Greifenjagd in Temeria

Monsterjagden und Mutproben auf Halluzinogenen – der dritte Teil des Computerspielserie „The Witcher“ ist meisterhafter Rollenspielspaß in einer düsteren Fantasiewelt. Von Enno Eidens

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Geralt bei der Arbeit. Erste Hinweise auf das Monster findet der Hexer oft bei dessen Opfern. Foto: CD Project Red

The Witcher 3: Wild Hunt ist eines der besten Rollenspiele aller Zeiten. Da ist sich die Fachpresse einig. Der zweite Teil der Serie, ebenfalls entwickelt vom Warschauer Studio CD Project RED, wurde 2011 vom polnischen Ministerpräsidenten als Staatsgeschenk an Barack Obama überreicht – das musste überboten werden. Gleich vorweg: Ziel erreicht. Die Tradition großartiger Rollenspiele mit epischen Geschichten um Magie, Monster, gute Hexen und böse Könige geht weiter.

Die Hauptrolle spielt abermals Geralt von Riva, seines Zeichens Monsterjäger mit scharfen Sinnen, Sixpack und kleinen magischen Zaubertricks. Der mürrische Hexer ist auf der Suche nach seinen beiden Lieblingsfrauen: Yennefer, Geliebte und Ciri, Ziehtochter. Mit kleinen und großen Gefallen verdient sich Geralt auf seiner Reise durch die vom Krieg Königreiche Temeria, Novigrad und die Skellinge Inseln wertvolle Informationen um deren Aufenthaltsort. Die Story bietet leider kaum Innovationen, doch aber die eine oder andere überraschende Wendung.

Heiße Hexen und Halluzinogene

Die Welt von The Witcher 3: Wild Hunt ist riesengroß und vollgestopft mit Aufgaben, Geheimnissen und Begegnungen. Da gibt es pöbelnde Bauern, besoffene Studenten und heiße Hexen. Die ersten wollen aufs Maul, die zweiten zitieren Karl Marx und letztgenannte – verrat ich nicht. Die Entscheidungsfreiheit, die dem Spieler vor vielen Aufgaben gewährt wird, lässt zahllose kleine Nebengeschichten entstehen: Je nachdem, wie wir als Spieler auf Situationen reagieren, verlaufen diese unterschiedlich. Da gibt es zum Beispiel diese zwei besoffenen Brüder, die offenbar ein Problem mit reisenden Monsterjägern haben. Ein Dorfbewohner hilft uns und schickt uns auf die Jagd nach einem Monster. Doch als wir mit dessen Überresten im Gepäck zurückkehren, werden wir sogleich von den Brüdern in eine Schlägerei verwickelt. Bitten wir nun unseren neuen Freund um Hilfe, landet dieser mit einem Messer in der Brust auf dem Boden – ein unehrenhafter Tod, für den wir den Mördern mit gleicher Münze bezahlen lassen. Für die Tat werden wir angezeigt und hinter Gitter gebracht. Der Chef des Dorfes lässt uns zwar frei, zwingt uns dafür aber eine Aufgabe auf: Wir müssen seinem Sohn bei einer Mutprobe helfen. Voll auf Halluzinogenen kämpfen wir uns dann durch eine Höhle. Als Mutprobe. Ehrlich. Aufgaben solcher Natur gibt es unzählige in The Witcher 3. Mal größere, mal kleinere.

Wilde Jagd auf Fabelwesen

Aber der Titel erzählt nicht nur großartig Geschichten, auch spielerisch kann er überzeugen. Das Kampfsystem ist komplex: Jedes Monster, jeder Gegner hat seine ganz eigene Taktik und seine ganz eigenen Schwächen. So macht auch die Jagd nach den Biestern, Geralts eigentlicher Hauptberuf, tierisch viel Spaß. Es gilt, Zeugen zu befragen, Spuren zu lesen und zu guter Letzt eines dieser beeindruckenden Fabelwesen zu Fall zu bringen. Diese Abschnitte spielen sich häufig sehr ähnlich, doch dafür entlohnt dann der Anblick eines riesigen Greifs, der mit Sonne im Rücken zum Sturzflug ansetzt, um uns nur knapp zu verfehlen. Ein Pfeil unserer Armbrust und der Zaubervogel landet benommen auf dem Boden. Zwei schnelle Schwerthiebe, ein Feuerstoß und dann schnell ausweichen, bevor uns die scharfen Krallen erwischen. Dafür gibt´s dann neue Waffen, Rüstungen, Rezepte, Formeln und so weiter.

The Witcher 3: Wild Hunt kann motivieren, überraschen und tagelang fesseln. Gut gemacht.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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