The Piano Tuner von Daniel Roher: Was hat der Berliner Kinosommer zu bieten?

Seit dem 2. Juli läuft The Piano Tuner in den Berliner Kinos. Für den Oscar-prämierten Regisseur Daniel Roher ist das der erste fiktionale Spielfilm. Elizabeth Khutashvili über einen Film, der aus dem außergewöhnlichen Gehör eines Klavierstimmers eine Kriminalgeschichte macht.

Die beiden Protagonisten auf Hausbesuch. Foto: IMDb

Die erste Hälfte des Kinosommers war größtenteils von Horrorfilmen geprägt. Bevor die Prestigeproduktionen der Saison die Leinwände erreichten, befanden sich die Berliner Kinos in einer Art Übergangsphase. In diese Lücke fällt The Piano Tuner, ein leichter Kriminalthriller mit romantischen Elementen, der mit seiner ungewöhnlichen Prämisse und einer Besetzung mit Dustin Hoffman und Leo Woodall durchaus vielversprechend wirkt. 

Von Klavierstimmen zu Tresorknacken

Die Geschichte folgt Nick, gespielt von Leo Woodall, einem begabten Klavierstimmer, der mit Hyperakusis lebt: einer Hörstörung, durch die alltägliche Geräusche schmerzhaft intensiv werden. Er arbeitet an der Seite von Harry, gespielt von Dustin Hoffman, der sowohl sein Mentor als auch eine Vaterfigur für ihn ist. Nach einer zufälligen Begegnung mit einer Gruppe von Kriminellen entdeckt Nick, dass dasselbe außergewöhnliche Gehör, mit dem er Klaviere mit besonderer Präzision stimmen kann, es ihm auch ermöglicht, Tresore innerhalb weniger Minuten zu öffnen. Während Harrys medizinische Kosten weiter steigen und Nick sich in die Pianistin Ruby verliebt, gerät letzterer immer tiefer in die Welt der Verbrechen.

Wenn der Film auf Nummer sicher geht


Aus dieser ungewöhnlichen Ausgangsidee entwickelt der Film einiges an Potenzial. Vor allem die Beziehung zwischen Nick und Harry verleiht der Geschichte Wärme und einen spielerischen Rhythmus. Ihre Dynamik gehört zu den angenehmsten Elementen des Films und macht besonders die erste Hälfte sehr unterhaltsam. Sobald sich der Fokus stärker auf Nicks Verstrickung in die Unterwelt verlagert, verliert The Piano Tuner jedoch zunehmend seinen Reiz. Die Handlung bewegt sich nun auf vertrauten Genrepfaden, und viele ihrer Wendungen lassen sich lange im Voraus erahnen. Auch das Drehbuch bleibt dabei häufig rein funktional: Die Szenen vermitteln zwar alles, was für die Handlung notwendig ist, doch den Dialogen fehlt es an Witz.

Dass dies in der ersten Hälfte weniger auffällt, liegt vor allem an den Darstellern. Dustin Hoffman bringt Wärme, Humor und eine gewisse Leichtigkeit in seine Szenen. Auch die Beziehung zwischen Harry und Nick gewinnt durch ihn einen Charme, der im Rest des Films oft fehlt. Da seine Figur relativ früh aus der Handlung verschwindet, liegt es vor allem an Leo Woodall, den Rest des Films zu tragen. Woodall verleiht Nick eine Sanftheit, die ihn als Figur unmittelbar sympathisch macht. Das ändert jedoch wenig an der Tatsache, dass Nick ein oberflächlich gezeichneter Protagonist bleibt, dessen Hintergrundgeschichte schließlich zugunsten einer banalen Auflösung geopfert wird.

Letztlich bleibt The Piano Tuner ein Film, der trotz seiner ungewöhnlichen und vielversprechenden Ausgangsidee kaum über konventionelles Genrekino hinauskommt. Daniel Roher entwickelt in seinem ersten fiktionalen Spielfilm noch keine wirklich prägnante Handschrift oder eigene filmische Ästhetik. Dennoch verleiht er der Geschichte genügend Tempo und Charme. Zusammen mit dem jazzinspirierten Soundtrack und der gut gewählten Besetzung macht das The Piano Tuner zu einem angenehm anzusehenden Film. Auch wenn seine formelhafte Handlung ihn weniger einprägsam macht, als es zunächst den Anschein hat.

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