diese Teile wissen wir jetzt mehr und besser Bescheid. Wir würden daher auch Sachen anders machen.
FURIOS: Können Sie Beispiele nennen?
Ziegler: Das Eine ist, ich hätte hingehen sollen. Mir wurde schnell berichtet, dass die Protestierenden auf jeden Fall bleiben wollten und damit den regelhaften Studienbetrieb unmöglich machen würden. Als Verantwortlicher für den Hochschulbetrieb habe ich mich deshalb dazu entschieden, die Polizei in Gang zu setzen. Aber ich hätte mir zunächst selbst ein Bild machen können, um besser zu begreifen, wer die Personen vor Ort waren, auch seitens der Protestierenden.
Das Zweite ist, wie die Mechanismen sind, mit denen die Polizei arbeitet. Wenn in der Stadt etwas die Palästina-Überschrift hat, haben wir es nicht mehr mit der örtlichen Polizeiwache zu tun, sondern mit der zentralen Polizei in Berlin, die dann mit schwerer Einsatzmontur und mit höherer Einsatzleitung aus Mitte kommt.
Der dritte Teil ist der Umgang, wenn zum Beispiel lateinamerikanische Studierende von uns dabei sind. Sie haben in ihrer Geschichte die Polizei teilweise schon anders wahrgenommen als einer wie ich, der in den 60er Jahren, 70er Jahren aufgewachsen ist, und wo es hieß: „die Polizei, dein Freund und Helfer“.
So hatten wir über die Jahre eine ganze Reihe von Konflikten, bei denen ich mich gefragt habe: Was wurde richtig oder falsch gemacht? Wie ist da kommuniziert worden? In den letzten drei, vier Jahren haben wir auch die Kommunikation an der Universität ganz anders aufgestellt. So können wir sehr viel aktiver, schneller und deutlicher kommunizieren und auch reagieren.
FURIOS: Werfen wir zum Schluss noch einmal den Blick auf die Studierenden: Was ist denn Ihrer Einschätzung nach die größte Herausforderung, vor der Studierende heute stehen?
Ziegler: Zunächst muss man festhalten, dass Studierende wirklich in einer schwierigen Situation sind. Je nachdem, wie man fragt, geben rund ein Viertel bis ein Drittel der Studierenden an, Probleme mit ihrer mentalen Gesundheit zu haben (Das geht zum Beispiel aus Zahlen des TK-Gesundheitsreports 2023 hervor, Anm. d. Red.).
Die Gründe dafür sind sicherlich eine große Vielfalt von Sachen. Wir an der Freien Universität wollen ja eigentlich, dass die Studierenden zurechtkommen, wachsen und gestärkt werden. Die ungefähr 30 Prozent nehmen wir sehr ernst. Denn der Ansatz ist nicht, dass wir nur die anderen 70 Prozent ausbilden, sondern uns geht es darum, dass sich alle unsere Studierenden unterstützt und gefördert fühlen.
Dazu gehört natürlich auch die Frage, mit welcher Zeit und mit welcher Unterstützung die Profs, die Wissenschaftlichen Mitarbeitenden und alle, die zum System Universität gehören, ausbilden und unterstützen können. Da sind wir dran.
Ein anderer Teil der Herausforderung ist, dass das Leben in Berlin schwierig und teuer geworden ist. Dass es nicht genug Wohnraum für Studierende gibt, ist ein großes Problem. Und für Studierende ohne akademisches Elternhaus sind eine ganze Menge Dinge noch viel schwieriger als zum Beispiel für Rechtsanwaltssöhne. Das darf ich sagen, weil ich auch Rechtsanwaltssohn bin.
Eine große Herausforderung ist natürlich auch, dass das, was wir als Universität bieten, im Studium und in der Forschung anstrengend und herausfordernd ist. Ich würde mir bessere Betreuungsquoten, zusätzliche Unterstützung und kleinere Seminare wünschen, um diesem Problem entgegenzuwirken. Auch zusätzliche studentische Hilfskräfte einzustellen, wäre eine Verbesserung. Und auf der einen Seite wollen wir das auch. Wir sehen aber auch, dass es wieder an den Finanzen scheitert.
FURIOS: Wie kann man denn die Unterstützung für Studierende ausbauen? Denken Sie, dass die Allianz der Berliner Universitäten helfen könnte?
Ziegler: Wir müssen auch selbst die Netze bauen und die Studierenden auffangen. Ich glaube, dass die Berliner Universitätsallianz aber schon dabei hilft. Dazu gehören Support-Strukturen und, dass wir uns „Equity, Diversity, Inclusion and Belonging“, nicht nur für die Universität, sondern auch für die BUA auf die Fahne geschrieben haben. Das heißt, dass von dieser Seite Betreuungsmöglichkeiten kommen und Unterstützung angeboten wird. Eines der Projekte, die ich dazu in der Schublade habe, ist, dass ich hier an der Universität gerne eine Arbeitsstelle zu Hate Speech und Social Media hätte, weil das ganz brennende Themen sind. Dafür würde ich gerne mal den Bundespräsidenten aus seiner Rede vom neunten November letzten Jahres zitieren: „Die Zukunft der Demokratie, da bin ich mir sicher, entscheidet sich auch im Netz.“ Wenn man sich diesen Satz zweimal durch den Kopf gehen lässt, merkt man, wie fundamental das ist. Ich glaube, er hat recht.
