„Ich wusste, worauf ich mich einlasse”

Juristen büffeln, Soziologen haben Freizeit – eine neue Umfrage der Uni Konstanz bestätigt viele Klischees. Wie viel Aufwand bedeutet ein Studium an der FU wirklich? Thekla Brockmüller fragte eine Psychologiestudentin

Kristina studiert Psychologie im dritten Semester. Foto: Thekla Brockmüller
Kristina studiert Psychologie im dritten Semester. Foto: Thekla Brockmüller

Jede Woche stellen wir euch einen anderen Studiengang und den damit verbundenen Zeitaufwand vor. Diese Woche: Psychologie. Hier findet ihr mehr Artikel.

Eigentlich wollte Kristina etwas Kreatives machen, sie war sogar schon an der Universität der Künste angenommen. Als sie dann aber die Zusage für ein Psychologiestudium an der FU bekam, zögerte sie nicht lange Es war die Job-Sicherheit, die sie damals reizte. Worauf sie sich einlässt, hat sie gewusst.

Vor Beginn des Studiums diskutierte Kristina ausgiebig mit einer Freundin, die das gleiche Fach studiert. „Es war keine Überraschung für mich, dass es so zeitaufwendig und anstrengend ist“, sagt sie in ruhigem Tonfall. Trotzdem sei es eine ziemliche Umstellung gewesen, gerade in den ersten beiden Semestern. Wer einige Tage pro Woche in der Bibliothek verbringt, hat nicht mehr viel Zeit für Privates. Freizeitaktivitäten hat sie zu Beginn des Studiums erst einmal unterbrochen.

Persönliche Erfahrung widerspricht Studie

Der durchschnittliche Studienaufwand pro Woche für das Fach Psychologie wurde laut einer Studie der Universität Konstanz mit 25,2 Wochenstunden bewertet. Für die ersten beiden Semester findet Kristina das viel zu wenig. Ihren Zeitaufwand im dritten Semester schätzt sie auf ungefähr 30 Stunden in der Woche. Dann läge die Psychologie im oberen Mittelfeld, zusammen mit VWL und Biologie. Die Studie sieht das Fach aber auf dem drittletzten Platz, vor Kulturwissenschaft und Soziologie.

Kristina erzählt rückblickend, sie habe in den ersten beiden Semestern ungefähr 40 Stunden pro Woche in ihr Studium investiert. „In der Klausurenphase gab es dann schon mal Tage, an denen ich sechs Stunden in der Bibliothek saß“, erzählt sie. Das entspricht dem gängigen Bild vom Psychologiestudium. Ab dem dritten Semester wurde es jedoch leichter. Sie hatte das Gefühl, sich an den Universitätsalltag gewöhnt zu haben und auch der Stoffumfang schien etwas zu schrumpfen. Sie hatte wieder mehr Zeit für Freunde und Sport.

Ehrgeiz und Leistungsdruck

Ihren Lernstiel beschreibt Kristina als „sehr intensiv“ und sich selbst als „ziemlich ehrgeizig“. Die Anforderungen hätten sie gerade am Anfang etwas überfordert. „Aber ich stelle auch sehr hohe Ansprüche an mich selbst“, sagt sie lächelnd. Das liegt zum Teil auch daran, dass sie Stipendiatin der Studienstifung des Deutschen Volkes ist. Nach dem vierten Semester müsste Kristina zu den besten 15 Prozent ihres Studienganges gehören, damit ihr Stipendium verlängert wird. Das spornt sie an.

Im Moment hat Kristina ab und an Zeit, für ein langes Wochenende zu verreisen, da sie nur noch drei Tage in der Woche zur Uni geht. In Zukunft möchte sie diese Leidenschaft nicht mehr zu kurz kommen lassen. Langfristig strebt Kristina einen Masterabschluss an, der in der Psychologie ohnehin fast unumgänglich ist. Kristina schätzt, dass 90 Prozent ihrer Mitstudenten dies ebenfalls vorhaben. Der Leistungsdruck wird also hoch bleiben.

Auch wenn sie viel Zeit in ihr Studium investieren musste, würde Kristina sich immer wieder dafür entscheiden. Der Abschluss bietet ihr eine Reihe von Möglichkeiten. „Mich würden Forschungsaufenthalte in verschiedenen Ländern sehr interessieren“, sagt sie schmunzelnd. Damit könnte sie ihre Leidenschaft mit dem Beruf verbinden.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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