Auf der Suche nach Lichtorten

Harte Schale, weicher Kern? Von außen wirken Rost- und Silberlaube in ihren Grau- und Brauntönen wenig vielversprechend. Rund um den Campus findet Lynn Dawid aber erstaunlich viele Hoffnungsschimmer. Eine Einladung, zwischen Bronze, Silber und Grün ein bisschen länger zu verweilen.

Foto: ©Lynn Dawid

Als ich mir auf dem Weg zu einer Einführungsveranstaltung an der FU das erste Mal meinen Weg durch das unergründliche System aus J-, K- und L-Straßen bahnen musste, konnte ich mich kaum zurechtfinden. Es kam mir vor, als würden Rost- und Silberlaube nur aus Gängen, Türen und Zwischengängen mit noch mehr Türen bestehen. Hinter der scheinbar willkürlichen Wahl der Straßennamen steckt Kalkül, wie mir erklärt wird: Um sich die Möglichkeit eines Anbaus offen zu lassen, wurden Zahlen von 23 bis 33 und Buchstaben aus der Mitte des Alphabets bewusst gewählt, um bei Bedarf in alle Richtungen erweitern zu können. Optisch ansprechender macht das den Gebäudekomplex für mich leider trotzdem nicht. 

Zwei Jahre später finde ich die Fassade immer noch hässlich und die Farbwahl der Teppiche und Türen gewöhnungsbedürftig. Der nötige Kontrast dazu entsteht aber durch die kleinen Zwischenhöfe, Hintertüren und vor allem die grünen Oasen. Zwischenräume, die den sonst recht groben Bau etwas auflockern und zwischen Seminaren und Vorlesungen Raum zum Aufatmen lassen.

Foto: ©Lynn Dawid

Acht Uhr morgens auf dem Weg zum ersten Seminar: Rost- und Silberlaube sind noch ganz verschlafen. In den Sommermonaten fällt schon um diese Uhrzeit Tageslicht auf den rot-verblichenen Teppich der K-Straße. Ich biege in eine der Seitenstraßen ein und werde prompt von der Dunkelheit verschluckt. Von der tiefliegenden Decke leuchten Neonröhren das Ende des engen Gangs aus. Ich passiere eine dunkelblaue Tür. Dann eine rote, eine gelbe, und wieder eine blaue. Trotz der bunten Farbpalette kann ich mich nicht wirklich mit diesem ziemlich beengenden Teil des Gebäudes anfreunden. Sobald es aber nach dem Seminar zum Lernen geht, tauche ich wieder auf: Die philologische Bibliothek lacht mich freundlich an. Eine riesige Glasscheibe gewährt Einblick in die weißgelbe Kugel. Zehn Uhr: Die Drehtür spült mich, zusammen mit anderen Studierenden, in das sonnendurchflutete Bibliotheksgebäude. Zwölf Uhr: Vom Laptop aus wandert mein Blick mit den strahlenförmig verlaufenden Streben vom Eingangsbereich zur hohen Decke. 

Nachmittags um halb drei malt dann die Sonne Schattenblätter auf die Teppiche. Der Weg zur Mensa führt an weiß verkleideten Wänden entlang, die ab und zu von einer Reihe an Fenstern unterbrochen werden. Unter meinen Schuhen wird rot zu blau und blau zu einem hellen orange. Ein Schachbrett aus hellen und dunklen Flecken ergänzt die Farben zu einem Karomuster. 

Foto: ©Lynn Dawid

Ich stoße die Tür nach draußen auf. Jetzt, im Sommer, haben es sich die meisten Studierenden vor der Mensa bequem gemacht. Sind die Tische voll, weicht man auf die Wiese aus. Ich frage Studis rund um den Campus, wo sie sich am wohlsten fühlen und wieso. Worin sich alle einig sind: Am schönsten ist es, wenn es hell und freundlich ist und wenn Menschen zusammenkommen können. 

»Die Blätterlaube ist ganz toll«, strahlt Miary. Zwischen Bienen und Beerenhecken kann man sich dort wunderbar entspannen. Besonders beliebt ist auch der Innenhof zwischen Rost- und Silberlaube, auf dessen geschwungenem Weg man an der kleinen Wiese vorbei zum Amphitheater gelangt, findet Nora. Auch sind die kleinen Cafés und ihre Terrassen beliebt. Und davon gibt es einige. Unter anderem das Café Seitensprung mit Wendeltreppe und Außenbereich in den Baumkronen, das Café Kauderwelsch samt Innenhof im Grünen und das GalileA neben der Mensa II, von dessen riesiger Dachterrasse aus man über Zehlendorfer Dächer schauen kann. Finn, Andi, Chantelle und Lena verraten mir, warum sie sich hier gerne aufhalten: »Weil hier viel Sonne ist, weil es gemütlich ist und man zusammenkommen und etwas bewegen kann«. Zum Lernen bietet sich das oberste Stockwerk des Altbaus der Campusbibliothek an, findet Kai. Ob bei Sonnenschein oder bei Regen: »Dort ist das Licht wegen des Glasdaches immer gut. Das hilft mir, mich beim Lernen nicht so zu fühlen, als würde ich mich den ganzen Tag wegsperren, sondern man kriegt ein bisschen was von der ›Welt da draußen‹ mit«. Lana wählt dafür die Philologische Bibliothek und fühlt sich dort vor allem wegen der offenen Architektur wohl. »Und dann ist man beim Lernen auch nicht so alleine«, lächelt sie. Ein weiterer Pluspunkt der FU: ihre Lage. In der Freistunde einfach mal mit der U-Bahn an die Krumme Lanke zu fahren oder in ein paar Minuten in einem nahegelegenen Park zu sein, bietet eine willkommene Abwechslung. 

Foto: ©Lynn Dawid

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