Wie rette ich mein Supermarkt-Basilikum, Prof. Baier?

Im Supermarkt noch knackig und frisch, eine Woche später zuhause wie nach 36 Stunden im Berghain:
Supermarkt-Basilikum stellt uns immer wieder vor dasselbe Problem. Woran das liegt – und wie sich das Basilikum-Dilemma lösen lässt – hat FURIOS die FU-Professorin Margarete Baier gefragt.

Foto: Leonas de Roux

Prof. Dr. Margarete Baier forscht am Institut für Biologie zur Pflanzenphysiologie, also darüber, wie Pflanzen mit Stressfaktoren aus ihrer Umwelt umgehen

FURIOS: Haben Sie Basilikum zu Hause? 

Baier: Nein.

FURIOS: Gibt es andere Pflanzen oder Kräuter, die Sie zuhause haben? 

Baier: Kräuter nicht, Pflanzen ja. 

FURIOS: Haben Sie eine Lieblingspflanze?

Baier: Meine Lieblingspflanze ist die Arabidopsis thaliana. Die haben wir hier in der Klimakammer.

FURIOS: Kann man die essen?

Baier: Ja, auch. Wir beforschen sie lieber. Aber unsere Forschung liegt sehr nahe an Ihrem Basilikum-Problem. 

FURIOS: Na dann! Warum stirbt Supermarkt-Basilikum immer? 

Baier: Ihr Supermarkt-Basilikum wird im Gewächshaus für den Supermarkt angezogen. Natürlich wächst Basilikum in der Natur unter ganz anderen Bedingungen, mit viel stärkeren Lichtintensitäten, höherer Luftfeuchtigkeit, Temperaturschwankungen, Trockenheitsschwankungen, Fressfeinden oder Bakterieninfektionen, was für eine Pflanze ganz wichtig ist. Es gibt eine ganz komplexe Umwelt draußen und dafür hat die Pflanze Anpassungsmechanismen entwickelt. Sie bildet Abwehrstoffe wie Bitterstoffe, um Infektionen abzuwehren, oder härtet die Zellwände. So werden die Blätter dicker, kräftiger und ledriger. Und das sind alles Dinge, die man beim Essen nicht so schätzt. 

FURIOS: Wie läuft das im Gewächshaus?

Baier: Genau diese Abwehrmechanismen werden dort nicht aktiviert. Zudem möchte man im Gewächshaus schnell anziehen, häufig bei niedrigen Lichtintensitäten. Dadurch werden die Bereiche zwischen den Blättern länger und können sich besser ausrichten, als es in der Natur der Fall ist, wo sie sich gegenseitig beschatten. Supermarkt-Basilikum ist genau an diese Gewächshaus-Bedingungen angepasst: regelmäßig gedüngt, regelmäßig gewässert, mit sanften Lichtintensitäten schmal gezogen, damit es schön lang wächst. Man geht davon aus, dass Sie den innerhalb kürzester Zeit essen. Wenn ich Basilikum kaufe, wird der Rest eingefroren, weil ich weiß, dass das Basilikum bei mir nicht überlebt.

FURIOS: Ist es denn überhaupt sinnvoll, Basilikum im Supermarkt zu kaufen? 

Baier: Es kommt darauf an, was Sie wollen. Auf Ihrer Pizza, auf Ihrer Pasta wollen Sie dieses zarte, weiche, an den Gaumen anschmiegende Basilikum mit sanftem Aroma. Es muss nicht robust sein. Wenn Sie es jedoch auf dem Fensterbrett oder im Balkonkasten als Dekorationselement haben wollen, dann soll es lange Zeit unter Berliner Bedingungen überleben. Basilikum kommt jedoch aus dem tropischen, subtropischen Bereich. Es muss also besonders angepasst sein, um diesen widrigen Umweltbedingungen standzuhalten. Ich denke, es hat alles seine Rechtfertigung.

FURIOS: Haben Sie Tipps, wie wir lange Zeit an frisches Basilikum kommen? 

Baier: Also ich würde sagen: Blumenkasten, selber aussäen, unter den Bedingungen anziehen und die Basilikum-Sorte aussuchen, die einem schmeckt. Ich würde auch immer auf die Samenpackung achten. Dort steht, wie tief die Samen eingesät werden sollen, wie feucht sie gehalten werden sollen und wie viel Sonne sie brauchen. Das sind optimierte Protokolle. Alles, was verkauft wird, ist in der Regel ausgetestet, damit es so angezogen werden kann. Einfach mal experimentieren. Dann kann man relativ lange was davon haben. Wenn Sie Supermarkt-Basilikum gekauft haben und es Ihnen welk wird, ein bisschen zurückschneiden. Die neuen Triebe passen sich dann vielleicht schon an die neuen Bedingungen an. So sind Sie vielleicht billiger und schneller am Ziel.

FURIOS: Haben Sie darüber hinaus Tipps für Pflanzen, die sich besonders gut für zu Hause eignen?

Baier: Wir sind hier in einem Gebäude mit Fenstern komplett zur Nordseite. Das ist was ganz, ganz Furchtbares. Dennoch haben wir hier schöne grüne Pflanzen.

FURIOS: Und wie haben Sie das hinbekommen? 

Baier: Wir haben die Gärtner gefragt, welche Pflanzen sich dafür eignen und dann halt nicht umstellen. Ich würde auf alle Fälle raten, mit dem Gärtner zu reden, also auch beim Samenkaufen. Die meisten Gärtner geben sehr gerne Pflegeempfehlungen, damit das Gekaufte gut wächst und gedeiht.

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